Erfurt/Berlin (dpa/tmn). Geringere Kosten, größeres Angebot: Ein Depot zu einem neuen Anbieter umzuziehen, kann sich lohnen - unter bestimmten Bedingungen. Wir erklären Ihnen, wie es geht.

Die Gründe für einen Depotübertrag sind vielfältig. Darüber nachdenken sollten vor allem jene Anleger, die mit ihrer alten Bank unzufrieden sind oder Kosten reduzieren möchten, sagt Roland Aulitzky von der Stiftung Warentest.

Wer sich am Markt umschaut, sollte darauf achten, dass die neue Bank auch dem persönlichen Anlageverhalten entspricht, sagt Aulitzky. Anleger, die Wertpapiere kaufen, um sie lange zu halten (Buy-and-Hold-Strategie), sollten möglichst einen Anbieter wählen, bei dem die Depotführung kostenlos ist. Für aktive Anleger, die ihr Depot oft umschichten, stünden die Orderkosten im Vordergrund.

„Generell sollte man sich vor einem Wechsel überlegen, welche Angebote man auf jeden Fall haben möchte“, so Aulitzky. Das könnte zum Beispiel ein Zugriff auf mehrere Börsenplätze sein, die Möglichkeit des Handels an ausländischen Börsen, der Angebotsumfang an aktiv gemanagten Fonds - möglichst ohne oder mit stark ermäßigtem Ausgabeaufschlag - oder das Angebot an kostenlosen ETF-Sparplänen.

Ist die Entscheidung für einen Depotwechsel gefallen, müsse man bei der alten Bank nur den entsprechenden Antrag stellen, sagt Stefanie Heun vom Bundesverband deutscher Banken. Dazu gebe es zum Beispiel im Internet Formulare zum Ausdrucken und Einschicken per Post oder E-Mail. „Ältere Menschen gehen auch noch gerne in eine Filiale. Dann übernimmt das der Bankmitarbeiter für sie.“

Besteht das Depot bei einer Direktbank ohne Filialen, muss der Antrag online gestellt werden. „Dann laden Sie den Eröffnungsantrag von der Internetseite der Bank herunter, füllen ihn aus und lassen Ihre Identität in einer Postfiliale mit dem Postident-Verfahren bestätigen“, sagt Aulitzky. Dazu legt man dort den Personalausweis vor. Oft lässt sich aber auch das Videoident-Verfahren nutzen. „Dabei legitimieren Sie sich über die Kamera des Computers oder Smartphones bei der Bank.“

Bruchstücke von Fonds oft nicht übertragbar

„Danach müssen sie nichts mehr machen“, sagt Heun. Denn mit dem Antrag beauftragt der Kunde die Bank, dem neuen Institut die Wertpapiere zu übertragen.

Gut zu wissen: „Nur das Institut, bei dem die Wertpapiere tatsächlich verwahrt werden, kann über diese im Auftrag des Kunden verfügen“, erklärt Heun. Mitunter kümmert sich zwar auch die aufnehmende Bank um den Depotübertrag. Sie nimmt dann aber laut Aulitzky nur eine Mittlerrolle ein und leitet den Antrag auf Übertragung an die alte Bank weiter.

Ist der Antrag einmal gestellt, läuft der Rest automatisch ab. „Die alte Bank stößt die Übertragung an und wendet sich als erstes an die Lagerstelle, bei der die Wertpapiere lagern“, erklärt Heun. Befinden sich die Wertpapiere im Ausland, könne es länger dauern.

Hat die neue Bank nicht die Wertpapiere im Portfolio, die bereits im Depot lagern, müssen diese veräußert werden, sagt Heun. Das müsse entsprechend auf dem Übertragsformular angegeben werden. „Geben Sie diese Wertpapiere am besten vor dem Depotübertrag an die Fondsgesellschaft zurück“, empfiehlt Aulitzky. Meist seien es allerdings nur Bruchteile von Investmentfonds, die nicht übertragen werden könnten. Denn häufig können nur volle Anteile umgezogen werden.

In den allermeisten Fällen verlaufe eine solche Übertragung reibungslos, sagt Heun. „Beim Wechsel selbst können vor allem unvollständige oder nicht korrekte Daten im Formular Probleme bereiten.“ Im Falle eines Zahlendrehers zum Beispiel könne kein Institut das Wertpapier ohne Weiteres finden. „Dann verzögert sich alles.“

Mehr als drei Wochen sollte Übertrag nicht dauern

In der Regel dauert der Übertrag nur einige Tage. In Extremfällen kann er allerdings schon mal ein paar Wochen in Anspruch nehmen. Allerdings hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz Bafin, 2022 klargestellt, dass ein solcher Übertrag nicht mehr als drei Wochen benötigen darf. „Dauert er länger, muss der Kunde eine Zwischenmeldung mit einer Begründung bekommen - wie zum Beispiel, dass die ausländische Lagerstelle die Wertpapiere noch nicht übertragen hat“, sagt Heun.

Für den Kunden ist das wichtig zu wissen, weil er während des Umzugsvorgangs keine Wertpapiere verkaufen kann.

Übrigens: Ein Depotübertrag darf nichts kosten, solange der Depotwechsel innerhalb Deutschlands geschieht. Das regelt ein Urteil des Bundesgerichtshofs. Manchmal fielen allerdings Kosten an für im Ausland gelagerte Wertpapiere an.

Ist der Wechsel vollzogen, kann man das alte Depot schließen. „Dazu kündigt man es einfach bei der alten Bank“, sagt Andreas Behn von der Verbraucherzentrale Thüringen. Sind noch Wertpapiere darauf vorhanden, müssen diese vorher verkauft werden.