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So viele Elektro-Mopeds fahren bereits durch Hamburg

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Quinten Selhorst, Geschäftsführer und Mitbegründer vom E-Scooter-Verleih Felyx Sharing B.V. auf der Krugkoppelbrücke in Hamburg (Archivfoto).

Quinten Selhorst, Geschäftsführer und Mitbegründer vom E-Scooter-Verleih Felyx Sharing B.V. auf der Krugkoppelbrücke in Hamburg (Archivfoto).

Foto: Thorsten Ahlf / THORSTEN AHLF / FUNKE FOTO SERVICES

Die Anbieter wie Felyx, Tier und Emmy wachsen im Norden. Mbbilitätswende befördert die Expansion der Sharing-Firmen in der Stadt.

Hamburg.  Noch vor gut einem Jahr fielen die E-Mopeds von Sharing-Firmen eher selten im Hamburger Stadtbild auf. Nur 400 der kleinen Flitzer parkten damals meist auf Bürgersteigen oder nahe S-Bahn-Stationen. Doch die emissionsfreien und geräuschlosen Leihroller treffen offenbar den Zeitgeist der Großstädter.

Im Frühjahr 2021 belief sich die Zahl der batteriebetriebenen Fahrzeuge an Alster und Elbe bereits auf 1500 Exem­plare. Inzwischen ist der Bestand der bunt lackierten Mopeds auf 1900 gewachsen, von den Anbietern Tier, Emmy und Felyx. „Das Angebot wird in der Stadt so gut angenommen, dass in Hamburg die zweitgrößte Mopedsharingflotte in Deutschland unterwegs ist“, sagt Stephanie Altemöller von der Invers GmbH, die Software-Lösungen für die Sharingfirmen anbietet.

1900 Elektromopeds fahren bereits durch Hamburg

Die Verleihfirmen setzen auf Mopeds, die von allen Führerscheininhabern gefahren werden können: Die Roller fahren nur 45 Kilometer pro Stunde und sind wegen ihres Elektromotors leicht zu bedienen. Viele Nutzer geben an, die Flitzer für eine „Tour mit Freunden“ oder fürs „Shopping in der City“ auszuleihen. In einer repräsentativen Umfrage unter 985 Hamburger Nutzern der Felyx-Roller gaben 26 Prozent an, dass sie ohne den Dienst ihr eigenes Auto für die Fahrt verwendet hätten. Weitere 30 Prozent wären statt E-Roller mit einem Carsharing-Auto gefahren.

Allein vom Anbieter Felyx, der erst kürzlich nach Hamburg expandierte, rollen inzwischen 750 Roller durch die Stadt. Zunächst will die Firma aus den Niederlanden den Bestand nicht weitererhöhen, allerdings gibt es Veränderungen in den versorgten Gebieten. So werden Schönwetter-Ziele wie der Elbstrand im Winter aus der Geschäftsregion genommen, sagte eine Sprecherin von Felyx auf Anfrage des Abendblatts. Insgesamt deckt Felyx den Großteil der Innenstadt und die umliegenden Stadtteile wie Altona und Barmbek ab. Jeder Roller sei mit zwei Helmen, einem Smartphone-Halter und einem USB-Anschluss ausgestattet, hieß es weiter. Gebucht wird per App.

E-Mopeds in Hamburg: Felys rollt durch die City, Altona und Barmbek

Das Start-up setzt in den deutschen Städten E-Roller des chinesischen Herstellers Niu ein. Bisher werden fast alle E-Mopeds in China hergestellt und verschifft. Dort dürfen Mopeds mit Verbrennungsmotoren schon seit vielen Jahren nicht mehr durch die Städte fahren, sodass in der Volksrepublik eine florierende Industrie entstehen konnte.

Das Start-up Felyx ist noch jung, hat dafür aber bereits eine rasante Wachstumsstory hinter sich. Erst 2017 startete das Unternehmen in Amsterdam, erweiterte sein Angebot dann aber schnell auf acht Städte in den Niederlanden und Belgien, bevor es auch in Deutschland aktiv wurde. Hier zählen neben Hamburg auch Düsseldorf und Berlin zu den Märkten von Felyx, die kürzlich 24 Millionen Euro an Kapital einsammeln konnten.

E-Mopeds in Hamburg: Auch die Tier-Flotte wächst

Bei Tier, die auch mit E-Scootern in Hamburg aktiv sind, wächst ebenfalls die Flotte an Mopeds: Im Frühjahr hat der Anbieter sein Angebot an Rollern noch einmal ausgebaut und ist mittlerweile mit mehr als 400 E-Mopeds in Hamburg unterwegs. Entsprechend des Bedarfs sei es denkbar, „dass wir unsere E-Moped-Flotte in Zukunft schrittweise erweitern“, sagte ein Sprecher von Tier.

Die 2018 gegründete Berliner Firma hat wie Felyx potente Geldgeber: Noch im Sommer konnte sich das Start-up von der Investmentbank Goldman Sachs eine Finanzierung über 60 Millionen Dollar sichern. „Selbst inmitten einer globalen Pandemie hat Tier eine nachgewiesene Erfolgsbilanz von profitabler Einheitsökonomie und Langlebigkeit der Anlagen. Wir freuen uns, dem europä­ischen Marktführer dabei zu helfen, nachhaltige Mobilität auf mehr Menschen in der ganzen Welt auszuweiten“, kommentierte Ben Payne, Managing Director bei Goldman Sachs, jüngst das Investment. Auch Tier plant, mit dem Geld seine Flotte an elektrisch betriebenen Roller, Mopeds und Bikes noch weiterauszubauen.

Moped-Mobilität: Hamburg gehört zu den Spitzenreitern

Den Expansionsdrang der Mobilitätsfirmen beschränkt die Stadt bei den Mopeds übrigens nicht. „Einer Konzession oder Genehmigung bedarf es nicht“, sagt Dennis Krämer, Sprecher der Verkehrsbehörde, mit Blick auf alle sogenannten Free-floating-Sharing-Angebote, wie etwa Carsharing. Anders ist es bei den E-Scootern. Hier besteht eine Vereinbarung dahingehend, dass die Behörde die Anzahl der Fahrzeuge auf freiwilliger Basis in einem bestimmten Gebiet begrenzen kann.

Auch wenn Hamburg mit seinem nicht immer für Outdoor-Fahrten geeigneten Wetter für die Sharing-Anbieter zu den möglicherweise weniger attraktiven Märkten zählt, gehört die Stadt bei der neuen Moped-Mobilität zu den Spitzenreitern. So belegt die Hansestadt im europäischen Vergleich bei der Zahl der Mopeds den siebten Rang, wenn es um die Summe der Roller pro 10.000 Einwohner geht. Hier ist mit großem Abstand Barcelona Spitzenreiter, dann folgen Paris, Berlin, Madrid, Mailand und Rom, bevor mit Hamburg wieder ein Ort mit einem eher kühlen Klima auf der Liste auftaucht. Auch beim Wachstum der Roller belegt die Hansestadt den siebten Platz vor Rotterdam oder auch Wien.

Mobilitätswende befördert Expansion der Sharing-Firmen

Die Expansion der Sharing-Ffrmen wird von der Mobilitätswende befördert. Ein Beispiel: Die Roller fahren zwar nur 45 Kilometer pro Stunde, damit jeder sie nutzen kann. Doch dieser vermeintliche Nachteil wird unbedeutender. So hat Spanien dieses Jahr landesweit eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde in den Städten eingeführt, die natürlich auch für Roller gilt, sodass sich das Problem der Leihmopeds mit Schneckentempo erledigt. Auch in Deutschland reduzieren immer mehr Städte das Tempolimit, in Hamburg gibt es längst nicht nur an der Stresemannstraße oder in Wohngebieten Tempo-30-Zonen, sodass zu erwarten ist, dass langsameres Fahren in den Städten ohnehin zur Regel wird. Auch die Beschränkung und Verteuerung der verfügbaren Parkplätze begünstigt das Roller-Business.

Die Preise für die Kunden sind bei allen Sharing-Anbietern ähnlich: Bei Tier beträgt der Preis pro Minute 23 Cent, dazu kommt ein Euro Startgebühr. Bei Felyx kostet die Minute 27 Cent – ohne Anmelde- oder Freischaltgebühr. Parkt der Roller, sind es 13 Cent. Zum Ausgangspunkt zurückgebracht werden müssen die Fahrzeuge übrigens nicht – sie können überall innerhalb eines definierten Servicebereichs abgestellt werden.

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