Schiffe

Wie viel Hamburg steckt im Hafengeburtstag?

Mehr als man denkt, sagen Veranstalter und Kenner. Ein Rundgang mit Harald Harmstorf, Ehrenvorsitzender des Segler-Verbands.

Hamburg.  Die Barkassenunternehmer schieben Sonderschichten. Gleich drei Angestellte fischen Besucher aus dem Gedränge. Wieder mal sind alle da, wenn Hamburg seinen Hafen feiert – die Bayern, die Sachsen, die Leute aus dem Pott: „Ja, mei!“ „Nu gugge ma da!“ „Wem is dat Boot denn?“

Drei Tage lang ist großes Mundarttreffen an den Landungsbrücken. Und alle freuen sich, alle sind begeistert. Von der Stadt, vom Hafen, vom Fest. Nur ein „Moin“ hört man selten in diesen Tagen, die Mitarbeiter der Barkassenunternehmen mal ausgenommen.

„Moin“, sagt Harald Harmstorf in die Rauchschwaden eines Schwenkgrills hinein. „Toller Anblick, was?“ Der Mann kriegt immer noch feuchte Augen, wenn er aufs Wasser blickt. Und das liegt nicht am Treffen der internationalen Schwenkgrillvereinigung, für das man den 826. Hafengeburtstag mit bösem Willen auch halten könnte beim Gang über die Festmeile. Das liegt an der Elbe, der Stadt, dem Hafen.

Harald Harmstorf ist 75 Jahre alt, in siebter Generation Hamburger, genauer: Blankeneser, war lange Jahre Vorsitzender des hiesigen Segler-Verbandes und 15 Jahre Mitglied der „Arbeitsgruppe Wasser“ beim Hafengeburtstag. Wenn jemand beantworten kann, wie viel Hamburg eigentlich noch in diesem Fest steckt, dann er.

„Und natürlich“, sagt Harmstorf gleich am Anfang, „ist nichts Hamburgischer als der Hafengeburtstag.“ Das beginne schon damit, dass alle Organisatoren aus Hamburg kämen und 150 der etwa 300 offiziell teilnehmenden Schiffe ihren Heimathafen hier haben. „Aber ganz ehrlich“, sagt Harmstorf: „Ich bin froh, wenn ich wieder zu Hause bin.“ Hamburger würden das Fest mögen, aber meiden. „Jahrmarkt auf dem Wasser is’ nich so unseres.“

Mehr als eine Million Besucher – laut aktueller Umfrage 42 Prozent aus Hamburg – haben sich in diesem Jahr das Spektakel zu Land und zu Wasser angesehen. Schlepperballett, Feuerwerk, Schiffe rein, Schiffe raus. „Mit großer Routine beweist Hamburg hier seine maritime Kompetenz“, sagt Harmstorf. „Das Alltagsgeschäft des Hafens ist ja komplett eingebunden.“ Exzellente Organisation sei das. Und man müsse der Fairness halber unterscheiden: Auf dem Wasser sei vieles Hamburg, auf der Festmeile eher nicht. Das Hamburgische werde dem Kirmesgedanken etwas untergeordnet.

Doch die Veranstalter widersprechen diesem Eindruck. „90 Prozent der Standbetreiber und Subveranstalter kommen aus der Metropolregion“, sagt Saskia Jöhnk, Sprecherin der Hamburg Messe, die den Hafengeburtstag für die Wirtschaftsbehörde organisiert. Es werde „vermehrt Wert darauf gelegt, dass Stände und Themeninseln hanseatischen Charakter aufweisen“, wie etwa beim Hanse- und Fischerdorf. Beteiligt seien die Hamburger Seemannsmissionen, die Shanty-Chöre der Stadt, die Drachenboot-Clubs, der Motorboot- und der Segler-Verband sowie der Museumshafen, das Hafenmuseum und die Stiftung Maritim. Hinzu kämen die Hamburger Künstler auf den Bühnen und nicht zuletzt die Klassiker in der Gastronomie: Fischbrötchen und Hamburger Biermarken. „Kurz gefasst: Der Hafengeburtstag ist Hamburg“, sagt Saskia Jöhnk. Als Wirtschaftsmotor, der das Bild der Stadt maßgeblich präge, präsentiere sich der Hafen einmal im Jahr lebendig und nahbar wie nie.

„Dass dieser Rummel gerade Touristen anzieht, liegt auf der Hand“, sagt Harald Harmstorf. „Wir Hamburger haben den Hafen ja jeden Tag.“ Dennoch habe es auch für Einheimische seinen Reiz, die Kreuzfahrer, die dicken Containerpötte und die eleganten Großsegler in einer kompakten Choreografie zu sehen. „Denn die Vielzahl der Schiffe ist schon enorm.“

Weil diese „hohe Attraktivität“ des Hafengeburtstags aber auch mit verstopften Straßen und Parkplatznot einher gehe, „scheuen viele den Besuch“, sagt Harmstorf. Zumal man Großereignisse im Wochentakt habe. „Aber als Hanseat toleriert man das“, sagt er. Und sei stolz auf die Anziehungskraft der eigenen Stadt. „Denn gerade beim Hafengeburtstag zeigt Hamburg, wie einmalig es ist. Buden aufbauen kann jeder, aber Schiffe, Kultur und seefahrerisches Können für dieses Fest am Wasser bündeln, das können nur wir.“ Diese Mischung aus Tradition und Moderne dürfe man dann für drei Tage gern den Touristen zur Verfügung stellen. Hanseatisches Understatement.

Bei der Auslaufparade von 300 Schiffen dürften am Sonntag dennoch auch einige Hamburger mit der Zunge geschnalzt haben. Zehntausende am Ufer zeigten sich jedenfalls angetan, als der Hafengeburtstag zu Ende ging. Angeführt wurde die Formation vom polnischen Großsegler „Dar Mlodziezy“ und Booten der Hamburger Wasserschutzpolizei. „Und da steckt wieder viel Hamburg drin“, sagt Harald Harmstorf. Denn der Hafenkapitän, die Lotsen, die Feuerwehr und die Wasserschutzpolizei würden Jahr für Jahr ihr Wissen eher unauffällig einbringen. Harmstorf: „Aber gerade bei Betrieb auf der Elbe zeigen die ihr großes Können, damit der Karneval auf dem Wasser klappt. Und das, obwohl Hamburger ja nicht so für Karneval sind.“