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Der A321 wird künftig auch in China endmontiert

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Airbus-Vorstandschef Guillaume Faury steht in Hamburg in der vierten Endmontagelinie für die A320-Familie. Der A321 soll künftig auch in Tianjin (China) gebaut werden.

Airbus-Vorstandschef Guillaume Faury steht in Hamburg in der vierten Endmontagelinie für die A320-Familie. Der A321 soll künftig auch in Tianjin (China) gebaut werden.

Foto: Michael Rauhe

Einst wurde der größte Flieger der A320-Familie nur in Hamburg zusammengebaut. Was bedeutet das für den Standort Finkenwerder?

Hamburg. Beim A321 hatte das Hamburger Airbus-Werk lange Zeit ein Monopol. Auf Finkenwerder wurde 1992 mit den Arbeiten an dem neuen Flugzeug begonnen, der das größte Mitglied des Verkaufsschlagers A320-Familie ist. Bis 2015 wurde der Flieger ausschließlich an der Elbe zusammengebaut.

Dann kam das neue US-Werk in Mobile dazu. Später wurde die Einrichtung einer Endmontagelinie (Final Assembly Line, FAL) in Toulouse bekannt. Künftig soll auch der vierte und letzte FAL-Standort in Tianjin hinzukommen.

A321 wird auch in China endmontiert

„Wir werden es stufenweise allen unseren FALs ermöglichen, den A321 zu bauen“, sagte Airbus-Chef Guillaume Faury am Donnerstag bei der Vorstellung der Neunmonatszahlen. In den Jahren 2023/2024 könnte der erste A321 in China zusammengebaut werden.

Eine Schwächung des Hamburger Werks sei dies nicht, hieß es auf Nachfrage aus der Airbus-Pressestelle. Es bleibe das Hauptzentrum der Fertigung. Aber alle A320-Standorte müssten künftig zur Endmontage des A321 fähig sein, weil der Anteil des 44,51 Meter langen Fliegers unter den Bestellungen im Orderbuch stetig steigt.

In Hamburg beginnt Bau der Langstreckenversion

Man brauche eine größere Flexibilität bei der Fertigung dieser Maschinen. Das ermögliche in Hamburg die Einführung und den Hochlauf der A321XLR-Produktion, so ein Sprecher. Bei diesem neuen Flugzeugtyp mit extralanger Reichweite wird ein großer Zusatztank in den Frachtraum eingebaut, der dem Flieger den Einsatz auf Langstrecken zum Beispiel von Rom nach New York ermöglicht. Die XLR-Variante wird bisher ausschließlich auf Finkenwerder gebaut und soll 2023 erstmals in den Dienst einer Airline gehen.

„Eine Gefahr für das Hamburger Werk ist es angesichts der niedrigen Stückzahlen, die in China produziert werden, nicht“, sagte der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt dem Abendblatt zu der Ankündigung von Airbus, den A321 künftig auch in der Volksrepublik zu bauen. „Eine große Produktionsausweitung dorthin befürchte ich nicht.“

Vor der Corona-Krise dürften in Hamburg gut 30 und in Tianjin eine Handvoll Jets im Monat zusammengebaut worden sein. Vor 1,5 Jahren wurde die Rate in der Corona-Krise um ein Drittel gekürzt, nun wird sie aber wieder hochgefahren.

Bausätze für die USA und China aus Hamburg

Zudem werden in Hamburg die Bausätze zusammengestellt, die nach Mobile und Tianjin verschifft werden. Das soll laut Pressestelle auch so bleiben – und sichert somit Arbeitsplätze an der Elbe. Die Endmontage macht ohnehin nur einen relativ kleinen Teil der Wertschöpfung eines Jets aus.

Auch Daniel Friedrich sieht es gelassen: „Kurzfristig ist das nicht dramatisch“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste dem Abendblatt und ergänzte: „Mittel- und langfristig müssen wir verhindern, dass die Zulieferindustrie von Deutschland nach China abgezogen wird.“

Airbus hebt Gewinnprognose an – Aktie legt zu

In den ersten neun Monaten steigerte Airbus den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17 Prozent auf 35 Milliarden Euro. Der Nettogewinn lag bei 2,6 Milliarden Euro – vor einem Jahr gab es einen Verlust in dieser Höhe. Für das Gesamtjahr wurde für das um Sondereffekte bereinigte Betriebsergebnis (Adjusted Ebit) zum zweiten Mal die Prognose erhöht. Dies soll nun 12,5 Prozent höher ausfallen und 4,5 Milliarden Euro betragen.

Die Aktie des DAX-Konzerns gewann bis zum Donnerstagnachmittag in einem etwas schwächeren Marktumfeld 1,4 Prozent auf gut 111 Euro. Die Schweizer Großbank UBS beließ das Kursziel auf 135,50 Euro und die Einstufung auf „Kaufen“. Für die US-Investmentbank Goldman Sachs gehört die Aktie weiterhin zu den Titeln, die man unbedingt haben müsse. Das Kursziel wird unverändert mit 151 Euro angegeben.

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