Schiffbau im Norden

Hegemann-Werften brauchen Staatshilfe

Die Bremer Hegemann-Gruppe setzt auf Bürgschaften des Bundes, um die Beschäftigung an den Werftstandorten sichern zu können.

Hamburg. Die Bremer Hegemann-Gruppe hofft auf Bürgschaften des Bundes und der Länder Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, um bestehende, aber unsichere Schiffbauaufträge realisieren zu können. Dabei geht es um drei Schiffe, die bereits gebaut werden, sowie um vier weitere Aufträge, die vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise scheitern könnten.

"Wir wollen auch mithilfe öffentlicher Bürgschaften die Beschäftigung an unseren Werftstandorten in Stralsund, Wolgast und Berne sichern", sagte Volker Kröning dem Abendblatt. Der SPD-Bundestagsabgeordnete aus Bremen führt seit dem 1. August die Detlef Hegemann AG und tritt zur Bundestagswahl am 27. September nicht wieder an. Einen Antrag mit einer genauen Größenordnung möglicher Bürgschaften habe das Unternehmen bislang aber noch nicht gestellt, sagte Kröning.

Auf den drei Hegemann-Werften arbeiten insgesamt 2300 Menschen, 2100 davon in Stralsund und in Wolgast. Für Mecklenburg-Vorpommern ist der Schiffbau eine industrielle Schlüsselbranche. Der größte Werftbetreiber des Landes, die bisherigen Wadan-Werften in Wismar und Rostock, wurden aus der Insolvenz heraus gerade von einem russischen Investor übernommen. Wie viele der zuvor 2500 Arbeitsplätze an beiden Standorten gerettet werden können, ist allerdings unklar.

Vor allem jene deutschen Werften, die Containerschiffe bauen, leiden schwer an der Weltwirtschaftskrise. Viele bestellte und teils schon gebaute Frachter wurden im zurückliegenden Jahr abbestellt. Besser gestellt sind Werften, die sich schon vor Jahren stark spezialisiert haben, etwa die Meyer Werft in Papenburg (Kreuzfahrer), die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (Roll-on/Roll-off-Fähren) und die Kieler HDW mit ihrem U-Boot-Bau.

Die Werften, die Containerfrachter bauen, erhalten für Neubauten derzeit nur noch 50 bis 55 Prozent ihres zuvor ausgehandelten Preises. Dadurch entstehen bei mittelgroßen Schiffen Liquiditätslücken von bis zu 20 Millionen Euro pro Auftrag.

Die Hegemann-Gruppe gehört zum Kern der deutschen Werftindustrie. Sie hat bereits mit der Ausrichtung auf den Spezialschiffbau begonnen, muss aber nun - auch mit Blick auf Finanzierungsprobleme und Neuaufträge - ein schlüssiges Zukunftskonzept vorlegen, damit Banken genügend Kredite bereitstellen. Die Institute könnten an die staatliche KfW-Bank herantreten, die bis zu 90 Prozent der Risiken übernehmen könnte.

Die Stammbelegschaften der deutschen Werften umfassen insgesamt rund 23 000 Arbeitsplätze, hinzu kommen Tausende Stellen bei Subunternehmern. Einige Hundert Stellen auf den Werften wurden in diesem Jahr bereits gestrichen. Genauere Zahlen will die Gewerkschaft IG Metall Ende September vorlegen. Die Zahlen sind schwierig zu ermitteln, weil mehrere Werften derzeit im Insolvenzverfahren stehen.

Die Branche bemüht sich, die Wirtschaftskrise mit verstärkter Entwicklung und Vermarktung von Hochtechnologie zu überstehen, "Der deutsche Werftenstandort hat Zukunft, mit Hightech, mit umweltfreundlichen Schiffen, Eisbrechern, Kreuzfahrern und Fähren sowie auch im Offshore-Bereich", sagte Dagmar Wöhrl, die Maritime Koordinatorin der Bundesregierung, dem Abendblatt. "Ich fordere die Banken auf, auch Umstrukturierungen zu unterstützen."