Sparen lohnt sich wieder

Banken erhöhen endlich die Zinsen für Tagesgeld

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Drei neue Anbieter sorgen für Bewegung im Markt - darunter auch eine Ikea-Tochter. Eine Übersicht über die zinsreichsten Angebote.

Hamburg. Wenige Prozentpunkte reichen aus, um die Zinsfüchse in Bewegung zu versetzen. Das sind jene Sparer, die ihr Geld immer zu der Bank mit den besten Konditionen überweisen. Ein solches Hobby ist keine Freude in einem Markt, in dem die Zinsen für Tagesgeld Woche für Woche sinken.

Doch jetzt hat die Tochter des amerikanischen General-Electric-Konzerns GE Capital Direkt mit einem Onlinetagesgeld nicht nur die Zinsfüchse, sondern auch Konkurrenten in Bewegung versetzt. Denn bei einem Leitzins der Europäischen Zentralbank von nur einem Prozent sind 2,25 Prozent ab dem ersten Euro ein attraktives Angebot für jederzeit fälliges Geld. Die Folge: Von den Sparern wurde der neue Anbieter völlig überrannt, weil er 0,25 Prozentpunkte mehr bietet als das bisherige Bestangebot. Lange Wartezeiten bei der Kontoeröffnung sind die Folge.


Insgesamt sorgen drei neue Banken für Bewegung bei den Tagesgeldzinsen. Das zweitbeste Angebot kommt mit 2,22 Prozent von der Ikano Bank, einer Tochter des Ikea-Konzerns. Neu auf dem deutschen Markt ist auch die Auto Bank aus Österreich, die 1,77 Prozent für das Tagesgeldkonto bietet. "Die neuen Anbieter haben den Markt aufgemischt und mit ihren Zinsangeboten ein Zeichen gegen die sinkenden Konditionen beim Tagesgeld gesetzt", sagt Marcus Preu vom unabhängigen Internetfinanzportal Biallo. "Unser Index beim Tagesgeld hat seinen Tiefpunkt gesehen", ist der Experte überzeugt.

Unmittelbar nach dem Markteintritt von GE Capital Direkt erhöhte auch der bisherige Spitzenreiter, die Bank of Scotland, ihren Zins von 2,00 auf 2,10 Prozent. "Das ist schon als direkte Reaktion auf den neuen Wettbewerber zu werten", sagt Max Herbst von der unabhängigen FMH-Finanzberatung. Auch die Volkswagen Bank aktivierte schnell wieder ihr Zinsangebot für Neukunden: 2,00 Prozent werden bis Ende November 2010 garantiert. Allerdings gilt der Zins nur bis 20 000 Euro. Die Bestandskunden werden für ihre Einlagen mit 1,25 Prozent abgespeist. Auch die ING DiBa garantiert Neukunden 1,90 Prozent für ein halbes Jahr, während sich Bestandskunden mit 1,30 Prozent begnügen müssen.

Die Chance, neue Kunden zu gewinnen, wird höher eingeschätzt als das Risiko, das alte abwandern. "Die Banken setzen auf die Trägheit ihrer Kunden", sagt Herbst. Solche Unterschiede machen die drei neuen Anbieter nicht. Herbst: "Der Vorteil von GE im Vergleich zu anderen Angeboten ist, dass Geld in unbegrenzter Höhe angenommen wird und es keine Zinsstaffel gibt, bei der größere Beträge niedriger verzinst werden." Das sorgte für einen Ansturm auf den neuen Anbieter. Denn erst bei größeren Beträgen von mehr als 50 000 Euro macht es einen spürbaren Unterschied, ob der Zins etwa bei 1,90 oder 2,25 Prozent liegt. Aufs Jahr gerechnet beträgt der Zinsvorteil bei 50 000 Euro immerhin 175 Euro.


Grund genug für manche, die Bank zu wechseln. GE Capital Direkt punktet zudem mit der Mitgliedschaft im Einlagensicherungsfonds des Bankenverbandes. Damit sind pro Anleger Kundengelder bis zu 118 Millionen Euro abgesichert. Da die Zinsen vierteljährlich gutgeschrieben werden, kommt es noch zu einem Zinseszinseffekt. Dem Ansturm war GE Capital Direkt jedoch nicht gewachsen. Auf der Internetseite biallo.de schimpfen Kunden über lange Bearbeitungszeiten ihrer Anträge. "Offensichtlich eine Chaosbank", postet ein Neukunde. Georg Strich von GE Capital Direkt verteidigt sich: "Wir haben wegen Zehntausender Kontoanträge unsere Kapazitäten versechsfacht." Aktuell dauere die Eröffnung eines Kontos maximal zehn Tage.


Das Tagesgeldkonto der Ikano Bank ist mit einer kostenlosen Kreditkarte gekoppelt. "Abhebungen mit der Kreditkarte am Geldautomaten empfehlen sich nicht, denn das kostet mindestens 4,75 Euro", sagt Finanzexperte Herbst. Die Einlagensicherung ist auf das gesetzliche Mindestmaß von 50 000 Euro beschränkt.

Die neuen Zinsofferten sorgen zumindest für eine Stabilisierung des Zinsniveaus. "Es gibt Hinweise darauf, dass jetzt weitere Banken ihre Konditionen so verbessern werden, dass eine Zwei vor dem Komma steht", sagt Branchenkenner Preu. Dennoch sehen die Experten noch keine klare Zinswende mit stetig steigenden Konditionen bei der Masse der Institute. "Die Banken können sich günstig refinanzieren", sagt Herbst. "Vor allem Sparkassen und Volksbanken brauchen keine zusätzlichen Einlagen." Die Europäische Zentralbank wird erst im kommenden Jahr die Zinsen wieder anheben.

Die Sparer müssen sich deshalb auch fragen, wie dauerhaft einige Banken ihre Zinsen über dem Marktniveau halten können. Denn beim Tagesgeld können die Konditionen jederzeit wieder sinken. Die Noa Bank musste die Annahme von Kundengeldern sogar stoppen, weil sie nicht genügend Kredite vergeben konnte. "Es wäre für die neuen Anbieter unter dem Gesichtspunkt der Glaubwürdigkeit verheerend, wenn sie schon nach wenigen Wochen ihre Konditionen wieder senken würden", sagt Preu.


Wer sich diesem Zinsänderungsrisiko nicht aussetzen will, kann Festzinsangebote nutzen. Für die vereinbarte Laufzeit bleibt der Zins stabil. Knapp ein Dutzend Banken bietet einen Zins von über zwei Prozent. So gibt es bei der Deniz Bank 2,50 Prozent Zinsen für ein Jahr. Die NIBC-Direct Bank bietet 2,45 Prozent. Sparer haben den Vorteil, dass sie sich für die Anlagedauer nicht um den Zinswettbewerb der Anbieter kümmern müssen.