Corona Hamburg

3G-Regel im Job – „auffällige Anstiege“ der Krankenstände

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Auch in Hamburger Betrieben gilt jetzt die 3G-Regel (Symbolbild).

Auch in Hamburger Betrieben gilt jetzt die 3G-Regel (Symbolbild).

Foto: IMAGO / Christian Ohde

Hamburger Unternehmen verzeichnen mehr Krankmeldungen – und haben Vermutungen, woran das liegen könnte.

Hamburg.  Seit wenigen Tagen gilt in Unternehmen für Beschäftigte die sogenannte 3G-Regel. Das heißt: Wer an seinen Arbeitsplatz im Büro möchte, muss entweder geimpft, genesen oder negativ auf Corona getestet sein. Zunächst sorgten sich die Firmen wegen des Aufwands für die Kontrolle der 3G-Regelung.

Doch nun kommt offenbar ein weiteres, gravierenderes Problem hinzu: Die Krankenstände steigen. Der Verdacht einiger Firmenchefs, die nicht namentlich genannt werden möchten: Beschäftigte kommen nicht an Impftermine oder finden keine Möglichkeiten, sich testen zu lassen. Um dies nicht öffentlich zu machen, melden sie sich lieber krank.

Corona: Mehr Krankmeldungen in Hamburger Unternehmen seit 3G

„Es haben sich in den vergangenen Tagen deutlich mehr Beschäftigte bei uns krankgemeldet“, sagt der Chef eines großen Hamburger Handelsunternehmens dem Abendblatt. Dies führe man klar auf die neue 3G-Regelung zurück. Bei einem Hamburger Industriebetrieb spricht man von „auffälligen Anstiegen“ bei den Krankenständen. Man wolle den Beschäftigten nichts unterstellen, doch es gebe wohl Schwierigkeiten mit Impf- und Testterminen. Die Firmen gehen mit der aktuellen Situation „kooperativ“ um.

Heißt: Man verlange von den Beschäftigten nicht direkt am ersten Tag ein Attest. Konfrontation helfe derzeit nicht weiter. Test- und Impfkapazitäten müssten aber auf jeden Fall deutlich ausgeweitet werden. Kurios ist ein Fall eines in Hamburg Beschäftigten, der im Landkreis Ludwigslust-Parchim wohnt. Er meldete sich ab, weil die DRK-Teststellen Hagenow und Ludwigslust am Sonntag geschlossen hatten. Die Klinik war offen, hatte aber keine Tests mehr.

Hamburger Unternehmen richten Testzentren ein

Vor allem im produzierenden Gewerbe führen mangelnde Testkapazitäten immer öfter zu Problemen. Große Betriebe begannen daher, eigene Testzentren einzurichten. Seit Montag gibt es so eines bei Airbus auf Finkenwerder in „unmittelbarer Standortnähe“, sagte ein Sprecher. Bei Lufthansa Technik wurde es schon früher eingerichtet. „Seit letzter Woche wurden täglich eine untere dreistellige Anzahl an Tests durchgeführt“, so ein Sprecher. Das Angebot funktioniere sehr gut, solle aber nur im Ausnahmefall von Beschäftigten und externen Besuchern genutzt werden.

„Viele unserer Unternehmen haben eigene Testkapazitäten aufgebaut, teilweise sogar eigene PCR-Testgeräte angeschafft“, sagte der Geschäftsführer des Industrieverbands Hamburg (IVH), An­dré Trepoll. „Auch weil wir Impfaktionen mit Betriebsärzten in den Werken durchgeführt haben, ist der Personenkreis, der in der Industrie getestet werden muss, sehr klein.“ Die Industrie hoffe, dass die öffentlichen Testkapazitäten jetzt schnell verstärkt würden.

Trimet schafft sich PCR-Testgerät an

Aluminiumhersteller Trimet hat sich ein eigenes PCR-Testgerät angeschafft. Das Stahlunternehmen ArcelorMittal hat einen Container aufgestellt, der durchgehend von 5 bis 23 Uhr mit zwei Personen besetzt ist, um ungeimpfte Mitarbeiter im Schichtdienst zu testen. Der Aufwand ist angesichts der geringen Anzahl der Nichtgeimpften im Betrieb groß.

Im Vorteil sind jene Unternehmen, bei denen die Anwesenheit der Mitarbeiter am Arbeitsplatz nicht unbedingt erforderlich ist. „Uns sind keine Probleme mit den Testkapazitäten bekannt“, sagte ein Sprecher der Traditionsreederei Hapag-Lloyd. „Das liegt aber auch daran, dass bei uns 85 Prozent der Mitarbeiter wieder im Homeoffice tätig sind.“

Impfstationen der Unternehmen werden reaktiviert

Derweil wächst die Nachfrage nach Erst-, Zweit- und Booster-Impfungen in den Betrieben. So wird bei Beiersdorf an der Quickbornstraße am Mittwoch die Ende Oktober geschlossene Impfstation wieder den Betrieb aufnehmen. „Die Nachfrage nach Terminen ist gerade sehr groß“, sagte eine Sprecherin. Im Dezember und Januar seien Termine für 3000 Impfungen eingeplant. Die Betriebsärzte im Hamburger Stammwerk des Kupferherstellers Aurubis impfen derzeit zwischen 30 und 50 Beschäftigte pro Tag. Die Zahl sei zuletzt gestiegen, sagte eine Sprecherin.

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Etwa 20 bis 30 Beschäftigte pro Woche lassen sich erstmals gegen das Virus immunisieren. Die Betriebsärzte verabreichen überwiegend Booster-Impfungen. Auch auf dem Otto-Campus sollen die Impfstationen wieder den Betrieb aufnehmen, sagte ein Unternehmenssprecher. Für Dezember seien vorerst zwei Termine geplant. Bei Airbus gibt es Termine für Erst-Impfungen und Booster-Impfungen für Johnson&Johnson-Gespritzte, für andere Booster-Impfungen liefen die Vorbereitungen, so der Sprecher.

( ode, mk, mik, hs, woh )

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