Blohm + Voss steht zum Verkauf

Hamburger Senat sorgt sich um Blohm + Voss

Kommt ein Scheich aus Abu Dhabi zu Hilfe? Ein vorgezogener Korvettenauftrag könnte die Auslastung sichern.

Hamburg. Wirtschaftssenator Axel Gedaschko sorgt sich um die langfristige Sicherung von Blohm + Voss. "Hamburg lebt von der Stärke seines maritimen Bereichs, und ein Kernpunkt dieses Bereichs ist der Schiffsneubau. Ohne ihn würde dieser Teil der Industrie deutlich geschwächt", sagte der Senator gestern dem Abendblatt. Deshalb werde sich die Stadt "nach Kräften dafür einsetzen", dass alle drei Sparten am Standort einschließlich der Arbeitsplätze auch künftig erhalten blieben.

Zuvor hatten die Betriebsräte von Blohm + Voss öffentlich gemacht, dass die Werftenholding ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) Sondierungsgespräche über den Verkauf der Blohm + Voss-Werft, der Reparatur und des Maschinenbauers Blohm + Voss Industrie in Hamburg aufgenommen habe (das Abendblatt berichtete).

Offenbar ist der Düsseldorfer Konzern ThyssenKrupp derzeit mit den Ergebnissen des Schiffsneubaus bei Blohm + Voss nicht zufrieden. Auch Gedaschko zeigte sich vor dem Hintergrund der Neustrukturierung des Stahlkonzerns nicht wirklich überrascht darüber, dass sich Maßnahmen auch auf den maritimen Bereich des Konzerns auswirken könnten.

Nach Informationen des Abendblatts schreibt der Yachtbau in Hamburg derzeit rote Zahlen. In jedem Fall soll bei beiden im Bau befindlichen Großyachten die vom Konzern verlangte Umsatzrendite von fünf bis sechs Prozent nicht erreicht werden. Die Zahl der angemeldeten Kurzarbeiter im Stahlbau stieg im August von einigen wenigen auf 90 der auf der Werft tätigen 800 Mitarbeiter.

Die Werftenholding TKMS wies gestern lediglich auf die Überkapazitäten im weltweiten Schiffbau sowie darauf hin, dass zuletzt weltweit und in Deutschland Betriebe in die Insolvenz gegangen seien oder nur durch Staatshilfen ein Weiterbetrieb sichergestellt werden konnte. "Vor diesem Hintergrund führt ThyssenKrupp Marine Systems ebenso wie seine Wettbewerber national und international Gespräche, wie sowohl der strukturellen als auch der konjunkturellen Krise, die den Schiffsbau besonders hart getroffen hat, begegnet werden kann", heißt es in einer Mitteilung. Zu den Inhalten der Gespräche wollte sich die TKMS nicht äußern.

Gedaschko hat nun seinerseits Kontakt zur Konzernspitze von ThyssenKrupp aufgenommen. "Wir machen uns als Stadt Gedanken, was getan werden kann", sagte er. Dabei sind etwa Bürgschaften nicht ausgeschlossen, um wie bei der Sietas Werft die Finanzierung von neuen Aufträgen zu stützen. Zu einer Beteiligung an der Werft durch die Stadt sagte Gedaschko: "Sag niemals nie."

Ob ThyssenKrupp nur über einen Verkauf nachdenkt oder auch eine Beteiligung eines strategischen Investors möglich wäre, blieb gestern offen. Als Interessent für deutsche Werften gilt seit Jahren die französische Marinewerft DCN. Allerdings lehnt der Hamburger Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs, der im Berliner Haushaltsausschuss für den Verteidigungsetat zuständig ist, einen solchen Einstieg rundweg ab. Der erfahrene Verteidigungspolitiker, selbst Oberstleutnant der Reserve, fürchtet, dass die Franzosen nur am U-Boot-Geschäft der HDW und nicht am Fregattenbau interessiert wären. "Die Standorte Hamburg und Emden wären dann nicht überlebensfähig", sagte Kahrs dem Abendblatt. "Dagegen könnte ein Investor, der gleichzeitig auch Aufträge etwa für Luxusyachten mitbringt, durchaus den Standort Hamburg sichern."

Dabei führe ThyssenKrupp derzeit nur Gespräche mit ausländischen Investoren, hatte Herbert Oetting, der Betriebsratsvorsitzende von Blohm + Voss, gesagt. Als einer von vier Interessenten für die Traditionsunternehmen wird dabei der Scheich Hamdan bin Zajed al-Nahjan aus Abu Dhabi genannt. Dieser hatte zuvor schon die Nobiskrug-Werft in Rendsburg übernommen. Sie zählt wie Blohm + Voss zu den Konstrukteuren von Superyachten und war vor ihrer Übernahme ebenfalls Teil der TKMS gewesen.

Den Schiffsneubau von Blohm + Voss stärken könnte auch das Vorziehen des Baus von weiteren fünf Korvetten für die Deutsche Marine, die insgesamt 15 bestellt hat. Geplant ist derzeit, dass deren Bau für gut eine Milliarde Euro erst 2015 beginnen soll. "Wenn wir dies aber auf 2010 vorziehen, wäre Blohm + Voss für die nächsten zwei Jahre ausgelastet", sagte auch SPD-Haushälter Kahrs.

Danach wäre für eine Anschlussbeschäftigung gesorgt. Denn dann würde der Bau der vier größeren Fregatten F125 ebenfalls auf deutsche Rechnung beginnen und die Werft damit bis 2017/18 auslasten. "Dann wäre die Zukunft gesichert", so Kahrs.