IW-Studie

Fachkräftemangel: So dramatisch ist die Lage im Handwerk

| Lesedauer: 2 Minuten
Alexander Klay
Hoher Fachkräftemangel im Handwerk

Hoher Fachkräftemangel im Handwerk

Die Handwerk-Branche ringt um Personal. Eine neue Studie zeigt eine Verschärfung des Fachkräftemangels.

Beschreibung anzeigen

Wer einen Handwerksberuf gelernt hat, muss Arbeitslosigkeit kaum fürchten. Eine neue Studie offenbart dramatischen Fachkräftemangel.

Berlin. Der Handwerkermangel in Deutschland nimmt wieder zu: Nachdem in den vergangenen Jahren die Zahl der offenen Stellen im Handwerk leicht zurückgegangen und jene der Arbeitslosen leicht gestiegen war, hat sich die Entwicklung im vergangenen Jahr umgedreht. Im Durchschnitt kamen auf 201.411 offene Stellen nur 139.256 arbeitslose Handwerker und Handwerkerinnen.

Das geht aus einer Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hervor, die im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz erstellt wurde. Das Papier lag unserer Redaktion vorab vor. Im Corona-Jahr 2020 war die Zahl der offenen Stellen demnach auf rund 180.000 gesunken, rund 150.000 Fachkräfte waren arbeitslos.

Seit 2015 gibt es mehr offene Stellen als Arbeitslose im Handwerk

Die von den IW-Forscherinnen ausgewerteten Zahlen gehen aus Sonderauswertungen der Bundesagentur für Arbeit und ihres Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (Iab) hervor. Seit dem Jahr 2015 gebe es in Handwerksberufen mehr offene Stellen als Arbeitslose mit entsprechender Ausbildung.

Ihren bisherigen Höhepunkt hatte die sogenannte Fachkräftelücke im Jahr 2018 erreicht. Unter Berücksichtigung der passenden beruflichen Qualifikation gab es in dem Jahr im Handwerk fast 110.000 mehr offene Stellen als Arbeitslose. 2021 lag die Differenz bei 87.485 offenen Stellen, die nicht besetzt werden konnten. Weiterlesen: Wie Rentner den Fachkräftemangel verschärfen

Gesucht werden vor allem Handwerker mit abgeschlossener Berufsausbildung. Hier lag die Fachkraftlücke im vergangenen Jahr bei 75.452 Gesellen. Zudem fehlten 7239 Meister und 4794 Fortbildungsabsolventen.

In diesen Handwerksberufen fehlen die meisten Fachkräfte

Besonders viele Fachkräfte fehlen laut der Studie vor allem in Handwerksberufen der Baubranche. Schwer zu finden sind Tiefbaumeister und -meisterinnen. Hier kamen durchschnittlich 15 Arbeitslose auf 100 offene Stellen. Im Hochbau beträgt das Verhältnis 28 zu 100. Gefragt sind auch Meister im Bereich Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik mit 24 Arbeitslosen je 100 zu besetzenden Stellen.

Unter den Gesellen fehlen besonders viele Bauelektriker sowie Fachkräfte im Bereich Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik mit jeweils 21 Arbeitslosen bei 100 offenen Stellen. Auch interessant: Rente: Freiwillig länger arbeiten – darum lohnt es sich

Abseits des Baus ist der Mangel den IW-Berechnungen zufolge etwas weniger dramatisch. Ausnahmen sind Meisterberufe der Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik – hier kamen lediglich 16 Arbeitslose auf 100 offene Stellen. Und beim Verkauf von Fleischwaren kommen 30 arbeitslose Gesellen auf 100 Stellenausschreibungen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft