Banken-Stresstest verliert seinen Schrecken

14 deutsche Institute werden geprüft. Messlatte liegt niedriger als befürchtet

Hamburg. Während Hamburger Schüler ihre Zeugnisse schon in dieser Woche erhielten, muss die europäische Bankenbranche noch bis zum 23. Juli darauf warten: Dann werden die Resultate des sogenannten Stresstests, der die Krisenresistenz der Geldhäuser abprüfen soll, veröffentlicht. Nachdem nun mehr Details zu den Kriterien bekannt wurden, hat sich der Stress in Chefetagen aber offenbar etwas gelegt.

So legte die Aktie der Deutschen Bank zeitweise um mehr als 3,6 Prozent zu und auch die Papiere anderer europäischer Großbanken wie der niederländischen ING Groep und der französischen BNP Paribas zogen zwischenzeitlich um mehr als drei Prozent an.

Bis Anfang nächster Woche sollen die Tests abgeschlossen sein

Getestet werden 91 Banken, davon 14 aus Deutschland, wie der Ausschuss der europäischen Bankenaufseher CEBS mit Sitz in London mitteilte. Damit werden insgesamt 65 Prozent des europäischen Bankenmarktes erfasst. Den betroffenen Konzernen wurden die Kriterien bereits übermittelt. Bis Anfang kommender Woche haben die Banken nun Zeit, die Auswirkungen der vom CEBS festgelegten Szenarien durchzurechnen.

Dazu gehört unter anderem ein Abschwung der Konjunktur. Finanzkreisen zufolge müssen die deutschen Kreditinstitute simulieren, dass die Wirtschaft des Landes in diesem Jahr nur noch um 0,2 Prozent wächst - anstatt wie von der Bundesregierung erwartet um 1,4 Prozent - und im kommenden Jahr um 0,6 Prozent schrumpft. Im vorigen Jahr war das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland allerdings um fast fünf Prozent eingebrochen.

Zudem müssen die Banken einen Wertverfall griechischer Staatsanleihen durchspielen, der mit der Schuldenkrise Anfang Mai vergleichbar ist. Dies entspreche einem Kursabschlag von 16 bis 17 Prozent, hieß es in Bankenkreisen - doch am Markt notieren zehnjährige griechische Anleihen aktuell ohnehin 25 Prozent unter ihrem Nominalwert.

"Man hat sich für recht weiche Kriterien entschieden, natürlich mit politischer Absicht", sagte der Bankenexperte Wolfgang Gerke dem Abendblatt.

Bankenexperte Gerke hätte strengere Kriterien sinnvoller gefunden

Für ihn ist das Motiv der Aufsichtsbehörden offensichtlich: "Auch angesichts der Entscheidung, die Resultate zu veröffentlichen, ist der Test wohl eher als eine Beruhigungspille für die Märkte und für die Öffentlichkeit gedacht." Sinnvoller hätte Gerke es gefunden, "den Test härter zu gestalten und die Ergebnisse nur der jeweiligen Bank und den Behörden zugänglich zu machen".

Tatsächlich ist noch immer unklar, ob für die einzelnen Institute nur das Urteil "bestanden" beziehungsweise "nicht bestanden" veröffentlicht wird oder ob darüber hinaus genannt wird, wie hart die Bank durch die widrigen Geschäftsbedingungen getroffen würde. Während die CEBS offenbar mehr Details bekannt geben möchte, sollen sich viele Banken dagegen sträuben. "Den einzelnen Instituten muss daran gelegen sein, dass Wettbewerber nicht zu genau sehen können, wie es um eine Bank bestellt ist", sagte Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim, "denn diese Informationen könnten sie nutzen, um den Konkurrenten in die Enge zu treiben."

Im Vorfeld hatten Politiker, Notenbanker und Aufsichtsbehörden unter anderem in Schweden und Frankreich erklärt, sie sähen keine Gefahr für die dortigen Geldhäuser. "Aber der Test wird nur Ernst genommen, wenn auch jemand durchfällt", gibt Burghof zu bedenken. Wie viele dies sein werden, lasse sich jedoch kaum prognostizieren: "Die Anzahl der Institute, die nicht bestehen, ist letztlich eine strategische Entscheidung der Bankenaufsicht."

Der Verband der Landesbanken gibt sich betont gelassen

Namen möglicher Wackelkandidaten will auch Gerke nicht nennen - nur so viel: "Auch unter den deutschen Teilnehmern würden mir schon ein paar einfallen." In Expertenkreisen waren in diesem Zusammenhang neben spanischen Großsparkassen auch deutsche Landesbanken genannt worden. "Viele Investoren denken, dass der Sektor der öffentlichen Banken in einigen Ländern ein potenzielles Systemrisiko darstellt", schrieben die Analysten von Goldman Sachs kürzlich in einer Studie. "Wir sind in Bezug auf die Landesbanken recht gelassen", sagte dazu Stefan Rabe, Sprecher des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands. Sollte es "im Einzelfall doch ein negatives Ergebnis" geben, stünden auf Bundesebene die geeigneten Instrumente bereit.

Würde sich aus den Testkriterien ergeben, dass die sogenannte Kernkapitalquote einer Bank unter die von der Europäischen Zentralbank geforderte Marke von sechs Prozent fallen, könnte sich das Institut aus dem Rettungsfonds SoFFin mit frischem Kapital bedienen - er ist noch gut gefüllt.