Stellenabbau bei Hapag-Lloyd

Jeder Zehnte muss Traditionsreederei verlassen

Die Kosten für die Belegschaft sollen jährlich um mehr als 600 Millionen Euro sinken. Stellenabbau, Gehaltsverzicht und Kurzarbeit sind die Folge.

Hamburg. Hapag-Lloyd-Vorstandschef Michael Behrendt und Arbeitsdirektor Roland Kirch hatten den mehr als 600 Beschäftigten gestern Vormittag auf der Betriebsversammlung in der Zentrale am Ballindamm wenig Erfreuliches zu berichten. "Die Leute waren dennoch gefasst. Alle wussten, dass Einsparungen auf sie zukommen würden", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Dieter Lübkemann danach dem Abendblatt.

Behrendt und Kirch nannten die Details des Sparplans zur Sanierung der Traditionsreederei. Betriebsrat und Management haben sich auf ein umfassendes Konzept geeinigt, mit dem die jährlichen Kosten um gut 600 Millionen Euro (900 Millionen Dollar) sinken sollen. Zentrale Punkte sind der sozialverträgliche Abbau von 120 Stellen bis Ende 2010, der Gehaltsverzicht der 1100 deutschen Beschäftigten und eine Verlängerung der Kurzarbeit bis in das kommende Jahr.

Die gute Nachricht: Bei dem Stellenabbau sind keine betriebsbedingten Kündigungen vorgesehen. Darauf hatte der Betriebsrat bei den Verhandlungen von Anfang an bestanden. "Da die Kürzungen beim Entgelt über übertarifliche Bestandteile abgerechnet werden, muss jeder Beschäftigte noch zustimmen", sagte Lübkemann. "Die Übereinkunft schmerzt. Aber ich bin zuversichtlich, dass mehr als 99 Prozent der Arbeitnehmer unterschreiben werden, um so die Zukunft der Reederei und ihre Arbeitsplätze zu sichern."

Bis Ende September sollen die gestern zugestellten Erklärungen abgegeben werden. Im Einzelnen müssen die tariflich bezahlten Mitarbeiter auf fünf Prozent ihres Gehalts verzichten. Die Tariferhöhungen zum 1. September werden auf über dem Tarif liegende Bezüge angerechnet. Das gilt auch für das Jahr 2010.

Verrechnet werden die Einschnitte mit dem im Mai gezahlten 13. Monatsgehalt. Bei den außertariflich bezahlten Beschäftigten der Reederei beträgt der Abschlag 7,5 Prozent. Dafür werden dann zwei Sonderzahlungen gekürzt.

Vorstand, Geschäftsführer und Abteilungsleiter verzichten auf 20, 15 beziehungsweise zehn Prozent ihres Gehalts. Die Regelung, die von Anfang September bis Ende Dezember des kommenden Jahres gilt, wird auch bei den 500 deutschen Seeleuten angewandt. So müssen Kapitäne ebenfalls auf zehn Prozent ihres Entgelts verzichten. Die Offiziere und die weiteren Besatzungsmitglieder auf 7,5 beziehungsweise fünf Prozent.

Die Anfang Mai begonnene Kurzarbeit bei Hapag-Lloyd wird nun bis Ende April 2010 verlängert. Betroffen davon sind 180 Beschäftigte, die etwa 2,5 Tage pro Monat weniger arbeiten.

Der Stellenabbau soll über Aufhebungsverträge, das Auslaufen befristeter Anstellungen, Altersteilzeit und vorgezogene Ruhestandsregelungen erreicht werden. "Wir müssen alle Sparpotenziale ausschöpfen, um Hilfe zu bekommen", sagte Hapag-Lloyd-Sprecher Klaus Heims. "Die Reduzierung der Personalkosten ist dabei ein wichtiger Beitrag."

Er gilt als Gegenleistung für die Hilfe der Gesellschafter und des Bundes, der neben Hamburg die Hälfte der beantragten Bürgschaft von 1,2 Milliarden Euro übernehmen soll. Als zusätzliche Sicherheit für diese Bürgschaft hatte Hapag-Lloyd erst Ende der vergangenen Woche die Beteiligung am Containerterminal Altenwerder zurückerhalten. Auch dies gilt als Voraussetzung für eine Zusage für die beantragte Bürgschaft. Die Entscheidung soll noch vor der Bundestagswahl fallen. Die Eigentümer der Reederei, der Reisekonzern TUI und das Konsortium Albert Ballin, hatten zuvor ihren Beitrag zur Sanierung von Hapag-Lloyd von 750 auf 923 Millionen Euro aufgestockt.

Hapag-Lloyd war im ersten Halbjahr operativ mit 435 Millionen Euro in die roten Zahlen gerutscht und versucht aber wie auch andere Großreedereien die Frachtraten im Containertransport wieder zu erhöhen. International sind seit dem Herbst 2008 rund 500 Stellen weggefallen. Damit reduzierte sich die Belegschaft von 7700 auf 7200 Menschen.