Wegen Havarie im Suezkanal

Hamburgs Importeure erwarten Engpass bei Corona-Schnelltests

| Lesedauer: 3 Minuten
Martin Kopp
Mega-Frachter steckt weiter im Suez-Kanal fest

Mega-Frachter steckt weiter im Suez-Kanal fest

Die Blockade des Suez-Kanals wegen des festliegenden Containerschiffs "Ever Given" könnte Tage oder gar Wochen andauern. Die Kanalbehörde erklärte offiziell, die Durchfahrt sei "temporär ausgesetzt".

Beschreibung anzeigen

Das Containerschiff "Ever Given" blockiert weiter die Schifffahrtsroute zwischen Asien und Europa - mit gravierenden Auswirkungen.

Hamburg. Auch drei Tage nach der Havarie des Containerschiffs „Ever ­Given“, das seitdem den Suezkanal blockiert, ist die Bergung noch nicht vorangekommen. Hoffnung setzen die Behörden auf ein Hochwasser am Sonntag, mit dem das Schiff freischwimmen soll.

Inzwischen sind acht hochmotorisierte Schlepper vor Ort, um das 400 Meter lange Containerschiff zu befreien. Dennoch gehen Experten davon aus, dass die Blockade der Hauptschifffahrtsroute zwischen Asien und Europa noch Tage andauern wird.

Containerschiff "Ever Given" blockiert Suezkanal von tagelang

Nachdem der Stau vor der Unfallstelle in beiden Richtungen auf 200 Schiffe angewachsen ist, haben erste Reedereien damit begonnen, ihre Schiffe umzulenken. Die aus Asien kommende „Ever Greet“, die am 14. April in Hamburg erwartet wird, hat kurz nach dem Abbiegen ins Rote Meer kehrtgemacht und Kurs auf die Südspitze Afrikas genommen, um den Kontinent außen herum zu umfahren.

Die in der Allianz mit der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd fahrende „HMM Rotterdam“ ist in der Gegenrichtung nicht ins Mittelmeer eingebogen, sondern hält Südkurs.

Zentrale Lieferketten sind wegen der Havarie unterbrochen

Auch Hapag-Lloyd bereitet die Umfahrung des Kaps der Guten Hoffnung vor, um den Warentransport nach Europa trotz des Umwegs von 6000 Kilometern sicherzustellen. Dennoch warnt der Industrieverband Hamburg vor einem Risiko für die weltweiten Lieferketten.

„Zentrale Lieferketten geraten aufgrund mangelnder Container, unpünktlicher Schiffe und fehlender Transportkapazität ins Stocken, während die Kosten steigen. Dies kann sich in der Industrie negativ auf die Produktionsabläufe auswirken. Leiden dürften insbesondere die Branchen, die auf Rohstoff- oder Bauteillieferungen angewiesen sind“, sagt An­dré Trepoll, Geschäftsführer des Indus­trieverbands Hamburg (IVH), dem Abendblatt. „Der Korken muss schnell wieder aus der Flasche.“

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass Waren nicht mehr zeitgerecht in Hamburg ankommen“, ergänzt Willem van der Schalk, Vorsitzender des Vereins Hamburger Spediteure. „Schon heute haben wir die Situation, dass Verlader in China aufgrund der Containerknappheit zwei bis drei Wochen auf leere Boxen warten müssen. Das Problem wird sich jetzt nochmals verstärken, sodass wir mit Verzögerungen von zwei Monaten und mehr rechnen müssen. Das trifft alle Waren und damit die gesamte Wirtschaft.“

Corona-Schnelltests können wegen der Havarie in Hamburg knapp werden

Hamburgs Importeure stellen sich inzwischen auf Lieferverzögerungen ein. „Die Blockade wird die ohnehin schon bestehenden Lieferengpässe bei bestimmten Produkten in der Stadt weiter verschärfen“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Groß- und Außenhändler, Volker Tschirch. Es ist nicht auszuschließen, dass wichtige Artikel wie Schnelltests knapp werden.“

Auch für die Bürgerschaft ist die Havarie auf dem Suezkanal ein Thema. Der Hafenexperte der Linksfraktion, Norbert Hackbusch, hinterfragt in einer Anfrage an den Senat noch einmal die Hintergründe eines Unfalls des Containerschiffes "Ever Given" vor zwei Jahren auf der Elbe in Hamburg.

Containerschiff rammt Hafenfähre
Containerschiff rammt Hafenfähre