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5000 streiken allein in Hamburg: "Die Werke stehen still"

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Schon am Donnerstag kam es zu ersten Protesten vor dem Airbus-Werk auf Finkenwerder.

Schon am Donnerstag kam es zu ersten Protesten vor dem Airbus-Werk auf Finkenwerder.

Foto: Bode Marks / dpa

Der Streit um den Umbau des Luftfahrtkonzerns spitzt sich zu – insgesamt sind mehr als 14.000 Airbus-Mitarbeiter im Ausstand.

Hamburg. Der von der IG Metall gestartete Aufruf zum Warnstreik ist bei den Beschäftigten von Airbus offenbar auf offenen Ohren gestoßen. Am Freitagmorgen von 6 Uhr an sollten sie in Hamburg wegen des umstrittenen Konzernumbaus für 48 Stunden die Arbeit niederlegen.

Laut Gewerkschaft beteiligte sich bis zum Mittag nahezu die komplette Frühschicht mit 5000 Beschäftigten daran, konzernweit waren es an allen Standorten inklusive der Tochter Premium Aerotec mehr als 14.000. Ein Sprecher der IG Metall: „Die Werke stehen still.“

Airbus: IG Metall bleibt auf hartem Kurs

Die IG Metall bleibt damit in der Auseinandersetzung um den Konzernumbau bei Airbus auf hartem Kurs. Ein Gesprächsangebot der Firma mit Vorstandschef Guillaume Faury lehne man derzeit ab. „Wir haben das Angebot, sich mit Herrn Faury zusammenzusetzen, erst einmal zurückgestellt“, sagte Bezirksleiter Daniel Friedrich am Freitag in einer Online-Kundgebung mit nach Gewerkschaftsangaben mehr als 350 Teilnehmern.

Dies mache nur Sinn, wenn es eine Möglichkeit gebe, den Konflikt zu entschärfen. Dies sieht man offenbar derzeit nicht. Beispielhaft nannte Friedrich die Einzelteilesparte, bei der die zur Tochter PAG gehörenden Standorte Varel und Teile von Augsburg verkauft werden sollen.

Airbus: Gewerkschaft verlangt Garantien für Standort Hamburg

Den vom Unternehmen angekündigten „Superinvestor“, der Arbeit für mehr als 1000 Beschäftigte zusätzlich mitbringe, finanzstark sei und die heute gültigen Arbeits- und Tarifbedingungen von Airbus übernehme, „gibt es nach unseren Kenntnissen nicht“, sagte Friedrich. Das Unternehmen hält den Verkauf der Mehrheit für zwingend, weil das Geschäft Verluste mache. Es sicherte aber zu, mit mindestens 25,1 Prozent beteiligt zu bleiben.

Friedrich ist sich zudem sicher, dass es beim Nachfolgemodell des Verkaufsschlagers A320-Familie, von der rund die Hälfte der Maschinen in Hamburg endmontiert wird, eine Diskussion geben werde, welche Arbeitsanteile Europa und Deutschland überhaupt noch bekommen sollen. „Deshalb brauchen wir jetzt eine Zusicherung, dass das Flugzeug der Zukunft nicht an unseren Standorten vorbeifliegt“, sagte Friedrich.

IG Metall: „Chefsache“ – Luftfahrtpolitik gehört ins Kanzleramt

Der Konzern will an den Standorten etwa zwei Milliarden Euro investieren. Der Gewerkschafter und Verhandlungsführer der Arbeitnehmerseite sieht diese allerdings nur beschränkt auf den derzeitigen Hochlauf der A320-Produktion und damit nicht über das Jahr 2025 hinaus.

Friedrich forderte die neue Bundesregierung zum Handeln auf. Über die Rolle der Luftfahrtpolitik sagte er: „Das ist Chefsache“ und sprach sich für eine Verortung im Kanzleramt aus – auch um ein Gegengewicht zu Frankreich zu schaffen, wo Staatspräsident Emmanuel Macron zuständig sei.

4000 Hamburger Airbus-Mitarbeiter von Umbau betroffen

Es gehe auch um die Frage ob man zuschauen wolle, dass "Airbus wirklich zu einem französischen Unternehmen mit deutschen Standorten“ wird, sagte Friedrich. Alle Standorte in Europa sollten unterstützt werden, nicht nur Frankreich in der Luftfahrtindustrie bestimmen.

Auf Finkenwerder sollen 4000 Mitarbeiter aus der Airbus Operations GmbH in eine neue Aerostructe-Tochter wechseln, die Rumpfschalen produziert, zu Sektionen montiert und anschließend mit Leitungen und Kabeln ausrüstet.

( woh )

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