Stuttgart/Berlin (dpa/tmn). Ein Wertpapierdepot als Alternative zum sicheren Tagesgeldkonto? Was erst mal komisch klingen mag, kann funktionieren. Zumindest dann, wenn die richtigen Wertpapiere gekauft werden.

Zwei bis drei Nettomonatsgehälter - so viel Geld sollten Verbraucherinnen und Verbraucher für den Notfall immer greifbar haben, raten Experten. Etwa, falls etwas am Auto kaputtgeht oder der Kühlschrank ausfällt. Meist lautet die Empfehlung, das Geld auf einem Tagesgeldkonto anzulegen. Da ist es sicher, jederzeit verfügbar und bringt womöglich ein paar Zinsen ein.

Was aber nervt: Die besten Zinsen kann man sich oft nur dann sichern, wenn man in regelmäßigen Abständen das Konto wechselt. Häufig bieten Banken attraktive Zinssätze nur für drei oder sechs Monate nach Kontoeröffnung. Danach sinkt die Verzinsung in der Regel auf ein deutlich niedrigeres Niveau.

Wer das ständige Kontohopping leid ist und sich trotzdem gute Zinsen sichern möchte, kann darüber nachdenken, den Notgroschen in sogenannte Geldmarktfonds zu stecken. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Was ist ein Geldmarktfonds überhaupt?

Geldmarktfonds sind Investmentfonds, die am sogenannten Geldmarkt investieren. Also etwa in Bankguthaben, Festgelder oder maximal 13 Monate laufende Schuldverschreibungen, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

In welche Papiere Geldmarktfonds investieren dürfen, hat die Europäische Union streng geregelt, um den Markt möglichst stabil und liquide zu halten. Das sorgt dafür, dass Geldmarktfonds der niedrigsten Risikoklasse - der für sicherheitsorientierte Anleger - zugeordnet werden.

Der Geldmarkt dient Banken, Unternehmen und Staaten dazu, „sich kurzfristig Geld zu beschaffen oder überschüssiges Geld“ für einen kurzen Zeitraum anzulegen, heißt es beim Ratgeberportal Finanztip. Leiht eine Bank einer anderen zu diesem Zweck Geld, erhält sie dafür Zinsen, deren Höhe laut Finanztip eng an den aktuellen Leitzins der Zentralbank gekoppelt ist. Von diesen Zinszahlungen profitieren Anlegerinnen und Anleger eines Geldmarktfonds - denn sie stellen die Rendite des Fonds dar.

Wie funktioniert das mit der Rendite genau?

Bei einem Tagesgeldkonto ist die Sache klar: In bestimmten Abständen - zum Beispiel vierteljährlich - schreibt die jeweilige Bank dem Kunden Zinsen für das angelegte Geld gut. Sofern die Bank keinen festen Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum garantiert hat, kann sie diesen täglich neu anpassen. Den gültigen Zinssatz können Kundinnen und Kunden bei ihrem Kreditinstitut in Erfahrung bringen.

Bei einem Geldmarktfonds steht laut Verbraucherschützer Nauhauser nicht fest, welche Rendite dieser erwirtschaften wird. Eine gute Orientierung böten aber die kurzfristigen Zinsen am Geldmarkt. Aktuell liegen sie Nauhauser zufolge bei 3 bis 3,5 Prozent, sie können sich jedoch jederzeit ändern.

Diese Zinserträge würden je nach Fonds entweder an den Anleger ausgeschüttet oder im Fonds behalten (thesauriert), sagt Karin Baur von der Stiftung Warentest. Bleiben Sie im Fonds, erhöhen sie den Anteilswert.

Von Kursgewinnen können Anleger zusätzlich profitieren, Kursverluste können andererseits auch die Rendite schmälern. Darum hängt die individuelle Rendite auch vom Ein- und Ausstiegszeitpunkt des Anlegers ab.

Wo liegen die Vorteile eines Geldmarktfonds?

„Anders als bei Tagesgeld muss man bei Geldmarktfonds nicht ständig nach den besten Zinsschnäppchen suchen und gegebenenfalls die Bank wechseln“, sagt Baur. „Einmal gekauft, kann man den Fonds laufen lassen und hat keine Arbeit mehr damit.“ Im Vergleich zum Tagesgeld könnten die Fonds ihre Zinsen nicht beliebig absenken, sagt Michael Ritzau, Inhaber der Südbadischen Honorarberatung.

Eine Finanztip-Analyse zeigt, dass mit einem Geldmarkt-ETF zwischen Juli 2022 und Juni 2023 eine deutlich bessere Rendite erzielt werden konnte als mit dem durchschnittlichen Tagesgeld-Zins. Selbst wer beim Tagesgeld immer zum besten Anbieter umgezogen ist, blieb in Sachen Rendite hinter dem Geldmarktfonds zurück - dann aber nicht mehr signifikant.

Und welche Nachteile gibt es?

Um Anteile eines Geldmarktfonds kaufen zu können, braucht es ein Depot. Wer das nicht hat, muss zunächst eines eröffnen. Nicht immer ist das kostenfrei. Laufende Kosten und Ordergebühren bei Anteilskäufen und -verkäufen können die Rendite zusätzlich belasten. Wer die Kosten möglichst gering halten möchte, sollte auf passiv gemanagte Geldmarkt-ETF setzen und diese in einem gebührenfreien Depot lagern, zum Beispiel bei einem Online-Anbieter.

Anlegerinnen und Anleger sollten zudem wissen, dass der Wert von Geldmarktfonds auch mal schwanken kann. In der Regel sind die Ausschläge jedoch gering. „Wer Sicherheit will, sollte aber nur Geldmarkt-ETF wählen, die im Euro-Raum anlegen“, sagt Michael Ritzau. Ansonsten könnten Wechselkursänderungen zu hohen Schwankungen führen.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist, „dass Geldmarktfonds nicht der gesetzlichen Einlagensicherung unterliegen“, sagt Karin Baur. Tagesgeld zum Beispiel ist bei europäischen Banken bis zu einer Höhe von 100 000 Euro abgesichert. Geht eine Bank pleite, wird das Vermögen bis zu dieser Höhe aus einem Einlagensicherungsfonds erstattet. Bei Geldmarktfonds ist das nicht der Fall.

Dafür sind die Wertpapiere in einem Depot Sondervermögen und im Falle einer Pleite des Depotanbieters vor einem Zugriff der Gesellschaft und Gläubigern geschützt - und zwar in unbegrenzter Höhe. Das Depot kann in diesem Fall einfach zu einem anderen Anbieter umgezogen werden.

Wer im Notfall schnell auf sein Erspartes angewiesen ist, fährt unter Umständen mit dem Tagesgeldkonto besser. Denn hier ist das Geld in der Regel innerhalb von Sekunden auf dem Girokonto. Wer stattdessen Geldmarktanteile veräußert, muss damit rechnen, dass die Gutschrift auf dem angeschlossenen Konto auch mal einige Tage dauern kann.

Können Geldmarktfonds damit eine Alternative zum Tagesgeld sein - auch für Finanz-Unerfahrene?

Ja, sagen die Experten. „Insbesondere wenn die Hausbank mit den guten Konditionen der Direktbanken für Tagesgeld nicht mithalten kann, können Geldmarktfonds eine Alternative sein“, sagt Niels Nauhauser. Wer der Hausbank trotzdem treu bleiben möchte, kann dort ein Depot eröffnen und in Geldmarktfonds investieren.

Anlegerinnen und Anleger, die sich für diese Sparform entscheiden, sollten sich allerdings der jeweiligen Vor- und Nachteile bewusst sein und prüfen, welche Anlageform die eigenen Bedürfnisse besser erfüllt.

Für Unerfahrene ist das Tagesgeld womöglich die bessere, weil einfachere Möglichkeit. Wer sich aber ein wenig Zeit nimmt, um sich zu informieren, wird feststellen, dass die Investition in Geldmarktfonds kein Hexenwerk ist.