Konjunktur

Corona: Hamburger Firmen drosseln ihre Produktion

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Ein zentrales Hochregallager in Hamburg. Immer mehr Firmen klagen über Materialmangel.

Ein zentrales Hochregallager in Hamburg. Immer mehr Firmen klagen über Materialmangel.

Foto: Marcelo Hernandez

Ein Viertel der Unternehmen wird bei der Auftragsabwicklung wegen Lieferengpässen und Materialmangel ausgebremst. Die Hintergründe.

Hamburg.  Der durch die Pandemie hervorgerufene Materialmangel und Lieferengpässe stören die Hamburger Wirtschaft massiv. Fast ein Viertel der Hamburger Unternehmen gibt an, bestehende Aufträge wegen fehlender Teile nicht abarbeiten zu können. Noch gravierender sind die Auswirkungen in der Industrie: 45 Prozent der produzierenden Unternehmen beklagen stockende Abläufe in der Auftragsbearbeitung. Das geht aus einer Umfrage der Handelskammer im Rahmen des aktuellen Konjunkturberichts hervor.

Demnach erklären 14 Prozent der Betriebe, dass sie ihre Produktion drosseln oder gar stoppen müssen. Fast jedes zehnte Unternehmen lehnt neue Aufträge wegen der Lieferschwierigkeiten ab. „Gerade die Lieferengpässe schwächen den Außenhandelsstandort Hamburg enorm“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, Malte Heyne.

Konjunktur: Produktionen werden gedrosselt

„Sie treiben die Kosten in die Höhe und drosseln sogar Produktionen.“ Neben dem Fachkräftemangel seien die Lieferengpässe aktuell eines der größten Geschäftsrisiken für Hamburger Unternehmen. Einige Unternehmen haben volle Auftragsbücher, müssen ihre Mitarbeiter trotzdem in Kurzarbeit schicken, weil das Material nicht ankommt“, so Heyne.

Deutschlandweit werden die Produktionsausfälle nach Meinung des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) allerdings in diesem und im kommenden Jahr aufgeholt werden können. „Aufgrund der Aufholeffekte gehen wir nach wie vor von einem Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent für 2022 und für 2023 von 2,5 Prozent aus“, sagte der Geschäftsführer des HWWI, Dirck Süß.

Ukraine-Konflikt sorgt für Verunsicherung

„Sorge bereiten uns vor allem die steigenden Rohstoffpreise.“ Der HWWI-Rohstoffpreisindex, der die Preisentwicklung der 31 meistgehandelten Rohstoffe abbildet, nahm seit Jahresbeginn 2021 um mehr als 70 Prozent zu und übertraf im Oktober 2021 den Höchststand von 2011.

Für 2022 geht das HWWI von einer Entspannung der Energiepreise aus. „Das Rohölangebot wird wieder ausgeweitet.“ Großer Unsicherheitsfaktor ist der schwelende Ukraine-Konflikt. Rund 160 Hamburger Unternehmen haben direkte Geschäftsbeziehungen mit Russland. 60 Firmen sind in der Ukraine tätig. Ein Abschneiden der russischen Gaslieferungen im Falle einer Eskalation des Konflikts fürchtet das HWWI aber nicht: „Die Russen sind ja auf die Erlöse aus den Gaslieferungen angewiesen.“

( mk )

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