Schifffahrt

Reederei Rickmers macht Minus von 135 Millionen Euro

Reeder Bertram Rickmers auf dem Museumsschiff "Rickmer Rickmers“ im Hamburger Hafen

Reeder Bertram Rickmers auf dem Museumsschiff "Rickmer Rickmers“ im Hamburger Hafen

Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius

Die Hamburger Reederei fährt in der Folge einen Sparkurs, plant nun eine Umstrukturierung und schließt auch Entlassungen nicht aus.

Hamburg.  Die weltweite Krise in der Schifffahrt hat sich im vergangenen Jahr auch in der Bilanz einer Hamburger Traditionsreederei niedergeschlagen. Die Rickmers Gruppe mit Sitz in Ottensen rutschte tief in die Verlustzone. Unter dem Strich wies das Unternehmen für das Geschäftsjahr ein Minus von 135 Millionen Euro aus, teilte es jetzt mit. Im Vorjahr stand hier noch ein positives Ergebnis von 2,1 Millionen Euro.

Hoch dotierte Charterverträge liefen aus

Die Rickmers Gruppe verchartert Schiffe an Linienreedereien wie etwa die französische Gesellschaft CMA CGM. Zugleich betreibt sie die Rickmers-Linie, die mit Mehrzweckfrachtern auf weltweiten Verbindungen fährt. Die Überkapazitäten im Schiffsmarkt sowie die sinkenden Charterraten hätten 2015 zu außerordentlichen Abschreibungen geführt, so Rickmers.

Nach internationaler Rechnungslegung müsse jedes Jahr der Wert der Flotte bestimmt werden – und der sei 2015 aus diesen beiden Gründen deutlich gefallen. Zudem belaste die Firma, dass einige hoch dotierte Charterverträge ausgelaufen sind und zu den aktuell deutlich schlechteren Konditionen verlängert werden mussten. Dies habe zu einem negativen Effekt geführt.

Zugleich verweist die Reederei darauf, dass das operative Ergebnis gut sei: Das Ebitda stieg um 20,8 Prozent auf 253,1 Millionen Euro. Verantwortlich dafür sei ein gutes, aktives Kostenmanagement gewesen. Auch bei den Umsätzen legte die Gruppe zu. Die Erlöse stiegen um 7,6 Prozent auf 587 Millionen Euro. Zwei Faktoren seien dafür maßgeblich: der starke Dollar und die Vergrößerung der Flotte von 110 auf 130 Schiffe, die zum Stichtag 31. Dezember 2015 unter dem Management des Unternehmens fuhren.

Sparen steht auf dem Programm

Beim Ausblick für dieses Jahr herrscht Skepsis vor. Zwar erwartet das Unternehmen für dieses Jahr eine leichte Verbesserung der generellen ökonomischen Situation. Das werde sich aber wahrscheinlich nicht in höheren Fracht- und Charterraten widerspiegeln. Für Umsatz und Ebitda wird mit einem Rückgang gerechnet.

Um gegenzusteuern, habe der Aufsichtsrat Anfang März einem Bündel von Maßnahmen zugestimmt, hieß es. Für Unruhe bei den mehr als 2000 Mitarbeitern weltweit, davon 250 in der Verwaltung und dem operativen Zen­trum in Hamburg, dürfte vor allem der Punkt „Optimierung der gruppenweiten Kostenstrukturen“ sorgen. Wenn Sparen auf dem Programm steht, geht es häufig um Personalabbau. „Zum jetzigen Zeitpunkt sind diese Maßnahmen nicht beschlossen, können jedoch nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden“, teilte das Unternehmen auf Abendblatt-Anfrage mit.

Fünf neue Containerschiffe mit Darlehen bestellt

Zu den weiteren beabsichtigten Maßnahmen gehören der Verkauf von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Unternehmensteilen und eine Refinanzierung der Bankverbindlichkeiten. In dem Punkt wurden bereits erste Erfolge vermeldet. Zum einen wurde ein Kredit über 1,39 Milliarden US-Dollar (1,25 Milliarden Euro) verlängert. Und zum anderen habe eine der Hausbanken die grundsätzliche Zustimmung für eine Verlängerung des Kredits über 520 Millionen US-Dollar bis in die Jahre 2020/21 gegeben.

Mit diesem Darlehen wurden fünf Containerschiffe mit Platz für jeweils 13.600 Boxen bestellt. Das verschafft laut Insidern auch ein wenig Luft für die Rückzahlung einer Unternehmensanleihe, die 2013 aufgelegt wurde. Bis zu 200 Millionen Euro sollten eingesammelt werden, dafür wurden rund neun Prozent Zinsen gezahlt. Die Anleihe muss 2018 an die Investoren zurückgezahlt werden.

Die Schifffahrtskrise hat schon eine ganze Reihe von prominenten Opfern gefordert. Branchenprimus ­Maersk vermeldete für das vergangene Jahr einen Gewinneinbruch um 80 Prozent. Im letzten Quartal fiel sogar ein operativer Verlust von 125 Millionen Euro an. Auch die japanische NYK und die koreanische Hanjin gerieten im zweistelligen Millionenbereich in die roten Zahlen. Besser gemacht hat es zuletzt ausgerechnet ein Lokalrivale: Das langjährige Sorgenkind Hapag-Lloyd meldete fürs letzte Quartal 2015 einen Gewinn von 17,8 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum lag das Minus allerdings noch bei 305 Millionen Euro.