Seeleute

77 Tage auf dem Meer – und drei Stunden im Hamburger Club

Das harte Leben der Seeleute an Bord der Containerschiffe wird hier etwas ausgeglichen: im Hamburger Seemannsheim Duckdalben.

Das harte Leben der Seeleute an Bord der Containerschiffe wird hier etwas ausgeglichen: im Hamburger Seemannsheim Duckdalben.

Foto: picture alliance / dpa / Markus Scholz

Vor allem Filipinos kommen ins Seemannsheim Duckdalben im Hafen. Die Bedingungen an Bord der Mega-Containerschiffe werden rauer.

Hamburg. Es ist eine krasse Bilanz, die die Seemannsmission da präsentiert. Im Jahr 2018 fuhren die sieben VW-Busse und Caddys 250.000 Kilometer nur innerhalb des Hamburger Hafens, um Seeleute von den Terminals und ihren Containerschiffen zum Club Duckdalben zu bringen. Um von einem Dieselfahrverbot erst gar nicht betroffen zu sein, werden die Busse mit Erdgas betrieben.

Die Schwerstarbeiter an Bord, die die Globalisierung auf Trab halten und das eigentliche menschliche Antlitz der Glitzerwelt von neuen iPhones und Samsung Galaxys sind, fahren zum Beispiel 77 Tage aus Fernost übers Meer, um dann drei Stunden in dem Hamburger Club zu entspannen.

Mega-Containerschiffe nur 24 Stunden in Hamburg

Mehr ist nach Angaben der Seemannsmission nicht drin bei den Vier-Stunden-Schichten, die die Seeleute an Bord haben. Ein Mega-Frachter mit 400 Meter Länge legt im Hafen binnen 24 Stunden wieder ab. Da bleibt wenig Zeit für Skypen mit der Familie, ein bisschen Kickern und die beliebte deutsche Schokolade, wie Duckdalben-Leiterin Anke Wibel am Mittwoch erklärte.

Die meisten der 34.620 Club-Gäste waren Filipinos (16.344) vor Indern (4711 Clubgäste), Ukrainern (1907), Chinesen (1459) und Russen (1233). Über eine Million Besucher kamen seit der Duckdalben-Gründung 1986. Dass Filipinos als Seeleute beliebt seien, liegt nach Angaben der Seemannsmission vor allem am „Kostenbewusstsein“ der Reedereien. Sie seien bereit, für relativ wenig Geld über Jahre den Job an Bord mit langen Zeiten fernab der Familie zu machen. An ihrer Beschäftigung hingen oft ganze Familienstränge.

Die Zahl der Besucher im vergangenen Jahr ist im Vergleich zu 2017 um rund 2000 gesunken. Den Grund dafür sieht der Club in größeren und damit weniger Schiffen sowie weiter verkürzten Liegezeiten an den Hafen-Terminals.