Wohnen in Hamburg

Immer mehr Hamburger träumen vom Leben auf dem Land

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Steffen Preissler
Ein Eigenheim auf dem Land wird immer mehr zum Wunschtraum – und immer teurer.

Ein Eigenheim auf dem Land wird immer mehr zum Wunschtraum – und immer teurer.

Foto: dpa/Friso Gentsch

Mehr Ruhe und ein eigener Garten – beim Portal ImmoScout24 gibt es seit zwei Jahren viel mehr Suchanfragen für Objekte im Speckgürtel.

Hamburg.  Eine wachsende Zahl von Großstadtbewohnern würde ihrem urbanen Wohnort gern den Rücken kehren und stattdessen lieber auf dem Land leben. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch dabei bei Menschen, die zugleich auch von einem Eigenheim träumen. Das geht aus einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Immobilienportals ImmoScout24 hervor.

Demnach haben fast zwei Drittel (63 Prozent) aller Befragten bereits mindestens darüber nachgedacht, „aufs Land“ zu ziehen. Etwas überraschend: Männer (66 Prozent) spielen häufiger mit dem Gedanken vom Abschied von der Stadt als Frauen (60 Prozent). Und in der Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen erwägen sogar 70 Prozent den Umzug aufs Land.

Wohnen Hamburg: Corona treibt Menschen aufs Land

„Die Corona-Pandemie hat nachhaltigen Einfluss auf die Immobiliensuche gehabt. Nicht nur die Nachfrage nach Wohneigentum ist deutlich angestiegen. Immer mehr Menschen suchen aktiv nach dem eigenen Häuschen im Grünen und nach Immobilien mit mehr Platz und Balkon oder Garten“, sagt Thomas Schroeter, Geschäftsführer von ImmoScout24.

Auf deren Angebotsseiten stieg die Nachfrage nach Einfamilienhäusern im Umland zwischen Anfang 2020 und Anfang 2022 am stärksten in den Regionen Berlin und Hamburg. In Hamburg wurden im Januar 2022 rund 40 Prozent mehr Einfamilienhäuser gesucht als zwei Jahre zuvor. In Berlin lag der Wert sogar bei 70 Prozent. 64 Prozent der Anfragen entfielen dabei auf Häuser mit Wohnflächen zwischen 100 und mehr als 150 Quadratmetern.

Mehr Ruhe und ein eigener Garten

Naheliegend ist, dass die Interessenten vor allem angesichts der hohen Kaufpreise und des geringen Angebots an Häusern in der Stadt in den Speckgürtel umziehen möchten oder gar müssen, um sich die eigenen vier Wände überhaupt leisten zu können. Nach einer Untersuchung des Hamburger Maklers Grossmann & Berger kostet ein Einfamilienhaus im Stadtgebiet im Schnitt rund 793.000 Euro. Im Umland sind es 611.000 Euro.

Doch die Umfrage für ImmoScout24 liefert eine andere Erkenntnis zu den Hintergründen für den Traum vom Landleben. So erhoffen sich 72 Prozent ein ruhigeres Leben, 66 Prozent schätzen die Nähe zur Natur und 63 Prozent sehen nur draußen vor der Stadt die Chance, den Wunsch nach einem eigenen Garten zu verwirklichen. Die harten ökonomischen Kriterien wie günstigere Wohnkosten und größere Wohnfläche spielen mit 53 und 49 Prozent eine weniger große Rolle.

Speckgürtel: Preise steigen drastisch

Weil zuletzt mehr Städter bereits ins Umland umgezogen sind und die Nachfrage dort hoch ist, gehen die Preise im Speckgürtel inzwischen sogar stärker nach oben als in der Stadt. Grossmann & Berger erwartet den höchsten Preisanstieg 2022 bei Häusern im Umland. Sie dürften sich um zwölf Prozent verteuern. „Die Nachfrage ist enorm hoch und pandemiegetrieben. Die Schere zwischen Wunsch und Verfügbarkeit klafft immer weiter auseinander“, sagt Andreas Gnielka von Grossmann & Berger.

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