Arbeitsplatz

Homeoffice am Strand? Was erlaubt ist – und was nicht

| Lesedauer: 7 Minuten
Beate Kranz
Corona: Das bedeutet die Homeoffice-Pflicht

Corona- Das bedeutet die Homeoffice-Pflicht

Die Homeoffice-Pflicht zur Eindämmung der Corona-Pandemie gilt noch bis zum 20. März.

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Immer mehr arbeiten von zu Hause aus. Manche denken sogar darüber nach, ihren Arbeitsplatz in den Süden zu verlegen. Ist das erlaubt?

Berlin. Die Pandemie hat die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt. Immer mehr Menschen arbeiten mal Zuhause, mal im Büro. Gut jeder Fünfte ist auch im Homeoffice tätig. Angesichts drohender neuer Lockdowns träumen manche Beschäftigte davon, ihren Arbeitsplatz vorübergehend in den Süden zu verlegen. Dorthin, wo öfter die Sonne vom blauen Himmel scheint und die Temperaturen angenehmer sind als hierzulande im Winter.

Doch ist das so einfach möglich? Was muss beachtet werden? Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Welche Länder sind fürs Arbeiten besonders beliebt?

Selbstständige digitale Nomaden sind bereits heute weltweit unterwegs, und leben und arbeiten oft in der Nähe schöner Strände. Wer nur für einige Wochen seinen Arbeitsplatz verlegen möchte, dem sind EU-Länder zu empfehlen. Hier sind für EU-Bürger keine zusätzlichen Visa- oder Aufenthaltsgenehmigungen erforderlich. Beliebt sind Portugal und Spanien. Bei TUI waren die Lieblingsziele der Homeoffice-Gäste in diesem Jahr Griechenland, Sylt und die Kanaren.

Homeoffice: Was ist bei der Wahl des Reiseziels zu beachten?

Vor der Reise sollte man sich über die gültigen Einreisebestimmungen und die Corona-Maßnahmen vor Ort informieren, um kein böses Erwachen zu erleben oder schon der Zutritt ins Land verwehrt wird. Wird ein Visum verlangt? Passt eine mögliche Zeitverschiebung zur heimischen Arbeitszeit? In EU-Ländern können sich EU-Bürger überall frei bewegen, aufhalten und wohnen. In Drittstaaten ist die Erwerbstätigkeit dagegen in der Regel nur mit einem entsprechenden Aufenthaltstitel zulässig.

Wo finden sich passende Unterkünfte fürs Homeoffice?

An Wohnungen, Appartements oder Zimmern mangelt es nicht. Über Buchungsportale – wie booking.com oder airbnb lassen sich – gerade außerhalb der Ferienzeiten in vielen Ländern Unterkünfte zu vergleichsweise günstigen Preisen finden. Wichtig ist, dass die Räume mit einem leistungsstarken Internet ausgestattet sind. Hier können auch Plätze in Coworking Büros (worknsurf.de) hilfreich sein, die es in vielen größeren Städten gibt. Denn: Wer sich im Homeoffice befindet, arbeitet in der Regel am Computer und muss meist per Videokonferenz erreichbar sein.

Homeoffice in Corona-Zeiten: Was bieten Hotels?

Europas größter Reiseveranstalter TUI hat ein eigenes Programm fürs Homeoffice im Ausland inklusive Verpflegung unter „Workation@TUI“ in seinen Hotels TUI Blue und Robinson aufgelegt, was 2022 für die Marke Magic Life noch ausgebaut werden soll. Die Kosten richten sich nach Reisezeitraum und Urlaubsland.

Ab einer Aufenthaltsdauer von 21 Tagen gewährt der Konzern nach eigenen Angaben Langzeitrabatte. Im Winter werden für 3 Wochen auf Sylt rund 2920 Euro fällig, auf Fuerteventura 3290 Euro und auf den Malediven 11.650 Euro. Aber auch andere Veranstalter und Fluglinien bieten Pauschalangebote an.

Darf ich mein Homeoffice überhaupt ins Ausland verlegen?

Prinzipiell bestimmt der Arbeitgeber den Arbeitsort, nicht der Arbeitnehmer. „Bei einer klassischen Home-Office-Vereinbarung ist mein Wohnort mein Tätigkeitsort, das ist dann regelmäßig in einer Vereinbarung geregelt. Dann darf ich nur von meiner Wohnung aus tätig werden“, erläutert der Hamburger Fachanwalt für Arbeitsrecht, Christian Oberwetter.

Häufig wird jedoch „mobiles Arbeiten“ vereinbart. „Dann darf ich auch außerhalb meiner Wohnung meine Tätigkeit erbringen, aber nicht automatisch weltweit. Denn dies kann die Interessen meines Arbeitgebers gefährden zum Beispiel aus versicherungsrechtlichen Gründen oder wegen der Gefährdung von Geschäftsgeheimnissen.“

Braucht man die Zustimmung des Arbeitgebers?

In jedem Fall muss man den Arbeitgeber informieren. Er muss einem Arbeiten vom Ausland aus zustimmen. Der Arbeitgeber kann die Tätigkeit aus dem Ausland verbieten, wenn seine Unternehmensinteressen beeinträchtigt werden, sagt Oberwetter. Innerhalb der EU ist ein Arbeiten aus dem Ausland bis zu drei Monaten grundsätzlich in Ordnung, danach muss der Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge an den ausländischen EU-Staat entrichten – für Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht die ideale Lösung.

Homeoffice: Darf man in seinem Ferienhaus arbeiten?

Manche Beschäftigten möchten in ihrem Ferienhaus – in Deutschland oder einem EU-Land – arbeiten. Andere würden gerne vor oder nach ihrem Urlaub in der EU noch eine oder mehrere Wochen Homeoffice am Urlaubsort dranhängen. „In beiden Fällen sollte man seinen Arbeitgeber darüber informieren, dann ist man auf der sicheren Seite“, empfiehlt Oberwetter. „Ein Nichtinformieren darüber wäre zwar in der Regel wohl auch kein Kündigungsgrund, sofern der Aufenthalt im EU-Raum für einige Wochen stattfindet“.

Allerdings gelte diese Freizügigkeit nicht für Beschäftigte, die in sicherheitsrelevanten Unternehmen arbeiten und die sensible Daten über ihre Computer austauschen. Hier wäre eine Genehmigung des Arbeitgebers verpflichtend. Grundsätzlich sollten Homeoffice-Möglichkeiten – auch im Ausland - durch Betriebsvereinbarungen geregelt werden.

Muss das Homeoffice in der EU liegen oder kann es auch in ein Drittland verlegt werden?

Bei Tätigkeiten außerhalb der EU wird es kompliziert, hier kommt es auf den jeweiligen Staat an, wie dort Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung sowie Versicherungs- und Steuerrecht geregelt sind. Ein Zielort außerhalb der EU ist zwar grundsätzlich möglich, aber faktisch muss der Arbeitgeber die Formalien für jeden Einzelfall abklären, so der Arbeitsrechtler Oberwetter.

Muss mein Arbeitsvertrag dazu geändert werden?

In jedem Fall sollte eine Vereinbarung getroffen werden, die Ort und Länge des Aufenthalts festhält und je nach Fall versicherungsrechtliche Aspekte wie auch Schutzinteressen des Unternehmens sowie etwaige behördliche Vorgaben des Auslandsstaates berücksichtigt, empfiehlt der Fachanwalt: „Eine mündliche Vereinbarung ist möglich, aber es gilt: wer schreibt, der bleibt. Denn kommt es zum Streit, muss ich als Arbeitnehmer erst einmal nachweisen, dass der Arbeitgeber mir die Auslandsarbeit erlaubt hat.“

Corona: Wer haftet, wenn ich krank werde?

Beschäftigte stehen im Falle eines Arbeitsunfalls bei mobiler Arbeit und im Homeoffice unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Über die Berufsgenossenschaft besteht der Versicherungsschutz im selben Umfang wie bei der Ausübung des Jobs im Betrieb. Dies gilt auch für das Homeoffice im EU-Bereich, so die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV).

In den EU-Ländern sowie in Island, Norwegen, der Schweiz und Liechtenstein haben Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen bei vorübergehenden Aufenthalten Anspruch auf medizinisch notwendige Leistungen. Auch der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung ist zu empfehlen, da dort auch ein Rücktransport bei medizinischen Notfällen geregelt ist.

Welche steuerlichen Konsequenzen haben längere Aufenthalte im Ausland?

Bei Aufenthalten, die länger als sechs Monate (183 Tage) gehen, können die Gastländer Steuern verlangen. Dennoch kommt es für Deutsche in der Regel nicht zu einer Doppelbesteuerung. Deutschland hat mit mehreren Staaten Abkommen geschlossen, wonach nur an einem Aufenthaltsort Steuern anfallen. Unterhalb dieses Zeitraums gilt das deutsche Lohnsteuerrecht.

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