Nach Umschlagverlust

Horch warnt davor, den Hafen schlechtzureden

Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) bei der Jahrespressekonferenz der HPA (Hamburg Port Authority) und vom Hafen Hamburg

Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) bei der Jahrespressekonferenz der HPA (Hamburg Port Authority) und vom Hafen Hamburg

Foto: Lukas Schulze / dpa

Betriebe schlagen in Hamburg mit 8,8 Millionen Containern 9,3 Prozent weniger um. HPA-Chef Meier verkündet aber eine historische Wende.

Hamburg.  Eigentlich wollte Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) am Mittwoch nur positive Dinge berichten, aber dann kamen ihm doch die Hafenzahlen in die Quere. Am Mittwoch lud die Marketinggesellschaft des Hamburger Hafens zur Präsentation des Jahresergebnisses 2015. Zunächst aber ergriff der Senator das Wort: Er verwies darauf, dass der havarierte Riesenfrachter „CSCL Indian Ocean“ dank des „umsichtigen und entschlossenen Handelns“ aller Beteiligten endlich im Hafen ist. Er lobte den Kompromiss mit Schleswig-Holstein zur Lösung des Schlickproblems als „sehr gutes Ergebnis“. Und er hob die Effizienz und Qualität des Hamburger Hafens hervor. Dann aber kam Horch zu dessen Zahlen. „Es gibt nichts, drum herumzureden. Wir müssen einfach konstatieren, dass wir nach Rekordjahren im Hafen nun vor allem im Containerumschlag einen Rückgang verzeichnen müssen.“

Dieser Rückgang fällt beträchtlich aus. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Hafenexperten eigentlich im vergangenen Jahr endlich einmal zehn Millionen Standardcontainer (TEU) umschlagen wollten. Heraus kamen aber nur 8,8 Millionen TEU nach 9,73 Millionen im Vorjahr. Insgesamt ging der Containerumschlag damit um 9,3 Prozent zurück, wie Axel Mattern, Geschäftsführer der Hafen Hamburg Marketing, erklärte. Mit einem Minus von 0,5 Prozent fiel der Rückgang in Hamburgs Konkurrenzhafen Rotterdam wesentlich geringer aus. Der Hafen von Antwerpen, der zu Beginn 2015 noch weit abgeschlagen hinter Hamburg auf dem dritten Platz rangierte, liegt jetzt auf Platz zwei, er verzeichnete beim Containerumschlag ein Plus von 7,4 Prozent. Das machte sich letztlich auch bei Hamburgs Marktanteil im Containerumschlag der Nordseehäfen bemerkbar: Dieser sei im abgelaufenen Jahr um 1,9 Prozent auf 21,6 Prozent gesunken, so Mattern.

Massengut-Umschlag als Lichtblick

Auch der Stückgut-Umschlag hat in Hamburg nachgelassen. Vor allem wegen sinkender Exporte sank die Verladung von schweren Bauteilen oder Fahrzeugen um 14,2 Prozent auf zwei Millionen Tonnen. Einen Lichtblick gab der Massengut-Umschlag: Wegen hoher Getreideexporte und Kohleimporte stieg das Ladungsaufkommen um 5,8 Prozent auf 45,5 Millionen Tonnen. Dieser Anstieg reichte jedoch nicht aus, um die Gesamtbilanz des Hafens auszugleichen. Insgesamt sank der Seegüterumschlag um 5,4 Prozent auf 137,8 Millionen Tonnen.

Verantwortlich für den Rückgang sei die hohe Abhängigkeit der Hansestadt vom China-Handel und den Transporten nach Osteuropa, die beide stark geschrumpft sind. So sei der Containerhandel mit Nordost-Asien im vergangenen Jahr um 13,8 Prozent zurückgegangen, der Verkehr nach Russland und Polen sogar um 22,6 Prozent, sagte Mattern.

Angesichts der Lage erwartet Hamburg für dieses Jahr eine Stagnation des Güterumschlags. „Wir prognostizieren bestenfalls ein Ergebnis in der Größenordnung von 2015“, sagte Mattern. Eine genauere Prognose sei angesichts der schwer einschätzbaren Außenhandelsentwicklung nicht drin.

Horch stezt auf die Elbvertiefung

Der Hafen sei gut, wenn nicht sehr gut aufgestellt, sagte Horch. Der Senator warnte davor, den Hafen schlechtzureden, das würde nur den Konkurrenten helfen. Gleichwohl machte er deutlich, dass man hart daran arbeite, den Umschlag wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Oberste Priorität habe die Elbvertiefung. „Wir sind mit aller Akribie dabei, die Planunterlagen mit den notwendigen Ergänzungen zu versehen. Ich bin weiter zuversichtlich, dass wir im Jahr 2016 zu einer Entscheidung kommen“, sagte Horch.

Positiv sei hingegen im vergangenen Jahr im Hamburger Hafen das Wachstum des Binnenschiffsverkehrs gewesen. Insgesamt wurde mit einer von Binnenschiffen transportierten Ladungsmenge von 12,4 Millionen Tonnen ein Plus von 13,6 Prozent erreicht. „Hamburg hat damit Köln als zweitgrößten Binnenschiffshafen in Deutschland abgelöst“, sagte Ingo Egloff vom Hafen-Marketing.

Bahn löst Lkw ab

Der Geschäftsführer der Hamburg Port Authority, Jens Meier, verkündete schließlich eine historische Wende: Angesichts der guten Entwicklung des Hinterlandverkehrs des Hafens habe die Bahn den Lkw erstmals in der Geschichte des Hafens als Verkehrsträger Nummer eins abgelöst. Meier zufolge wurden im vergangenen Jahr 45,8 Millionen Tonnen an Seegütern auf der Schiene von und nach Hamburg gebracht. Das ist ein Plus von 3,1 Prozent und neuer Rekord. Mit dem Lkw waren es nur 42,8 Millionen Tonnen.

Rekordverdächtig ist auch die Bedeutung der Eisenbahn im internationalen Hafenvergleich. In Hamburg werden in etwa so viele Güter mit der Bahn transportiert wie in allen anderen Nordseehäfen zusammen. „Der Anteil Rotterdams liegt bei 19 und der Antwerpens bei acht Prozent. Mit rund 1100 Containerzugverbindungen pro Woche nimmt Hamburg im Vergleich zu Häfen wie Rotterdam oder Antwerpen mit großem Abstand eine führende Position ein“, sagte Egloff.