Frauen und Führung

KNSK-Chefin: Das ist Hamburgs erfolgreichste Werberin

| Lesedauer: 7 Minuten
Gegenwart und Vergangenheit: KNSK-Chefin Kim Notz neben den Büsten der Agenturgründer Werner Knopf, Detmar Karpinski und Medien-Urgestein Manfred ­Bissinger. Über QR-Codes erscheint auf dem Smartphone eine virtuelle Umgebung, die die Verdienste der drei sichtbar macht.

Gegenwart und Vergangenheit: KNSK-Chefin Kim Notz neben den Büsten der Agenturgründer Werner Knopf, Detmar Karpinski und Medien-Urgestein Manfred ­Bissinger. Über QR-Codes erscheint auf dem Smartphone eine virtuelle Umgebung, die die Verdienste der drei sichtbar macht.

Foto: Roland Magunia/Funke Foto Services

Kim Notz steht für den Generationswechsel des Traditionsunternehmens. Umzug an neuen Standort in der Neustadt.

Hamburg.  Es riecht nach frischer Farbe, in einigen Ecken stehen Umzugskartons, und die Sessel im Eingangsbereich sollen auch noch ausgetauscht werden. „Es ist noch nicht alles fertig. Der Umbau hat sich etwas verzögert“, sagt Kim Notz, während sie mit schnellen Schritten durch das historische Treppenhaus des neuen Firmensitzes geht.

Es ist noch nicht mal einen Monat her, dass die Chefin der Agenturgruppe KNSK mit ihrem Team von St. Georg in die Neustadt gezogen ist. In dem Gebäude war vor mehr als 100 Jahren der erste Kindergarten Hamburgs untergebracht, jetzt ist es die Heimat von rund 160 Kreativen – und ein deutliches Signal für den Generationswechsel an der Spitze der Traditionsagentur.

KNSK: Notz seit 2015 Sprecherin der Geschäftsführung

Ein Wandel, der zu gelingen scheint. Notz ist seit 2015 Sprecherin der Geschäftsführung des Unternehmens, das sich in der Vergangenheit mit der Werbung für die SPD und deren damaligen Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder, die Zigarettenmarke Lucky Strike oder das ZDF einen Namen gemacht hat. Unter der jetzigen Führungsmannschaft, zu der auch Kreativdirektor Florentin Hock gehört, konnte KNSK zahlreiche neue Kunden gewinnen, darunter den Brillenhändler Eyes & More, die Hagebau-Märkte und zuletzt den HVV. „Wir haben viele neue Etats mit Kreativpotenzial im Portfolio“, sagt die Agenturchefin.

Die 41-Jährige ist in einer Branche, in der Frauen in der Führungsetage die Ausnahme sind, weit gekommen und zählt zu den wichtigsten Werbemanagerin Deutschland. Insidern gilt sie als erfolgreichste Werberin Hamburgs. Seit die KNSK-Gründer Werner Knopf und Detmar Karpinski sowie Medien-Urgestein Manfred Bissinger sich 2021 komplett aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und weitere Firmenanteile verkauft haben, ist sie zudem Mehrheitsgesellschafterin. „Der Umzug ist auch eine kulturelle Weiterentwicklung, die den Generationswechsel erlebbar machen soll.“

Neuer Standort ist deutlich kleiner

Dabei hat Notz Chancen geschickt genutzt. Die neue Firmenzentrale am Holstenwall im puristischen Design mit viel Weiß und Glas ist mit 1700 Quadratmetern auf sieben Etagen deutlich kleiner als der vorherige Standort an der Alster, dessen Mietvertrag ausgelaufen war. „Die Corona-Pandemie hat das Arbeiten stark verändert. Viele Beschäftigte wollen auch weiterhin tageweise mobil arbeiten.“ Statt wie früher 160 feste Arbeitsplätze gibt es jetzt nur noch gut 80 flexible Arbeitsplätze, für die sich die Beschäftigen über eine App einbuchen – dazu gibt es Gemeinschaftsflächen und Konferenzräume, einen kleinen Hinterhofgarten und eine neue Dachterrasse. Mindestens zwei Tage in der Woche sollen alle Vollzeitbeschäftigten vor Ort sein, lautet die Vorgabe.

Die Agenturchefin kommt in der Regel jeden Tag in ihr Büro im verglasten Wintergarten, das sie mit Kreativchef Hock teilt. „Ich mag es, die Agentur zu spüren.“ Jung, weiblich, angriffslustig. Dass die frühere Handballerin eine Macherin ist und dabei erfrischend unaufgeregt, haben die KNSK-Gründer früh erkannt. Als Karpinski und Knopf sie vor sieben Jahren fragten, ob sie in die Geschäftsführung einsteigen wolle, war sie im siebten Monat schwanger.

„Ich bin ein totaler Morgenmensch“

„Jungs, meinen Babybauch seht ihr schon“, habe sie damals entgegnet. Zu dem Zeitpunkt war die frühere Verlagsleiterin von Hoffmann und Campe gerade mal zwei Jahre im Unternehmen, nachdem sie mit Manfred Bissinger die Agentur Bissinger+ gegründet hatte und unter das KNSK-Dach geschlüpft war. „Wir kennen dich, du kommst schnell wieder zurück“, hätten die Agentur-Granden damals geantwortet.

Und genauso war es dann auch. Acht Wochen nach der Geburt ihrer Tochter war Kim Notz zurück an ihrem Arbeitsplatz. Zu Hause in Blankenese übernahm Ehemann Peter Notz – auch in Vollzeit. Bis heute klappt die Aufgabenteilung. Kim Notz steht jeden Morgen um 5.30 Uhr auf, um nach einer Runde Yoga und Meditation in den Tag zu starten. „Ich bin ein totaler Morgenmensch“, sagt sie. Nicht selten ist dann auch noch Zeit, um mit Hund Nuri, einem Flat Coated Retriever, draußen eine Runde zu drehen. Alles eine Sache der Organisation. Die Rockstar-Allüren früherer Werber-Generationen sind der Hanseatin fremd.

KNSK steht im starken Wettbewerb

Das gilt auch im Job. Dass KNSK – der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Gründer zusammen – abgesehen von einer kurzen Phase weiterhin inhabergeführt ist, ist ihr Verdienst. Und es ist ungewöhnlich. Nach der ersten fulminanten Generation ist nicht selten Schluss. Ein Beispiel ist die Hamburger Kultagentur Springer & Jacoby, die nach dem Ausscheiden der Gründer Insolvenz anmelden musste. Andere inhabergeführte Werbeagenturen wie Scholz & Friends, Heimat, Thjnk oder die Hirschen Group verkauften ganz oder teilweise an internationale Konzerne. Oder taten sich mit Strategieberatungen zusammen wie Kolle Rebbe, die von den internationalen Konzern Accenture übernommen wurde.

„Es gibt immer weniger Agenturen in Deutschland, die in Inhaberhand sind“, sagt Notz. Für sie kommt gar nichts anderes infrage. „Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als die Dinge selbst zu gestalten, schnelle Entscheidungen treffen zu können und keinem Netzwerk Rechenschaft ablegen zu müssen“, sagt die Agenturchefin, die ihr Unternehmen in den vergangenen Jahren auch digitaler gemacht hat. Abhängigkeiten von Rendite-Erwartungen und versteckten Ziele in einer Konzernstruktur sind nicht ihr Ding. Trotzdem: Auch KNSK steht im starken Wettbewerb.

„Unsere Entwicklung ist stabil“

„Unsere Entwicklung ist stabil“, sagt Kim Notz. Mit einem Umsatz von knapp 17 Millionen Euro 2021 stehe die Agentur gut da – trotz Corona-Pandemie und Ukrai­ne-Krieg. Zu den langjährigen Kunden zählen Signal Iduna, Hamburg Energie, das Standortmarketing Schleswig-Holstein und der börsennotierte Spezialchemie-Hersteller Evonik. „Wir sind mit unseren Kunden branchenseitig breit aufgestellt. Das hilft“, erklärt die Agenturchefin und sieht das Unternehmen auch in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten gut gerüstet. Aktuell ist KNSK auf Platz 11 im Umsatz-Ranking der größten inhabergeführten Agenturen in Deutschland. In Kreativ-Rankings will das Unternehmen im nächsten Jahr wieder vertreten sein.

Die Vision: „Wir haben uns vorgenommen, 2023 wieder zu den führenden Kreativagenturen zu gehören“, sagt Kim Notz. Was das mit dem Generationswechsel zu tun hat, zeigt sich im zweiten Stock der neuen Firmenzentrale. Dort stehen auf einem weißen Regalbrett drei Büsten von Notz’ Vorgängern.

KNSK hat sich viele Auszeichnungen verdient

Über einen QR-Code erscheint auf dem Smartphone eine virtuelle Umgebung, die die Verdienste der Gründer Werner Knopf und Detmar Karpinski sowie von Manfred Bissinger sichtbar macht. Eine kreative Spielerei, aber eben auch eine Verknüpfung der Vergangenheit mit der Zukunft von KNSK. Auszeichnungen und Preise, die das Unternehmen in den vergangenen Jahren bekommen hat, hat die Agenturchefin auf einer Treppe daneben aufbauen lassen. Auf den Stufen ist noch reichlich Platz.

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