Höhle der Löwen

Taag Solutions – Maschmeyers Deal mit Hamburger Abiturienten

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MyTaag: Das sind die erfolgreichen Hamburger Gründer

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Investor schlägt zu: Davis Zöllner und Berkay Cankiran als jüngste Gründer bei den Löwen erfolgreich. Wie es nach der Show weiterging.

Hamburg. Es ist ein eindrucksvoller Rekord, den zwei Hamburger jetzt in der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ aufgestellt haben: Davis Zöllner und Berkay Cankiran waren die jüngsten Gründer, die ihre Firmenidee in der Sendung präsentiert und gleich einen Deal bekommen haben. Gerade einmal 17 und 18 Jahre alt waren sie bei der Aufzeichnung, in der sie Carsten Maschmeyer für ihre Idee digitaler Visitenkarten begeistern konnten.

Dabei wurde der Finanzunternehmer sogar ziemlich emotional: „Jetzt habt ihr noch einen Gründungsvater und nicht nur eure leiblichen Eltern.“ Und den anderen Juroren, die kein Interesse an einer Beteiligung gehabt und den sichtlich aufgeregten Teenagern allesamt eine Absage erteilt haben, gab der Selfmade-Millionär noch einen kleinen Seitenhieb mit auf den Weg: „Ihr werdet euch in ein paar Jahren ärgern, dass ihr hier nicht zugeschlagen habt.“

Höhle der Löwen: Taag Solutions noch vor dem Abitur gegründet

Davis Zöllner erinnert sich noch gerne an die im Frühjahr aufgezeichnete Sendung, an die riesige Anspannung während der Show, und das auch noch kurz vor seiner Abiprüfung auf dem Gymnasium in Schwarzenbek. „Es war unbeschreiblich“, sagt der Gründer über den Auftritt vor den Juroren, „ich konnte kaum das Smartphone halten, um unser Produkt zu präsentieren, so verschwitzt waren meine Hände.“

Und dann sei die Spannung ins Unermessliche gestiegen. „Wir haben zwar Komplimente von allen Löwen bekommen“, sagt der Hamburger und ringt die Hände, „doch erst wollte keiner einen Deal.“ Bis dann Maschmeyer als letzter Investor an der Reihe war, ihnen für ihre Firma Taag Solutions die gewünschten 50.000 Euro zusagte und im Gegenzug 30 Prozent der Unternehmensanteile erhielt.

Hamburger wollten mit MyTaag speziell Maschmeyer überzeugen

Das Verrückte: Die beiden Kandidaten waren mit dem unbedingten Willen in die Sendung gekommen, einen Deal speziell mit Carsten Maschmeyer zu bekommen. Selbstbewusst beschreibt Davis Zöllner die Chancen, die der mit Veronica Ferres verheiratete Netzwerker für ihr Unternehmen bringt: „Er ist in der Konzernwelt bestens vernetzt, hat gute Kontakte nach San Francisco und hält ein Portfolio an Technologieunternehmen.“

Dagegen sei Ralf Dümmel zu sehr auf Endkunden fokussiert, Judith Williams vornehmlich in der Beauty-Branche zu Hause, Dagmar Wöhrl mit ihren Bereichen Politik, Hotels und Gastro ebenfalls suboptimal und Nico Rossberg mit seinem Nachhaltigkeitsgedanken zwar passend, aber er biete kaum Verbindungen in die Firmenwelt.

Hamburger Gründer: Konzerne sollen von Taag Solutions profitieren

Denn gerade Konzerne seien es, die von dem Gedanken hinter Taag Solutions profitieren könnten, finden die Norddeutschen und wollen sich auf das Firmengeschäft konzentrieren: „Warum sollte man Tausende Papiervisitenkarten kaufen, wenn diese am Ende eh im Müll landen?“ Weltweit würden jährlich zehn Milliarden Visitenkarten gedruckt, doch die Daten wie E-Mail-Adressen müssten immer noch zum Abspeichern in den eigenen Kontaktdaten abgetippt werden. „Das ist völlig unnötig. Die Kontaktdaten ändern sich mit der Zeit, und es werden Unmengen an Papier verschwendet“, argumentiert Berkay Cankiran.

Der Hamburger, der in den Anfängen der Firma ebenfalls noch kurz vor dem Abi auf dem Gymnasium Klosterschule stand, ist in dem Unternehmen fürs Erfinden zuständig. Bereits als Zwölfjähriger verbrachte er Stunden damit, sich das Programmieren selber beizubringen. Dabei hilft YouTube ihm besser als jede Theorie: Nach kurzer Zeit an der Hochschule hat Cankiran gerade das Studium der Informationswissenschaften aufgegeben, „es ist nicht gerade praxisnah“.

MyTaag: Kontaktdaten per digitaler Visitenkarte

Seine Idee, welche die beiden Gründer nun auch großen Firmen schmackhaft machen wollen: MyTaag – eine digitale Form der Visitenkarte, mit der man Kontaktinformationen innerhalb von Sekunden teilen kann. „Dafür geht man einfach auf unsere Website Mytaag.com, bestellt sich seine eigene Taag-Card, und nach Erhalt der Karte muss man mit seinem Handy nur den QR-Code scannen und kann auf der Einrichtungsseite alle gewünschten Kontaktdaten hinterlegen“, erklärt Davis Zöllner.

„Das Besondere daran ist, dass man auch seine Social-Media-Pofile verlinken und die Kontaktinformationen jederzeit selbst bearbeiten kann.“ Wenn man nun sein Handy mit der Karte an das Smartphone des Gegenübers hält, erfolgt unmittelbar die Datenübertragung. Sofort kann das Gegenüber die Informationen wie Name, Telefonnummer oder Adresse in der Kontaktliste seines Handys abspeichern.

Teenager bezogen Büro im Herzen von Hamburg

Die Infos werden dabei mithilfe von NFC (= Near Field Communication) übertragen. Der internationale Standard dient zum kontaktlosen Austausch von Daten und kommt etwa auch beim Bezahlen per Handy an der Supermarktkasse zum Einsatz oder bei Hoteltüren, die mit Karten geöffnet werden.

Das erste Gespräch des Abendblatts mit den Tüftlern fand vor einem Jahr noch provisorisch in einem Café statt. Jetzt empfangen die Teenager im eigenen Büro im 11. Stock – und hier lässt es sich augenscheinlich gut aushalten. Der Blick aus dem Hochhaus ist atemberaubend: Gleich beide Hamburger Wahrzeichen, der Michel und die Elbphilharmonie, scheinen dem Kallmorgen Tower zu Füßen zu liegen, die Dächer der Altstadt bilden die Kulisse für dieses Bild, das von dem fernen Tuten der Containerschiffe im Hafen unterlegt wird.

„Ich gehe nur mal zum Duschen nach Hause“

14 Stunden täglich, sieben Tage in der Woche verbringen die Unternehmer mit dieser Aussicht, „und das ist wirklich inspirierend“, sagt Davis Zöllner, der praktisch ins Büro eingezogen ist. „Ich gehe nur mal zum Duschen nach Hause“, sagt er lachend, sonst wohnt er noch bei seinen Eltern in Schwarzenbek. Auch ans Studieren denkt der Gründer noch nicht, sondern will sich erst einmal voll auf das Unternehmertum konzen­trieren, denn die jungen Männer verdienen nicht nur mit Taag Solutions, sondern auch mit anderen Technologie­lösungen Geld.

Die in der Show eingenommenen 50.000 Euro haben sie in die „Verbesserung der Taags, in neue Packungen und in den Vertrieb investiert“, sagt Zöllner. Dabei war es für den damaligen Gymnasiasten noch Anfang dieses Jahres alles andere als selbstverständlich, sich nun im eigenen Betrieb engagieren zu dürfen. Er musste monatelang vor Gericht darum kämpfen, dass er als 17-Jähriger bereits geschäftsfähig ist. „Ich hatte dadurch viele schlaflose Nächte, doch ich konnte mich durchsetzen“, sagt Zöllner, der in der Firma der Kommunikator ist.

Haspa und Star Car bereits Kunden

Der quirlige Brillenträger kümmert sich ums Marketing und den Vertrieb. Mit Erfolg: Zu den Firmen, die Taag Solutions bereits als Kunden gewinnen konnten, gehören die Autovermietung Star Car und die Haspa. Mit dem Immobilienunternehmen Engel & Völkers, das die beiden in der Sendung als Interessent genannt haben, sind die Gründer „noch in der Planung, weil das Projekt nach einem erfolgreichen Testlauf langfristig im größeren Stil ausgerollt werden soll“, sagt Zöllner.

Neben den Firmen sind es auch Privatleute, an die sich das Start-up wendet. Über den Shop auf Mytaag.com können Endkunden eine Taag-Karte oder als zweiten Übertragungsweg einen Taag-Sticker für rund 14 Euro bestellen. Die Produkte, die für Firmen je nach Bestellmenge wesentlich günstiger sind, werden in Italien produziert.

Höhle der Löwen: Taag Solutions kooperiert mit Amazon

Bisher haben die Unternehmer mit inzwischen fünf Mitarbeitern rund 5000 Taags verkauft. Sie nennen weitere ehrgeizige Ziele, zumal Investor Maschmeyer ihrer Firma gerade eine Partnerschaft mit Amazon organisiert hat: „Ende 2021 wollen wir unbedingt die 50.000 User geknackt haben“, sagt Zöllner. Und in fünf Jahren werde Taag Solutions weiter gewachsen sein, zum „eindeutigen europäischen Marktführer für digitale Visitenkarten im Firmenkundengeschäft“.

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