Hamburger Flugzeugbauer

Trendwende: Airbus will 6000 neue Mitarbeiter einstellen

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Airbus-Chef Guillaume Faury steht im Hamburger Werk.

Airbus-Chef Guillaume Faury steht im Hamburger Werk.

Foto: Getty Images/Morris MacMatzen

Luftfahrtkonzern plant nach dem coronabedingten Jobabbau nun wieder eine Personaloffensive – auch Hamburg dürfte davon profitieren.

Hamburg. Mit Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 ging es in der Luftfahrt auf dem Arbeitsmarkt vor allem um Themen wie Stellenabbau und Kurzarbeit. Beim Hamburger Branchenprimus gibt es nun eine andere Entwicklung. Bereits Ende Oktober deutete Airbus-Vorstandschef Guillaume Faury eine Trendwende an. „Wir fangen an, wieder einzustellen“, sagte der Konzernlenker in einer Journalistenrunde und ergänzte: „Das ist eine sehr gute Nachricht.“

Am Mittwoch wurde die Aussage mit Zahlen unterfüttert. Man wolle im ersten Halbjahr 2022 weltweit rund 6000 Neueinstellungen vornehmen, teilte Airbus mit. Dies betreffe alle Geschäftsbereiche des Unternehmens, das Ende September knapp 126.00 Beschäftigte zählte – allerdings waren es neun Monate zuvor auch noch fast 5500 mehr.

Airbus will 600 neue Mitarbeiter einstellen – auch in Hamburg

Wie viele neue Mitarbeiter in Hamburg anfangen sollen, ließ ein Sprecher auf Anfrage offen: „Die Aufteilung auf die Länder und gegebenenfalls Standorte werden wir erst im Laufe der nächsten Wochen bekannt geben.“ Unklar blieb auch, wie viele Stellen wirklich neu geschaffen werden. Denn wegen der Fluktuation durch beispielsweise Verrentungen müssen auch bestehende Stellen wieder besetzt werden. In der Hansestadt sind rund 14.000 Menschen bei Airbus beschäftigt.

„Airbus bewies Widerstandsfähigkeit während der Corona-Krise und legte den Grundstein für eine mutige Zukunft in der nachhaltigen Luftfahrt“, sagte Airbus-Personalchef Thierry Baril laut Mitteilung. Dieser Schritt könne aber nur gelingen, indem man die richtigen Talente aus verschiedenen Fachbereichen verpflichte. Sie würden helfen, nach dem Herauskommen aus der Krise wieder zu wachsen „und gleichzeitig die langfristige Transformation des Unternehmens vorzubereiten“, sagte Baril.

Airbus plant möglichst emissionsfreien Flieger für 2035

Airbus hatte im September 2020 Pläne für ein wasserstoffangetriebenes, „grünes“ Flugzeug in drei verschiedenen Designstudien vorgestellt, die derzeit auf ihr Potenzial untersucht werden. Im Jahr 2035 soll so ein möglichst emissionsfreier Flieger auf den Markt kommen. Man wolle die Dekarbonisierung der Luftfahrt anführen, hatte Faury einst gesagt. Dafür muss die Branche weg vom kohlenstoffhaltigen Sprit kommen.

Mit jedem vierten neuen Job wolle man sich nun neue Fähigkeiten ins Haus holen, so der Luft- und Raumfahrtkonzern. Insbesondere gehe es um die Bereiche Dekarbonisierung, digitale Transformation und Cybertechnologie, vor allem Datensicherheit. Ein Drittel aller Stellen – also 2000 Jobs – soll junge Hochschulabsolventen erhalten. „Wir werden uns nicht nur darum bemühen, neue Fähigkeiten zu erwerben, die Airbus in der Nach-Covid-Welt benötigt“, sagte Baril, sondern man werde auch die kulturelle Vielfalt im Unternehmen stärken.

Airbus fährt Produktion hoch – und sucht neue Mitarbeiter

Bei der derzeitigen Flugzeuggeneration steht der Hochlauf der Produktionsraten für die A320-Familie im Fokus. Im Frühjahr 2020 war sie von 60 Fliegern pro Monat auf 40 reduziert worden. Ende Mai 2021 wurde eine Erhöhung auf 45 bis zum Ende 2021 angekündigt. Bis zum Sommer 2023 sollen es 65 Flieger sein. Gut die Hälfte der Kurz- und Mittelstreckenflieger, die durch Veränderungen am Tank künftig auch Langstrecken fliegen können, werden in Hamburg endmontiert. Die Nachfrage sei sehr, sehr stark, hatte Verkaufschef Christian Scherer vor Kurzem gesagt. Wenn eine Airline jetzt ordere, müsse sie mehrere Jahre auf den bestellten Jet warten.

Auch für den aktuellen Hochlauf der Produktion würden neue Mitarbeiter gebraucht, sagte der Airbus-Sprecher. Das überrascht insofern, weil man sich während der Covid-Krise von rund 1000 Beschäftigten in der Hansestadt trennte, die den Konzern gegen Abfindung verließen. Betriebsräte und IG Metall hatten die Stellenstreichungen als zu hoch bewertet. Airbus musste zuletzt auch wieder mehr Leiharbeiter ins Werk holen.

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