Höhle der Löwen

Ralf Dümmel beißt bei Fleischersatz aus dem Norden an

| Lesedauer: 7 Minuten
Nicole und Bernd Sell sind die Gründer von Easy Green – und ergatterten bei der Vox-Show "Die Höhle der Löwen" einen Deal mit Ralf Dümmel.

Nicole und Bernd Sell sind die Gründer von Easy Green – und ergatterten bei der Vox-Show "Die Höhle der Löwen" einen Deal mit Ralf Dümmel.

Foto: Thorsten Ahlf / FUNKE Foto Services

Mit Early Green haben die Timmendorfer in der Vox-Show Erfolg. Wie die Zusammenarbeit mit ihrem Wunschlöwen dann verlief.

Sereetz.  Ein Moment aus der Show „Die Höhle der Löwen“ ist Nicole Sell besonders in Erinnerung geblieben: „Bernd musste sich Handschuhe anziehen, um die Burgerpatties zu formen“, erinnert sich die Ehefrau des 61-Jährigen. Doch dann wurde es etwas peinlich: „Er war so aufgeregt, die Hände wegen der ganzen Lampen im Studio waren so verschwitzt, dass das Ganze sehr lange dauerte“, beschreibt die Mitgründerin, die ansonsten sehr für ihren Gatten schwärmt und seine Kreativität und Fürsorge in den höchsten Tönen lobt.

Immerhin war es der Hobbykoch, der sich nach Nicoles Wechsel zur fleischlosen Küche tage-, ja monatelang an Herd und Töpfe stellte, um die veganen Produkte zu schaffen, mit denen das sympathische Paar aus Timmendorfer Strand jetzt einen Deal bei der Vox-Sendung holte.

Höhle der Löwen: Dümmel beißt bei Early Green an

Die Norddeutschen präsentierten fertig gewürzte, pflanzliche Mischungen für Burger, Steaks und Gyros ihrer Marke „Early Green“. Einem der Juroren schmeckte es besonders gut: Ralf Dümmel biss bei den Gründern an und beteiligte sich mit 25 Prozent an ihrer Firma, die neben den Fleischalternativen auch Saucen anbietet. Dafür sammelten Nicole und Bernd Sell 100.000 Euro ein, die sie zuletzt auch in neue Produkte investierten.

Beim Gespräch mit dem Abendblatt einige Monate nach der Aufzeichnung lobte Nicole Sell derweil nicht nur ihren Mann Bernd, der sich hauptsächlich daran erinnert, die ganze Zeit „Angst vor einem Blackout“ gehabt zu haben. Sondern ausdrücklich auch Ralf Dümmel. „Unser absoluter Wunschlöwe“, freut sich die Unternehmerin. Der gut vernetzte Handelsprofi habe selber und auch mit seinen Mitarbeitern der DS Gruppe aus Stapelfeld („ich habe mich sofort verliebt in sein ganzes Team“) großen Anteil genommen am Erfolg der Firma.

Ralf Dümmel gratulierte Fleischersatzpullver-Gründerin zum Geburtstag

„Wir haben so unglaublich viel Hilfe bekommen, das hätte ich nie gedacht“, freut sich Nicole Sell, die sogar auch privaten Zuspruch des Investors bekommen hat. „Wir saßen im Urlaub am Gardasee, ich hatte Geburtstag, und wer ruft an?“, sagt die 49-Jährige lachend, „Ralf Dümmel.“

Auch ihrem Mann habe er später gratuliert, „so bodenständig, so persönlich“, sagt die Gründerin und nennt auch noch einmal die Einzelheiten der Unterstützung, die ihr Unternehmen seither durch die Profis aus Dümmels Team erfahren hat: „Wir haben auf ihren Rat hin bei einigen Produkten Seitan durch Erbsenprotein ersetzt, sodass manche unsere Pulver jetzt auch glutenfrei sind“, sagt Nicole Sell, denn Seitan enthalte schließlich Weizen, ein Problem für Menschen, die kein Gluten vertragen.

Höhle der Löwen: Fertigmischung in vielen Supermärkten erhältlich

Nun sind die Sorten Burger, Gyros und Steak, zu je 4,99 Euro für den Beutel, bereits in zahlreichen Supermärkten erhältlich. Darunter die Famila-Märkte und Netto, wo sie bei den Kunden offenbar gut ankommen. Schon drei Monate nach dem Marktstart des Pulvers waren 4000 Packungen verkauft.

Die Handhabung ist ganz einfach, verspricht Bernd Sell: die Fertigmischung mit 150 Milliliter kaltem Wasser und etwas Speiseöl vermengen, umrühren und kurz durchkneten, in Form bringen und braten oder grillen. Der Vorteil, der auch andere Löwen in der Sendung wie Carsten Maschmeyer, Judith Williams und Nils Glagau überzeugte: Anders als viele Fleischersatzprodukte, die schon nach einer Woche verdorben sind, hält sich das Pulver über 14 Monate, ohne Kühlung.

DHDL-Gründer entwickelten neben Fleischersatzpulver auch Sauce

Als schließlich Ralf Dümmel in der Sendung zubiss, war er genau so begeistert wie das Gründerpaar: „Nicole und Bernd haben eine vegane Fleischalternative erfunden, die nicht nur nachhaltig ist, sondern auch unglaublich lecker schmeckt. Ob Steak, Burger oder Gyros – einfach der Wahnsinn. Da bekomme ich sofort einen Löwenhunger,“ scherzte der Investor, auch wenn er sich im Grunde als „totaler Fleischesser“ bezeichnete.

Aber auch im echten Leben konnten die Inhaber von Early Green bereits kritische Kunden überzeugen, darunter wahre Feinschmecker. Die Eltern von fünf Kindern haben zum Beginn ihrer Selbstständigkeit schon eine Sauce produziert, die der österreichische Spitzenkoch Juan Amador in seinem Restaurant verkauft, und das hat immerhin drei Sterne.

Bernd Sell arbeitete vorher in der Filmproduktion

Bernd Sell liegt übrigens das Tüfteln im Blut: Sein Großvater Werner Sell entwickelte die moderne Flugzeugküche, indem er im Jahr 1930 einen rumänischen Prinzen dazu überredete, eine Teeküche in sein Flugzeug einzubauen. Noch heute fliegen manche Sellküchen in Jets durch die Welt, später entwickelte der Berliner auch Einbauküchen und Fertighäuser.

Dem Erfinder wurden für sein Werk das Bundesverdienstkreuz und die Ehrendoktorwürde verliehen. Und auch sein Enkel wurde als Medienschaffender mehrfach ausgezeichnet. Denn Bernd Sell hat vor der Gründung von Early Green als Unternehmer in der Filmproduktion in Hamburg gearbeitet, seine Frau bei Karls Erdbeerhof in Warnsdorf.

Gründer von Early Green mieteten ehemaligen Pizzaservice

Doch als die anfänglich eher hobbymäßig betriebene Saucenproduktion wirtschaftlich erfolgreich lief, mieteten sie einen ehemaligen Pizzaservice in Sereetz, rund zehn Minuten von ihrer Heimat am Ostseestrand entfernt und verbringen hier seither viele Wochentage und oft auch die Wochenenden. Für ihre Leidenschaften wie Kajakfahren oder Reisen bleibt wenig Zeit.

Einkaufen auf dem Großmarkt, kochen, Gläser befüllen, etikettieren, fast alles läuft bei ihnen noch per Hand. Für die bereits in den Supermärkten erhältlichen Produkte gewannen sie zugleich einen Hersteller in Niedersachsen, denn die immer umfangreicher gewordene Produktion für den Einzelhandel und ihren Onlineshop ­Earlygreenvegan.de überfordert die Manufaktur dann doch.

Höhle der Löwen: Gründer aus Timmendorfer Strand tüfteln an neuem Produkt

Bereut haben beide den Schritt in die neue Selbstständigkeit bisher nicht. „Wir haben das Gefühl, den Nerv der Zeit zu treffen“, beschreibt Nicole Sell ihre Gründer-Motivation. Ihr Ziel für die nächsten Jahre: „Wir wollen in Deutschland in alle Supermärkte.“ Und die Timmendorferin ergänzt lachend: „Ich habe das Gefühl, wir gehören auch in jeden Haushalt.“

Die Kreativität ist den Gründern nach der Show „Die Höhle der Löwen“ jedenfalls nicht abhandengekommen. Sie tüfteln bereits an einem neuen Produkt, einem veganen Mozzarella, ebenfalls als Trockenmischung.

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