Umstandsmode zum Mieten

Hamburgerinnen vermieten Kleidung für Schwangere

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Hanna-Lotte Mikuteit
Jantje Warnken (l.) und Kathrin Ingelmann, auf dem Foto noch hochschwanger, haben Mutterkleid gegründet – ein Start-up, das Umstandsmode verleiht und auch verkauft.

Jantje Warnken (l.) und Kathrin Ingelmann, auf dem Foto noch hochschwanger, haben Mutterkleid gegründet – ein Start-up, das Umstandsmode verleiht und auch verkauft.

Foto: Mark Sandten

Die Idee zu "Mutterkleid" kam den Gründerinnen, als sie beide schwanger waren. Sie sind nicht allein: Es gibt immer mehr Anbieter.

Hamburg. Das hat ja mal so richtig gut gepasst. Kathrin Ingelmann hatte Ende vergangenen Jahres gerade das Portal Mutterkleid mit Co-Gründerin Jantje Warnken gestartet, als sie mit ihrem zweiten Kind schwanger wurde. „Ich habe es dann genau wie unsere Kundinnen gemacht, einige Umstandsmode-Teile für die Zeit der Schwangerschaft gemietet und andere gekauft“, sagt die Start-up-Unternehmerin.

Vor allem eine Legging mit Leoparden-Muster hatte es ihr angetan. „Ich habe gleich gemerkt, dass ich die nicht wieder hergebe“, sagt Kathrin Ingelmann und lacht. Bessere Voraussetzungen, um herauszufinden, ob das Geschäftsmodell der beiden Hamburger Mütter funktioniert, kann man sich eigentlich nicht wünschen.

Hamburgerinnen vermieten Umstandsmode monatsweise

Mutterkleid ist ein Online-Shop für hochwertige Umstandsmode. Das Besondere: Die Frauen können die meisten der Kleidungsstücke auch monatsweise mieten. „Wenn wir unser Unternehmen vorstellen, hören wir ganz oft: Das macht Sinn“, sagt Jantje Warnken. Schließlich verändert sich der Körper während der Schwangerschaft und Stillzeit kontinuierlich, werdende Mütter brauchen immer wieder neue Größen.

„Es geht ja um eine kurzfristige Mode“, sagt Kathrin Ingelmann. „Unser Ansatz ist, wie man in der Phase trotzdem seinem Stil treu bleiben und sich modisch kleiden kann, ohne das Portemonnaie übermäßig zu strapazieren.“ Inzwischen hat Mutterkleid um die 100 Kleidungsstücke im Angebot und Kundinnen in ganz Deutschland.

Aus gegenseitigem Kleidertausch wird Businessidee

Entstanden war die Idee vor drei Jahren, als Jantje Warnken mit ihrem zweiten Kind und Kathrin Ingelmann mit dem ersten zeitgleich schwanger waren. Die Freundinnen, beide 37 Jahre alt, in Bremen zusammen zur Schule gegangen und inzwischen als PR-Beraterinnen mit ihren Familien in Hamburg, waren in dem Sommer gleich mehrfach zu Hochzeiten und Taufen eingeladen, und suchten etwas zum Anziehen, das auch mit Babybauch gut aussieht und nicht so teuer ist.

„Anfangs haben wir uns die Sachen gegenseitig ausgeliehen. Wir haben ziemlich die gleiche Größe und einen ähnlichen Geschmack“, sagt Jantje Warnken. Dann überlegten sie, wie sie das auch anderen ermöglichen könnten – und bastelten am ersten Businessplan.

Gründerinnen: „Wir haben fast alles selbst gemacht“

Sobald Hanno und Frieda auf der Welt waren, machten die Gründerinnen sich noch in der Elternzeit an die Umsetzung. „Wir haben fast alles selbst gemacht, von der Auswahl der Marke über den Aufbau des Online-Shops bis zu den ersten Posts in den sozialen Medien“, sagt Kathrin Ingelmann. Finanziert haben sie den Schritt in die Selbstständigkeit mit ihren Ersparnissen.

Zunächst war ein Verleih vor allem von festlicher Umstandsmode geplant, doch in der Pandemie dachten die Gründerinnen um. „Es waren ja lange gar keine Feste möglich“, sagt Jantje Warnken. Im November 2020 startete Mutterkleid mit den drei Umstandsmode-Marken Mamalicious, Mara Mea und Paula Janz Maternity.

Kleidungsstücke: Neu oder mindestens neuwertig

Das Prinzip ist einfach. Für jeden Artikel gibt es zwei Preise: einen Verkaufpreis und eine Leihgebühr für mindestens einen Monat. Die Mietkosten richten sich nach der Wertigkeit des Kleidungsstücks und liegen zwischen monatlich neun Euro etwa für eine Schwangerschaftshose, bis zu 27,90 für eine Umstandsjacke und 39 Euro für ein langes Kleid der aktuellen Saison. Kundinnen können die Ausleihe monatsweise verlängern und das Kleidungsstück kaufen, wenn der Gesamtpreis über die Mietzahlungen erreicht ist.

Reduzierte Verkaufspreise gibt es für Secondhand-Teile, die aus der Miete zurück sind. Für alle Kleidungsstücke versprechen die Gründerinnen, dass sie neu oder neuwertig sind. „Wir lassen nach der Rückgabe alles reinigen und bessern kleinere Mängel aus“, sagt Jantje Warnken. Bislang seien aber alle Teile in sehr gutem Zustand aus der Vermietung zurückgekommen. „Das freut uns besonders, weil es zeigt, dass unsere Idee mitgetragen wird.“

Mutterkleid: Steigende Nachfrage nach dem Lockdown

Nachdem die Kundinnen zunächst eher einzelne Kleidungsstücke gekauft hätten, hat sich das Verhältnis inzwischen umgedreht. „Der Anteil der Mietmode liegt inzwischen bei 70 Prozent“, sagt Kathrin Ingelmann. Konkrete Absatzzahlen nennen die Mütter-Unternehmerinnen nicht. Aber seit dem Ende des Lockdowns im Juni sei die Nachfrage rapide angestiegen. „Wir schicken jeden Tag was raus“, sagt Jantje Warnken. Die Retourenquote sei sehr niedrig, viele Kundinnen bestellten immer wieder. Monatlich kommen neue Artikel dazu.

In den vergangenen Jahren hatten sich mehrere Online-Plattformen gegründet, über die Kleidung mietbar ist. Einer der Pioniere war die Hamburger Kleiderei, die es inzwischen nicht mehr gibt. Auch der Konsumgüterkonzern Tchibo hatte mit dem Leihservice Tchibo Share für Kinderbekleidung, Umstandsmode und Spielzeug einen Versuch gewagt. Offenbar war die Nachfrage nicht groß genug, nach drei Jahren hat der Konzern genau wie die Plattform Kilenda, über die das Angebot abgewickelt wurde, die Arbeit Ende vergangenen Jahres eingestellt.

Die Zeit ist reif für geliehene Mode

Zugleich gibt es neue Anbieter. Darunter das Portal Unown, das einen Online-Leasing-Service vor allem für Damenmode anbietet und auch Umstandsmode im Angebot hat. „Wir glauben, dass die Zeit jetzt reif ist“, sagt Linda Ahrens, die das Unternehmen gemeinsam mit Tina Spießmacher Ende 2019 in Hamburg gegründet hat. „Immer mehr Menschen denken, dass man die Sachen, die man nutzt, nicht unbedingt auch besitzen muss.“

Bei Unown (englisch: unbesessen) gibt es zwei Modelle: Die Leihe eines einzelnen Teils für zwei oder vier Wochen. Und ein Monatsabo in drei verschiedenen Preiskategorien zwischen 39 Euro (zwei Produkte), 69 (vier Produkte), 109 Euro (sechs Produkte), das monatlich kündbar ist. Inzwischen sind mehrere Tausend Teile im Angebot, Umstandsmode macht davon nur einen kleineren Teil aus.

Weniger Konsum und trotzdem Spaß an der Mode

„Wir möchten gern, dass Kleidung länger im Umlauf bleibt“, erklärt Linda Ahrens „Wir wollen es möglichst einfach machen, weniger zu kaufen und den Konsum zu reduzieren – ohne dass der Spaß an der Mode verloren geht.“ Ein weiterer Anbieter im Bereich Umstandsmode ist Nitis mit Sitz im Landkreis Lüneburg. Das Unternehmen, das auch eine eigene Marke hat, hatte zusätzlich zum Verkauf vor fünf Jahren ein Mietangebot gestartet. „Als Corona losging, ist die Nachfrage eingebrochen“, sagt Geschäftsführer Heiko Warnemünde, der die Option zunächst gestoppt hatte. Jetzt soll es Angang 2022 wieder losgehen.

Auch die Mutterkleid-Gründerinnen setzen für die nächsten Monate auf weiteres Wachstum. „Wir bedienen eine Nische in der Nische und sind bei der Auswahl extrem sorgsam“, sagen Jantje Warnken und Kathrin Ingelmann. Ihre Chance sehen sie durch „die Spezialisierung mit einem besonderen Sortiment, das nicht Nullachtfünfzehn ist“.

Im Moment arbeiten die beiden Mütter in Elternzeit noch in ihren Wohnungen, haben alle Schränke mit ihren Waren belegt. Langfristig ist auch ein Ladengeschäft vorstellbar, um auch bessere Beratung anbieten zu können. Gründerin Kathrin Ingelmann weiß, wie wichtig das sein kann. Inzwischen ist ihre zweite Tochter Pauline auf der Welt – mehr als eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin. Das grüne Kleid, das sie noch schwanger beim Abendblatt-Fototermin getragen hat, hat die junge Mutter inzwischen zurückgegeben. „Das brauche ich nicht mehr.“

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