Papenburg

Die Meyer Werft verlegt ihren Sitz ins Ausland

Ein Werftarbeiter macht die Leinen bei
der „AIDAbella“ in Papenburg los

Ein Werftarbeiter macht die Leinen bei der „AIDAbella“ in Papenburg los

Foto: dpa

Wirbel bei traditionsreichem Schiffbauer aus Papenburg. Mitspracherecht wird beschränkt. Das Sagen soll in der Familie bleiben.

Papenburg. Das Mutterunternehmen der Meyer Werft in Papenburg, die Meyer Neptun GmbH, will ihren Firmensitz von Rostock nach Luxemburg verlegen. Wie ein Sprecher am Sonntag erklärte, sei der Eintrag ins Handelsregister in Luxemburg bereits am Donnerstag erfolgt. Am Freitag seien die Betriebsräte über den Schritt informiert worden.

Zu den Hintergründen dieses Schritts sagte der Werft-Sprecher in Papenburg: Die Verlegung des Firmensitzes würde es erleichtern, die europäische Werftengruppe als Familiengeführten Betrieb fortzuführen. An den Standorten ändere sich nichts. Der Geschäftsführer der Rostocker Neptun Werft, Manfred Müller-Fahrenholz sagte dem NDR, es handele sich um einen formalen Akt, um die Handlungsfähigkeit der Werftengruppe zu stärken. Es sei nicht an personelle Veränderungen gedacht. Die Neptun Werft bleibe in Rostock ansässig, beschäftige dort ihre Mitarbeiter und führe Steuern ab. Ebenso verhalte es sich mit dem Standort Papenburg.

Bereits seit Langem firmiert die Papenburger Meyer Werft unter dem Dach des Mutterunternehmens Meyer Neptun GmbH mit Sitz in Rostock. Mit der kompletten Übernahme der ehemaligen STX-Werft in Turku im April dieses Jahres muss der Betrieb als europäische Gruppe neu geordnet werden. Laut Meyer Werft soll mit diesem Schritt verhindert werden, dass ein Aufsichtsrat gebildet wird. Ein Aufsichtsrat wäre extrem hinderlich gewesen und hätte eventuell den Zuschlag für neue Aufträge verhindert, heißt es von Seiten des Unternehmens.

Das Sagen soll in der Familie bleiben, der die 1795 gegründete Werft seit sieben Generationen gehört. Die neue Holding wird in Luxemburg in der Form einer europäischen Aktiengesellschaft (SE) aufgezogen. Demnach erfolgt die Verlagerung von Deutschland ins Ausland, um die Mitbestimmung in einer Aktiengesellschaft (AG) nach deutschem Recht zu umschiffen. Nach dem Modell einer AG hätten die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat Informations- und Gestaltungsrechte.

Der Betriebsrat ist empört. Wie der Betriebsratsvorsitzende Ibrahim Ergin dem NDR sagte, befürchte die Belegschaft die Beschneidung von Mitbestimmungsrechten. Heute wollen die Arbeitnehmervertreter zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Ein Sprecher der Werft sagte dem Abendblatt: „Die Arbeitnehmervertreter werden weiter wie bisher über das Betriebsverfassungsgesetz ihr Mitspracherecht haben.“

Aber auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) zeigte sich über den Schritt irritiert. Schließlich habe die Landesregierung den Standort der Meyer Werft in Papenburg nicht zuletzt mit dem Masterplan Ems unterstützt. Lies lädt an diesem Mittwoch zu einem runden Tisch ein, um Klarheit über die Umbildung zu gewinnen. „Es ist bedauerlich, dass wir nicht wissen, was das im Einzelnen heißt“, sagte Stefan Wittke, Sprecher des Ministeriums. „Unsere Erwartung ist, dass Papenburg erhalten bleibt, aber wir wissen es nicht.“