Hamburg (dpa/tmn). Weniger, nachhaltiger, umweltfreundlicher: Viele Menschen konsumieren an der einen oder anderen Stelle bewusst. Auch bei der Geldanlage geht das. Doch nicht jede Verheißung hält, was sie verspricht.

Wer es sich mit der Geldanlage an der Börse leicht machen möchte, greift gerne zu sogenannten Indexfonds (ETF). In diesen passiv gemanagten Fonds landen entsprechend gewichtet sämtliche Titel eines Index, der durch den Fonds nachgebildet wird - etwa des DAX oder des MSCI World. Und zwar ungeachtet dessen, um was für eine Art von Unternehmen es sich handelt.

Wem das nicht gefällt, der kann zu ETF greifen, die besondere Nachhaltigkeitskriterien erfüllen - sie tragen meist den Namen ESG (Environment, Social, Governance) im Titel. Je nach Ausprägung orientieren sich diese Fonds zwar ebenfalls an dem gewählten Index, investieren aber nur in Wertpapiere von Unternehmen, die in Sachen Klimaschutz, Sozialverhalten und Unternehmensführung verantwortungsbewusst handeln. So die Theorie.

Fachmann findet kaum Unterschiede

Doch in der Praxis unterscheiden sich die Standard-ETF kaum von ihren ESG-Entsprechungen, hat Andreas Enke vom Verein zur Förderung ethisch-nachhaltiger Geldanlagen (VenGa) festgestellt.

Enke hat einige der Fonds untersucht und die Wertentwicklung der jeweiligen Artverwandten übereinandergelegt. Seine Erkenntnis: Sie unterscheiden sich kaum. „Und das geht nur, wenn in den Fonds nicht nur annähernd dieselben Titel stecken, sondern auch die Gewichtung beinahe identisch ist“, so Enke.

Aktiv gemanagte Fonds mit Vorteilen bei Steuerbarkeit

Mit dem Kauf eines ESG-ETF machen Anlegerinnen und Anleger darum seiner Meinung nach gar nicht so viel besser in Sachen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und sozialer Verantwortung.

Zwar könne die Botschaft, dass es Menschen gibt, die auch bei der Geldanlage Wert auf Nachhaltigkeit legen, entsprechenden Produkten einen Schub verleihen. Wem das aber nicht ausreicht, der sollte sein Geld Enke zufolge lieber in aktiv gemanagte Fonds stecken. Dort könnten Anlegerinnen und Anleger gezielter in spezielle Themen investieren, bezahlen für die aktive Verwaltung jedoch höhere Kosten.

Alternativ gebe es auch kostengünstigere SRI-ETF (Socially Responsible Investment), die strengere Nachhaltigkeitskriterien an ihre Titel anlegen, als es ESG-ETF tun, sagt Enke. Immer zu beachten dabei: Chance und Risiko sollten in einem angemessenen Verhältnis stehen, die Streuung sollte trotzdem möglichst breit sein.