Reeder

Korruption im Hamburger Hafen: Staatsanwälte ermitteln

Hausdurchsuchung, Schmiergelder in Millionenhöhe und Entlassungen: Vertragsreeder sollen Rabatte nicht weitergegeben haben.

Hamburg/Kopenhagen. Ein schwerwiegender Fall von Korruption erschüttert den Hamburger Hafen. Dabei geht es nach vorläufigen Schätzungen um Schmiergeldzahlungen von mehreren Millionen Euro. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Verden/Aller ermittelt derzeit gegen einen Vertragsmanager der Firma Hempel, wie ein Behördensprecher dem Abendblatt sagte. Das Unternehmen mit Sitz in Pinneberg gehört zu dem gleichnamigen dänischen Konzern Hempel A/S. Hier hat es bereits am 17. August eine Hausdurchsuchung gegeben. Hempel hat bis zu diesem Donnerstag vier Mitarbeiter entlassen, auch die interne Untersuchung läuft noch. Eine Hamburger Wirtschaftskanzlei ist in die unternehmenseigene Aufarbeitung eingebunden.

Im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt gab sich der Vorstandsvorsitzende von Hempel, Henrik Andersen, erschüttert über die Fälle von Korruption in seinem Unternehmen, das mit rund 6000 Mitarbeitern in 80 Ländern etwa 1,6 Milliarden Euro umsetzt. Hempel ist Experte für Schiffsfarben und Industrie-Beschichtungen beispielsweise von Kraftwerken oder Windanlagen. „Wir können momentan nur schätzen, aber es geht vermutlich um mehrere Millionen Euro an Bestechungsgeldern“, sagte Andersen dem Abendblatt.

Hempel-Vorstandschef Henrik Andersen ist erschüttert

Für die in Kopenhagen beheimatete Firma ist dies ein schwerer Schlag. Der einer Stiftung gehörende Traditions-Konzern hat sich Offenheit und hohe ethische Standards auf die Fahnen geschrieben. Auch für die arg gebeutelte Schifffahrtsbranche kommt der Skandal zur Unzeit.

Andersen bedauerte den Fall und sprach von Praktiken, „die mutmaßlich nicht mit der deutschen Rechtsordnung übereinstimmen“. Der Vorstandschef sagte weiter: „Diese Praktiken haben im Verhältnis zwischen Hempel Germany, den Ship Managern und den Schiffseigentümern stattgefunden.“

Nach bisherigen Erkenntnissen sollen Hempel-Verantwortliche die Schiffsmanager bestochen haben, um kontinuierlich Aufträge zu bekommen. Gleichzeitig sollen sie flächendeckend Rabatte gewährt haben. Diese Rabatte für Vertragsreeder sind in der Branche üblich. Allerdings müssen sie an die Schiffseigentümer weitergereicht werden. Das ist offenbar nicht geschehen. So wurden nach ersten Recherchen auch Schiffsfonds geschädigt.

Weitere Entlassungen wegen der Affäre schließt Hempel-Vorstandschef Andersen nicht aus. Man untersuche Fälle bis zu zehn Jahre zurück. „Straftaten solcher Art sind ein Angriff auf unsere Kunden, unsere Unternehmenskultur und –werte und somit auch ein Angriff auf unsere weltweit rund 6000 verantwortungsvollen und pflichtbewussten Mitarbeiter.“