Geldanlage

Geldanlage für Kinder – was sich noch lohnt

Spätestens zum Ende der Schulzeit haben die Kinder viele Wünsche. Führerschein? Kostet rund 2000 Euro. Nach dem Abitur erst mal chillen? Drei Monate Australien schlagen mit 6000 Euro zu Buche. Überflieger? Vier Jahre Harvard-Studium erfordern rund 155.000 Euro.

Spätestens zum Ende der Schulzeit haben die Kinder viele Wünsche. Führerschein? Kostet rund 2000 Euro. Nach dem Abitur erst mal chillen? Drei Monate Australien schlagen mit 6000 Euro zu Buche. Überflieger? Vier Jahre Harvard-Studium erfordern rund 155.000 Euro.

Foto: picture alliance/chromorange

Führerschein, Studium, Auslandsjahr – der Nachwuchs ist teuer. Wer heute vorsorgen will, muss auch Risiken eingehen.

Hamburg. Früher steckte es fast in jeder Schultüte: ein Sparbuch, wenn es nicht schon gleich zur Geburt ausgestellt wurde. Doch damit kommt man heute nicht mehr weit, wenn Eltern oder Großeltern für die Kinder oder Enkel finanziell vorsorgen wollen. Aber spätestens zum Ende der Schulzeit haben die Kinder viele Wünsche. Führerschein? Kostet rund 2000 Euro. Nach dem Abitur erst mal chillen? Drei Monate Australien schlagen mit 6000 Euro zu Buche. Überflieger? Vier Jahre Harvard-Studium erfordern rund 155.000 Euro.

Die Eltern können für diese Wünsche kaum einspringen, haben sie doch schon bis zur Volljährigkeit rund 148.000 Euro für ein Kind aufgebracht. Da zahlt es sich aus, wenn für die Kinder schon ein stattlicher Betrag angespart wurde. Commerzbank, Hamburger Volksbank, Haspa und Targobank bieten zwar noch klassische Sparangebote für Kinder mit einem subventionierten Zins an, der deutlich über dem Marktschnitt liegt (siehe Grafik). Aber der Zinsertrag bleibt wegen der Höchstbeträge überschaubar.

Die Geldinstitute locken mit zusätzlichen Prämien

Fleißige Sparer werden schnell an die Obergrenze für den Extrazins stoßen. Eine Alternative sind Banksparpläne mit monatlichen Einzahlungen. Wer etwa jeden Monat 50 Euro sparen will, bekommt bei der Deniz Bank einen Zins von 0,65 Prozent, wenn er sich fünf Jahre bindet. Ein vorzeitiger Ausstieg ist nicht möglich, aber der Zins ist fest. Wer sich auf einen variablen Zins einlässt, bekommt bei der gleichen Spardauer ein Prozent Zinsen. Eine akzeptable Rendite bietet noch der Direkt-Sparplan der Volkswagen Bank. Er hat eine feste Zinstreppe, die mit der Laufzeit ansteigt. „Wer zehn Jahre dabeibleibt, kommt auf 0,93 Prozent Rendite pro Jahr“, schreibt die Stiftung Warentest in einem Vergleich zu Banksparplänen.

Bei höheren Zinsen am Markt sei schon ein Ausstieg nach zwei Jahren problemlos möglich. Wer sich nur fünf Jahre bindet, landet bei einer Rendite von 0,34 Prozent. „Erst recht bei niedrigen Zinsen gilt: In kurzen Etappen zu sparen ist besser, als sich über einen langen Zeitraum zu binden“, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg. Doch Tagesgeldkonten sind noch viel weniger eine gute Rendite-Alternative. Denn die besten Verzinsungen sind inzwischen auf rund 0,20 Prozent gesunken.

Dennoch sollten die klassischen Sparangebote nicht voreilig ausgeschlossen werden. Denn diese Konten sind eine gute Möglichkeit, die Kinder für das Sparen zu gewinnen. Weitere Vorteile: Die Einlage ist sicher, es entstehen keine zusätzlichen Kosten, und das Geld steht zur Verfügung, wenn es für das Kind benötigt wird – ohne Kursrisiken wie bei anderen Anlagen. „So kann für den Führerschein angespart werden“, sagt Becker-Eiselen. Geld, das auf den Namen des Kindes angelegt ist, gehört dem Kind. Die Eltern verwalten es zwar für sich selbst, nutzen dürfen sie es jedoch nicht. Sobald das Kind 18 wird, kann es mit dem Geld machen, was es will. Die Eltern oder Großeltern haben dann keinen Zugriff mehr.

Aktien am ertragsreichsten

Angesichts der niedrigen Sparzinsen gewinnen andere Anlageformen für Kinder immer mehr an Bedeutung. Im langfristigen Vergleich sind Aktien die ertragsstärkste Anlageklasse. Mit einem ETF- oder Fondssparplan können auch schon Kinder davon profitieren. ETF steht für „Exchange Traded Funds“ und bedeutet börsengehandelter Indexfonds. Sie zeichnen sich durch deutlich niedrigere Kosten als aktiv gemanagte Aktienfonds aus. „Im Zusammenhang mit einem Depot für Minderjährige haben die gesetzlichen Vertreter die Pflicht, das Vermögen des Kindes sicher und grundsätzlich gewinnbringend anzulegen“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bank. Das schließt aber Aktienanlagen nicht aus. Nur Termingeschäfte und Optionsscheine sind nicht möglich.

So locken die Geldinstitute

Die Geldinstitute locken bei den neuen Angeboten mit zusätzlichen Prämien. Bei der Haspa gibt es den Junior-Plan, mit dem in die internationalen Kapitalmärkte investiert werden kann. „Abhängig von der Laufzeit und der Höhe der monatlichen Sparrate zahlen wir einen Bonus von bis zu 500 Euro“, sagt Haspa-Sprecherin Stefanie von Carlsburg. Wer 100 Euro monatlich spart, erhält einmalig einen Zuschuss von 100 Euro, bei einer Sparrate von 25 Euro sind es 25 Euro. Die weiteren Boni bis zu 400 Euro ergeben sich aus der Durchhaltedauer des Sparplans. Erstmals gibt es nach sechs Jahren 100 Euro. „Bei uns bekommen junge Kunden jeweils 50 Euro für die Eröffnung eines Kontos und noch einmal 50 Euro dazu für den monatlichen Vermögensaufbau – zum Beispiel mit einem Fonds- oder ETF-Sparplan“, sagt Alexander Appel, Regionalbereichsleiter Privatkunden der HypoVereinsbank in Hamburg.

Die richtigen Produkte für langfristigen Sparplan

Doch wichtiger als Prämien ist es, die richtigen Produkte für einen langfristigen Sparplan zu finden. Die Stiftung Warentest rät zu ETF, die einen breit gefassten Aktienindex abbilden, etwa den MSCI World mit 1600 Aktien aus 23 Industrieländern. Solche ETF gibt es von Anbietern wie Comstage, Invesco oder iShares. Noch breiter aufgestellt sind die Indizes MSCI All Country World und der FTSE All World , die beide außer Indus­trie- auch Schwellenländeraktien enthalten. Der MSCI World brachte seit 1971 eine durchschnittliche Rendite von 7,8 Prozent pro Jahr, wenn man die Dividenden mit einberechnet, ermittelte der Dividendenexperte Christian W. Röhl. Nur gemessen an der Kursentwicklung ergibt sich eine Rendite von 5,2 Prozent. Auch die Schweizer Bank Credit Suisse ermittelte eine Rendite von 5,2 Prozent für internationale Aktien seit 1900. Ob die Große Depression in den 1930er-Jahren, die Ölkrise in den 70er-Jahren, der Schwarze Freitag 1987 oder die Lehman-Pleite 2008 – all diese Ereignisse sind in diesem Durchschnittswert enthalten. Die Corona-Pandemie aber noch nicht.

Das Abendblatt hat errechnet, zu welchen Ergebnissen die beiden Renditen 5,2 und 7,8 Prozent über einen Anlagezeitraum von 18 Jahren führen, wenn monatlich 50 oder 150 Euro in eine breite Aktienanlage investiert werden. Aus 150 Euro können so bis zu 69.000 Euro werden. Berücksichtigt man noch die Gebühren, sind es rund 800 Euro weniger. 50 Euro monatlich bringen maximal knapp 23.000 Euro.

Kostenloses Wertpapierdepot und kostengünstige Sparpläne

Neben einem kostenlosen Wertpapierdepot bei den meisten Banken können auch viele Sparpläne kostengünstig abgewickelt werden. Entweder weil ganz auf das Oderentgelt verzichtet wird oder Ausgabeaufschläge auf Investmentfonds reduziert sind (s. Tabelle). Die ETFs kommen ganz ohne Ausgabeaufschlag aus, aber es können Gebühren für die Ausführung des Sparplans anfallen. Die Commerzbank verzichtet zunächst für drei Jahre auf ein Orderentgelt. Danach kann aber die Ausführung eines ETF-Sparplans über 50 Euro bis zu 3 Euro kosten. Das sind sechs Prozent. Also fließen nur 47 Euro in die Anlage. Ohnehin gibt es keine Garantie, dass ein einmal kostenloser Sparplan das für die Dauer von 18 Jahren bleibt. Also sollten Anleger die Kosten immer im Blick haben. Notfalls kann man auch zu einem anderen Anbieter wechseln. Nach Erhebungen der Stiftung Warentest liegen die durchschnittlichen Kosten für einen ETF-Sparplan über 50 Euro bei 2,7 Prozent pro Ausführung. Bei 200 Euro sind es nur noch 1,2 Prozent.

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In so einen Sparplan muss auch etwas Zeit investiert werden. Denn eine Garantie, dass zum 18. Geburtstag bis zu 69.000 Euro auf dem Depotauszug stehen, gibt es nicht. Wenn nach 14 oder 15 Jahren das Sparziel fast schon erreicht und die Börsenlage unsicher ist, kann es auch lohnen, Teile des Geldes, die bald benötigt werden, in eine sichere Anlage umzuschichten. Denn wer sich 18 Jahre nicht kümmert, dem kann ein Börsencrash kurz vor dem Sparende übel mitspielen: Dann muss der Australien-Trip verschoben werden.