Corona-Krise

Viele Kreuzfahrer sitzen noch vor Chile und Australien fest

Ein Archivbild der „MSC Magnifica“, die jetzt vor Australien liegt.

Ein Archivbild der „MSC Magnifica“, die jetzt vor Australien liegt.

Foto: Imago

Passagiere werden ausgeflogen. „MSC Magnifica“ fährt als weltweit letztes aktives Schiff noch nach Dubai. Hamburger Journalist an Bord.

Hamburg. Es sollte eine Weltreise in den Ruhestand werden. Doch für den Hamburger Journalisten und Manager Uwe Dulias wurde die Kreuzfahrt auf der „MSC Magnifica“ vor Australien zum Schiffarrest. „Ein Gefühl fast wie früher an der Mauer der DDR“, sagt er. Nicht nur, dass die geplanten Ziele praktisch ins Wasser fallen. Barrier Reef? Bali? Mumbai? Gestrichen. „Keiner durfte von Bord – oder nicht wieder zurück“, sagt Dulias. Nach Tagen der Unsicherheit vor der australischen Küste hat MSC die Kreuzfahrt mit rund 2000 Gästen am Mittwoch offiziell für beendet erklärt. Die ersten Passagiere fliegen am Donnerstag via Melbourne zurück.

Dulias hat sich derweil entschieden, auf gut Glück noch drei Wochen an Bord zu bleiben und dann, wie nunmehr geplant, in Dubai auszusteigen. „Wir cruisen weiter mit bis Dubai, hoffentlich“, fügt er hinzu. Die Reederei zahle dafür eine kulante Entschädigung. Die jetzt Abreisenden erhalten 35 Prozent des Reisepreises und den Rückflug erstattet.

Größte Rückholaktion der deutschen Geschichte wegen Corona

Während Zehntausende Landurlauber in der größten Rückholaktion der deutschen Geschichte nach Deutschland geflogen werden, müssen auch Kreuzfahrer ihre Heimreise eintreten. Vielfach helfen ihnen die Reedereien dabei. So organisiert die Flugabteilung von Hapag-Lloyd Cruises die Rückkehr von rund 300 Gästen auf der „MS Europa“. Aufgrund der Streichung von Linienflügen würde nun ein Charter organisiert, sagt Karen Schmidt von der Presseabteilung.

Die Seepassage endete am Freitag in Mexiko. Am 21. März stellt Hapag-Lloyd Cruises den Betrieb aller Schiffe ein – voraussichtlich bis zum 28. April. Emotionale Momente gab es derweil auf der „Mein Schiff 2“ in der Karibik. Für Crew und Passagiere hieß es, Abschied zu nehmen. Rückkehr – ungewiss. „Der schwere, ungewollte Abschied für Gäste und Crew war einer der emotionalsten Momente, die ich je erlebt habe“, sagte ein leitendes Crew-Mitglied.

Kreuzfahrt wird zur Odyssee

Wie eine Sprecherin von TUI Cruises betonte, werde als Erstes die sichere Rückreise der Gäste der „Mein Schiff 1“ von Bridgetown (Barbados) durchgeführt. Sie soll heute abgeschlossen werden. „Die Rückreisen der ,Mein Schiff 2‘ werden voraussichtlich noch einige Tage in Anspruch nehmen.“ Für 17 Deutsche ist die Kreuzfahrt unterdessen zur Odyssee geworden. Eine Hamburgerin Seniorin sitzt seit einigen Tagen auf der „Zaandam“ der Holland-America Line fest – und zwar vor dem chilenischen Punta Arenas. Nach langer Ungewissheit gibt es jetzt einen Termin für die Ausschiffung.

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An diesem Sonnabend endet die Reise in San Antonio (Chile). Die Holland-America will die Rückflüge organisieren. Bereits in den vergangenen Wochen hatte AIDA Cruises mit Sitz in Warnemünde mitgeteilt, die Saison vorübergehend bis Anfang April zu unterbrechen. „Alle derzeit stattfindenden Kreuzfahrten werden sukzessive beendet. In den nächsten Tagen werden auch die letzten Kreuzfahrten in geeigneten Häfen beendet, um den Gästen das Aussteigen und die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen“, sagte eine Sprecherin auf Abendblatt-Anfrage.

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Auf der „MSC Magnifica“ wird eine große Zahl der europäischen Passagiere bleiben – wie der Hamburger Manager und Journalist Uwe Dulias. Weil die Fahrt von Australien bis nach Dubai rund zwei Wochen dauern wird, dürfte die „MSC Magnifica“ bis dahin das weltweit einzige noch aktive Kreuzfahrtschiff sein.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das Sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen