Eisbär Eis

Hier wird das Eis für Supermärkte und Discounter produziert

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Steffen Preißler
Speiseeis ist ihre Profession: Isabel Schuldt und Martin Ruehs lenken die Geschicke von Eisbär.

Speiseeis ist ihre Profession: Isabel Schuldt und Martin Ruehs lenken die Geschicke von Eisbär.

Foto: MARK SANDTEN / FUNKE FOTO SERVICES

Die Eisbär Eis GmbH vor den Toren Hamburgs investiert 40 Millionen Euro in neue Produktionshalle. Welche Sorten jetzt gefragt sind .

Apensen.  In der unteren Etage wird das Eis in Form gebracht, eine Portion am Stiel oder zwischen zwei Waffeln. Eine Etage höher läuft dann aus Gründen der Hygiene die Verpackung der schon abgepackten Portionen in größere Kartons für den Einzelhandel. Gerade ist Fürst-Pückler-Eis für eine Einzelhandelskette zwischen zwei Waffeln auf dem Band. Aber in welchen Supermarkt-Kühltruhen das Eis landet, will Martin Ruehs nicht verraten. Die Namen seiner bekannten Kunden kommen ihm nicht über die Lippen.

Wann immer Reporter danach fragen, bekommen sie vom Geschäftsführer der Eisbär Eis GmbH in Apensen bei Buxtehude nur diesen Satz zu hören: „Es gibt keine Kühltruhe in deutschen Supermärkten, in der nicht mindestens ein Produkt von uns liegt.“ Dabei geht es um große Handelsketten wie Rewe, Edeka, Lidl, Aldi oder Penny. Täglich können mehr als drei Millionen Eisportionen für Handelsmarken wie Mucci (Aldi) oder Gelatelli (Lidl) in Apensen produziert und ausgeliefert werden. Von den Bändern läuft die kleine Eispraline über Stieleis bis zur Ein-Liter-Haushaltspackung. Ein zweites Werk in Ribnitz-Damgarten kann diese Menge noch einmal verdoppeln.

Eisbär Eis: 2023 soll neue Anlage produktionsbereit sein

Schon von Weitem sind die riesigen Produktionsanlagen und Kühllager von Eisbär Eis unübersehbar. Doch in einem Jahr soll sich der Komplex verdoppelt haben. „Wir investieren 40 Millionen Euro in eine neue Produktionshalle und ein vollautomatisches Rohwarenlager mit 4500 Stellplätzen“, sagt Ruehs. Die Baugrube wird gerade ausgehoben, Mitte 2023 soll die Anlage produktionsbereit sein.

Das sechs Hektar große Firmengelände bietet genügend Platz für Expansion. „Wir wachsen stets nur aus eigener Kraft“, sagt Ruehs. „Übernahmen gehören nicht zu unserer Firmenphilosophie als Familienunternehmen.“ Gleichzeitig spielt die Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle. „Bereits drei Prozent unseres Strombedarfs erzeugen wir mit Fotovoltaikanlagen und wollen das weiter ausbauen.“

Bei Regen sinkt die Lust auf Eis

Besonders heiße Tage braucht es nicht, um den Eiskonsum anzukurbeln. „Temperaturen von 20 Grad aufwärts reichen schon aus, damit der Appetit auf Eis steigt“, sagt Ruehs. Wichtig sei nur, dass es nicht regnet. Doch bundesweit lief es im vergangenen Jahr nicht so gut mit dem Eisverkauf, was auch eine Folge der Corona-Pandemie war. Vom geringeren Absatz in Gastronomie, Flughäfen, Schwimmbädern und Freizeitparks waren die Markeneishersteller betroffen.

Vor allem in den verregneten Sommermonaten Juli und August haben die Verbraucher deutlich weniger Eis gegessen als in einem normalen Sommer. Die industriellen Hersteller von Speiseeis haben im Jahr 2021 im Inland 538 Millionen Liter Speiseeis abgesetzt, was einem Rückgang von sieben Prozent entspricht. Der Umsatz 2021 sank um 2,4 Prozent auf 2,31 Milliarden Euro. Mit 7,9 Litern (dies entspricht rund 113 Kugeln) verzeichnete der Pro-Kopf-Verbrauch gegenüber dem Jahr 2020 (8,2 Liter) ebenfalls einen leichten Rückgang.

Neue Kreationen solllen Appetit ankurbeln

Doch mit neuen Kreationen soll den Verbrauchern wieder Appetit auf Eis gemacht werden. Im Trend liegt Eis mit leckeren Zutaten, wobei die Stücke bis zu 30 Millimeter groß sein können. Karamellstücke werden ebenso beigemischt wie Nüsse, Kokos, roher Kuchenteig oder Soßen. „Wir haben diesen Trend rechtzeitig erkannt und so einen gewissen Vorsprung, denn die großen beigemischten Stücke sind eine Herausforderung bei der Produktion“, sagt Ruehs.

„Der Trend geht auch bei den Handelsmarken zu kleineren Packungen statt einer großen Packung mit bis zu einem Liter Inhalt. Das liegt auch an der zunehmenden Zahl der Single-Haushalte“, sagt die Geschäftsführende Gesellschafterin Isabel Schuldt, die bereits 2016 die Geschäftsführung von ihrem Vater Helmut Klehn übernommen hat. Die Lebensmittelketten bauen ihr Eissortiment immer weiter aus – etwa mit Nischenprodukten wie veganem Eis. Statt Milch wird dann Haferdrink verwendet.

Proteinreiches Eis liegt im Trend

Auch bei der Schokolade – etwa für den Überzug – wird oft auf Milch verzichtet. Außerdem kommt veganes Pflanzenfett zum Einsatz. „Eis mit einem hohen Proteinanteil liegt ebenfalls im Trend“, sagt Schuldt. Auch das ist eine Herausforderung für die Produktion, denn das Proteinpulver macht das Eis eigentlich hart und trocken, doch Eisbär Eis hat auch dafür eine Lösung gefunden.

Der Bedarf an Eis sei riesig, wie sich gerade auf der internationalen Fachmesse PLMA für Handelsmarken in Amsterdam gezeigt habe, sagt Ruehs. Seine Produkte sind auch im Ausland gefragt. Der Exportanteil liegt bei 30 Prozent. Denn Discounter wie Lidl oder Aldi sind auch im Ausland aktiv und verkaufen dort die Produkte von Eisbär Eis. Die Erweiterung des Unternehmens soll das künftige Wachstum absichern. Seit zwei bis drei Jahren gab es eine Stagnation. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei rund 160 Millionen Euro. In diesem Jahr wird er wieder steigen, allein weil die Preise angehoben werden konnten. „Knapp und teuer ist fast alles, was wir an Rohstoffen verarbeiten“, sagt Ruehs. So hat sich der Preis für Sahne verdoppelt. „Früher wurden nur einzelne Rohstoffe teurer, jetzt sind alle Zutaten betroffen“, sagt Ruehs.

Personal fehlt – dann müssen die Maschinen leistungsfähiger werden

Die Produktionsanlagen für die neue Halle sind schon vorhanden. „Zwei neue Anlagen, die wir mehr oder weniger beengt in unsere bisherige Produktion integriert haben, können wir dann so aufstellen, dass sie ihre volle Leistungsfähigkeit entfalten“, sagt Ruehs. Angesichts der vielen verschiedenen Eissorten benötigt man viel Technik, um Vanilleeis mit Schokostückchen zwischen zwei Kakaokekse zu pressen oder Vanilleeis am Stiel mit einem Waldfruchtsorbet zu überziehen oder Waffelhörnchen abzufüllen.

Immer leistungsfähigere Anlagen sind auch wegen der Personalknappheit notwendig. „Denn es ist inzwischen sehr schwer, Produktionsmitarbeiter zu bekommen“, sagt Schuldt. Auch Aushilfen für saisonale Produktionsspitzen sind knapp. „Mit der neuen Produktionsanlage können wir dann vier bis fünf Mitarbeiter pro Schicht einsparen“, sagt Schuldt. „Aber das ist Personal, das wie ohnehin nicht haben. Niemand muss sich Sorgen machen, entlassen zu werden.“ Produziert wird von Montag bis Freitag durchgängig im Drei-Schicht-System. Allein in Apensen arbeiten 300 Beschäftigte.

Kaffee gibt es jetzt kostenlos

Erst jetzt kann die neu gebaute Kantine voll umfänglich genutzt werden. „Vorher mussten sich wegen der Corona-Pandemie alle Mitarbeiter einzeln an die Tische setzen, obwohl wir mit der Kantine gerade das Gemeinschaftsgefühl und das Betriebsklima stärken wollten“, sagt Schuldt. Besonders gut kommt an, dass es jetzt den Kaffee kostenlos gibt.

Wenn im nächsten Jahr der Erweiterungsbau fertig ist, wird deutlich werden, wie schnell das Familienunternehmen in den vergangenen Jahren gewachsen ist. An solche Dimensionen war nicht zu denken, als 1955 zwei Brüder in einem Kellerraum in Neukloster, einem Ortsteil von Buxtehude, die Firma gegründet hatten.

Eisbär Eis: Aufstieg begann Anfang der 1980er-Jahre

Einer davon war Schuldts Großvater, der Gaststätten und Schwimmbäder mit seinem Eis belieferte. Geschäftsführer Martin Ruehs heiratete die Tochter des zweiten Gründers. Der studierte Betriebswirt arbeitete kurz beim Otto-Versand, bevor er vor mehr als 30 Jahren bei Eisbär Eis anfing. Der große Aufstieg der Firma begann schließlich, als der Einzelhandel Anfang der 1980er-Jahre eigene Eismarken im Sortiment haben wollte.

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