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Sparkasse Holstein macht schrumpfender Haspa Konkurrenz

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Volker Mester
Thomas Piehl, Chef der Sparkasse Holstein, ist zufrieden mit dem Geschäftsverlauf: „Wir verzeichnen erfreuliches Wachstum.“

Thomas Piehl, Chef der Sparkasse Holstein, ist zufrieden mit dem Geschäftsverlauf: „Wir verzeichnen erfreuliches Wachstum.“

Foto: Michael Rauhe / HA

Haspa schließt Filialen, Sparkasse Holstein breitet sich aus und hat schon mehr als 20.000 Privat- und 1500 Firmenkunden in Hamburg.

Hamburg. Die Sparkassenwelt ist bunter, als viele Hamburger vermuten: Nicht nur ist die Haspa auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sehr aktiv, im Gegenzug sind außer der Haspa auch mehrere andere Sparkassen innerhalb des Hamburger Stadtgebiets tätig: Die Sparkasse Harburg-Buxtehude hat ihre Zentrale mitten im Harburger Zentrum und ein Beratungscenter in Neugraben, die Sparkasse Stade-Altes Land ist mit einem Beratungscenter auf Finkenwerder vertreten. Vor allem aber hat die Sparkasse Holstein nicht weniger als sieben Filialen im Hamburger Osten – in Barmbek, Bramfeld, Sasel, Volksdorf, Rahlstedt, Wandsbek und Bergedorf.

Thomas Piehl, der Vorstandsvorsitzende des öffentlich-rechtlichen Geldinstituts mit Sitz in Bad Oldesloe und Eutin, will das zwar nicht als Kampfansage an die Haspa verstanden wissen. Die Präsenz der Sparkasse auf Hamburger Boden habe unter anderem „historische Gründe“, sagt er im Gespräch mit dem Abendblatt – schließlich gehörte Wandsbek bis 1937 zu Stormarn. Doch das erklärt noch nicht, warum das Kreditinstitut gerade erst im Jahr 2020 eine Filiale in Bergedorf eröffnet hat.

Sparkasse Holstein: Schrumpfkurs der Konkurrenz eröffnet Spielraum

„Es gibt enge Verbindungen zwischen Reinbek und Bergedorf“, sagt Piehl dazu: „Die Reinbeker fahren dorthin zum Einkaufen, darum hat es Vorteile, wenn unsere Kunden uns an beiden Standorten finden.“ Piehl macht aber auch keinen Hehl daraus, dass der Schrumpfkurs etlicher Konkurrenten in der Hansestadt zunehmend Spielraum für die eigene Kundengewinnung schafft. „Immer mehr Hamburger Bankkunden mussten zuletzt erleben, dass ihre Filiale geschlossen wird“, sagt Piehl: „Damit tauchen wir immer häufiger als Alternative auf, ohne dass wir eine aggressive Akquisitionsstrategie fahren müssten.“

Außer dem Filialsterben bei Wettbewerbern könne es noch eine Reihe anderer Gründe dafür geben, dass sich Hamburger eine neue Bankverbindung suchen – etwa weil sie nun Negativzinsen zahlen sollen oder weil ihr Girokonto deutlich teurer wird. So hat etwa die Haspa die Strafzins-Schwelle für Privatkunden im Mai 2021 auf nur noch 50.000 Euro abgesenkt. Piehl nennt die Haspa zwar nicht ausdrücklich, hebt aber hervor: „Wir fangen bei Einlagebeträgen von mehr als 100.000 Euro an, mit Kunden über ein Verwahrentgelt zu sprechen.“

Sparkasse Holstein für Immobilien beliebt

Nach Angaben des Vorstandschefs hat die Sparkasse Holstein inzwischen mehr als 20.000 Privatkunden und mehr als 1500 Firmenkunden in Hamburg. Gerade auch bei Immobilienfinanzierungen sei man in der Hansestadt ein gern gesehener Partner. „Rund 200 unserer 1000 Arbeitsplätze hängen an Geschäft, das mit Hamburg zu tun hat“, so Piehl.

Mit dem großen Hamburger Sparkassen-Konkurrenten und dessen Chef ist er gut vertraut: „Ich habe selbst viele Jahre für die Hamburger Sparkasse gearbeitet und kenne Harald Vogelsang aus dieser Zeit als Kollegen. Wir duzen uns noch heute und treffen uns gelegentlich in Ausschüssen und auf Tagungen.“ Es sei ein „gutes nachbarschaftliches Miteinander“, sagt Piehl.

Zweigstellen sollen gestärkt werden

Bei den Filialen setzt die Sparkasse Holstein zwar nicht auf ein sogenanntes Nachbarschaftskonzept wie die Haspa. Beide Institute sind sich aber darin einig, dass Zweigstellen, die man längerfristig bewahren will, gestärkt werden sollten. „Viele unserer Wettbewerber haben ihre Filialen ausgehöhlt, was die Kompetenzen angeht“, so Piehl. Sein Vorstandsteam sei zuletzt den umgekehrten Weg gegangen und habe wieder mehr Spezialisten in die Filialen geschickt: „Das wird von den Kunden ebenso honoriert wie die Tatsache, dass unsere Filialmitarbeiter direkt telefonisch erreichbar sind.“

Deren Arbeitsorte seien zudem nicht schon demnächst von der Schließung bedroht: „Für unsere 34 Filialstandorte haben wir eine Bestandsgarantie bis 2025 ausgesprochen, und wir tun alles dafür, dass es sie noch darüber hinaus weiter gibt.“ Auch wenn man sich in den Niederlassungen auf das Bankgeschäft konzentriere, sollen sie als Zweigstellen der Sparkasse Holstein wiedererkennbar sein: „Wir versuchen, überall das Lebensgefühl unserer Heimatregion zu vermitteln. Dazu gehört das Moin und ein Strandkorb in den Filialen.“

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Sparkasse Holstein: "Erfreuliche" Entwicklung

Mit dem Geschäftsverlauf im Jahr 2021 ist Piehl zufrieden: „Wir verzeichnen erfreuliches Wachstum und haben so viele Girokonto-Eröffnungen wie lange nicht mehr.“ Im abgelaufenen Jahr habe die Sparkasse insgesamt 12.000 Privatgirokonten neu eröffnet und netto 2300 Privatkunden hinzugewonnen; Ende 2020 führte das Institut gut 181.000 Girokonten.

Nachdem das Ergebnis vor Steuern im Vorjahr um 5,3 Millionen auf 52 Millionen Euro sank, hat es sich 2021 nach Angaben von Piehl um zehn Millionen Euro verbessert, „auch weil wir enorme Fortschritte bei der Digitalisierung machen und eine gute Kostenstruktur haben, ohne deutlich Personal abbauen zu müssen.“ Acht Millionen Euro aus dem Gewinn flössen in Stiftungen der Sparkasse, die rund 1000 Projekte pro Jahr in der Region fördern: „Das sind immerhin 40 Euro für jeden einzelnen Girokunden – ein Betrag, der unsere Preise etwas relativiert.“

Für die nächsten Jahre ist Piehl durchaus zuversichtlich gestimmt. Das Kreditinstitut habe aus seiner Sicht ausreichend Eigenkapital, um weiter wachsen zu können. „Die Fehmarnbelt-Querung sollte dazu beitragen, unser Geschäftspotenzial gerade im nördlichen Teil unserer Region noch zu stärken“, sagt der Vorstandschef: „Wer als Sparkasse von Hamburg bis Fehmarn vertreten ist, müsste von diesem Projekt doch profitieren können.“

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