Flughafen Hamburg

Nach Warnstreik am Airport: So ist die Lage am Mittwoch

| Lesedauer: 4 Minuten
Zwei Reisende stehen am Dienstagmorgen im Hamburger Flughafen vor einer Anzeigetafel. Wegen eines Warnstreiks der Gewerkschaft Ver.di finden an dem Tag keine Abflüge statt.

Zwei Reisende stehen am Dienstagmorgen im Hamburger Flughafen vor einer Anzeigetafel. Wegen eines Warnstreiks der Gewerkschaft Ver.di finden an dem Tag keine Abflüge statt.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Am Dienstag wurden am Hamburger Flughafen 119 Abflüge und Landungen gestrichen, gut 12.000 Passagiere waren betroffen.

Hamburg. Für rund 200 Reisende begann der Urlaubsstart am Dienstag unerwartet früh und mit einer Autobahn-Tour. Mitten in der Nacht fanden sie sich am Terminal Tango des Hamburger Flughafens ein. Von dort wurden sie um 4.30 Uhr in Reisebussen nach Rostock-Laage gefahren.

Um 10.19 Uhr hob dort der Condor-Flug DE1440 nach Lanzarote und Fuerteventura ab – mit 74 Minuten Verspätung und nicht wie ursprünglich geplant aus Fuhlsbüttel. Nahezu alle gebuchten Gäste seien in der Boeing 757 gewesen, sagte eine Condor-Sprecherin dem Abendblatt: „Wir hatten über 220 Passagiere an Bord, von denen 90 Prozent den kostenfreien Bustransfer genutzt haben.“

Flughafen Hamburg: Hunderte Flüge fielen aus

Während die Ferienfluggesellschaft am Dienstag alle in Deutschland geplanten Abflüge stattfinden lassen konnte, setzten andere Airlines zum Streichkonzert an. Der Warnstreik der für mehr Geld kämpfenden Sicherheitskontrolleure an neun großen Flughäfen schränkte die Zahl der Abflüge stark ein.

Das größte deutsche Drehkreuz in Frankfurt meldete 120 gestrichene Flüge bei ursprünglich geplanten 800 Flugbewegungen. In Düsseldorf wurden 140 von 260 Verbindungen annulliert, in Berlin 95, in Köln/Bonn 73, in Stuttgart und Bremen ein Großteil. In Hannover wurden alle Abflüge bis auf zwei gestrichen, die in die Nacht auf Mittwoch verschoben wurden.

88 Starts und 31 Landungen fallen in Fuhlsbüttel aus

In Hamburg ist dies wegen der Nachtflugbeschränkungen nicht möglich. Alle 88 am Helmut-Schmidt-Flughafen geplanten regulären Starts wurden abgesagt. Zudem cancelten die Airlines 31 von 92 Ankünften. Damit dürften laut Flughafen geschätzt mehr als 12.000 Passagiere vom Arbeitskampf betroffen gewesen sein.

Neben Condor retteten auch die Fluglinien Freebird und Corendon ihre Abflüge nach Antalya, indem die Passagiere per Bus nach Rostock-Laage beziehungsweise Paderborn gebracht wurden.

Emirates parkt 777 über Nacht und fliegt leer nach Dubai

Startende Maschinen gab es aber auch am Himmel über der Hansestadt zu sehen. Für den Dienstag seien 49 „Ferry-Flüge“ angemeldet worden, sagte Hamburg-Airport-Sprecherin Janet Niemeyer auf Anfrage. Die Jets sind also zuvor mit Passagieren gelandet, die in Fuhlsbüttel von Bord gingen. Nach der Betankung hoben die Flugzeuge leer ab, damit sie den Airlines an ihrem nächsten Einsatzort zur Verfügung stehen.

So sollte auf der einzigen Langstreckenverbindung in die Hansestadt um kurz nach 19 Uhr der Emirates-Flieger aus Dubai ankommen. Der für 21 Uhr geplante Rückflug fiel allerdings aus. Stattdessen werde die Boeing 777 über Nacht in Hamburg parken und am Mittwoch um 12 Uhr ohne Passagiere gen Vereinigte Arabische Emirate abheben, sagte ein Sprecher. Fluggäste würden auf den um 15.20 Uhr am Mittwoch startenden Flieger umgebucht.

Kein großer Andrang am Hamburger Flughafen am Mittwoch

Entgegen den Erwartungen hat es am Hamburger Flughafen am Tag nach dem Warnstreik keinen großen Andrang gegeben. „Die Lage ist entspannt“, sagte eine Sprecherin am Mittwochmorgen. Es seien ausreichend Sicherheitsschalter geöffnet, und es hätten sich keine Schlangen in dem Terminals gebildet.

Der Flughafenbetreiber hatte für den Tag nach dem Streik mit großem Andrang gerechnet und alle Fluggäste gebeten, frühzeitig anzureisen, mehr Zeit einzuplanen und das Gepäck auf ein Minimum zu reduzieren. Die Passagiere waren am Mittwochmorgen aber gut informiert und kamen pünktlich zum Flughafen gekommen, wie die Sprecherin sagte.

Unterdessen wächst in der Branche der Zorn auf Ver.di. Die Gewerkschaft fordert einen Euro pro Stunde mehr Lohn für die bundesweit 25.000 Beschäftigten der Luftsicherheitsfirmen.

Ver.di nimmt Passagiere in „Geiselhaft“

„Mit der unverhältnismäßigen flächendeckenden Lahmlegung des Luftverkehrs verlässt Ver.di die Grundlage einer verantwortungsvollen Tarif- und Arbeitskampfpolitik“, so Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft.

Michael Engel, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften, sprach davon, dass Ver.di Reisende im Luftverkehr „in Geiselhaft“ nimmt.

Flughafen Hamburg: Kontrollen sollen geprüft werden

Die Passagierkontrollen sind eine hoheitliche Aufgabe des Staates, werden im Auftrag der Bundespolizei aber von privaten Dienstleistern durchgeführt. Der Bund solle mögliche Alternativen prüfen, sagte Engel. „Wenn der Staat solche hoheitlichen Aufgaben für seine Bürger in einer anderen Organisationsstruktur bei gleicher Sicherheit kostengünstiger sicherstellen kann, dann sollte er diese anderen Organisationsformen auch nutzen.“

( mit dpa )

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