Kreis Pinneberg

Herber Schlag für Wedel: 100 Beschäftigte entlassen

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Oliver Schade
Thomas Bernhard, Vorstandschef der Haag-Streit-Gruppe.

Thomas Bernhard, Vorstandschef der Haag-Streit-Gruppe.

Foto: Haag-Streit

Unternehmen bei Hamburg macht seit Jahren Verluste. Betrieb muss schließen. Nun gibt es Verhandlungen mit dem Betriebsrat.

Hamburg. Schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Wedel vor den Toren Hamburgs. Der Schweizer Medizintechnik-Konzern Haag-Streit wird nach Informationen des Abendblatts bis Ende 2023 sein Tochterunternehmen Haag-Streit Surgical schließen.

Dadurch werden im Laufe des kommenden Jahres hundert Arbeitsplätze am Standort Wedel gestrichen. Für rund 50 weitere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollen alternative Beschäftigungsmöglichkeiten in der Firmengruppe mit insgesamt 21 Firmen gefunden werden. Ob dies gelingt, ist allerdings offen. Man werde den Betroffenen alternative Angebote unterbreiten, hieß es.

Haag-Streit: Weltweiter Marktführer für Spaltlampen

Haag-Streit stellt medizinische Spezialgeräte her und ist gemessen am Umsatz unter anderem weltweiter Marktführer für Spaltlampen, die Fachärzte für Augenuntersuchungen benötigen. Bei Haag-Streit Surgical in Wedel werden konkret Mikroskope für Operationssäle produziert und vertrieben.

Allerdings ist diese Tochtergesellschaft nach Angaben von Thomas Bernhard, Vorstandschef der Haag-Streit-Gruppe, seit Jahren defizitär. „Die Corona-Pandemie hat uns einen weiteren Schlag versetzt. Der Umsatz ist nochmals um 30 Prozent gesunken“, sagte Bernhard im Gespräch mit dem Abendblatt. „Auch wenn es mich persönlich sehr traurig stimmt, können wir Haag-Streit Surgecial nicht weiterbetreiben.“

Beschäftigte in Wedel wurden informiert

Am Mittwochvormittag gab es zunächst erste Gespräche zu der Entscheidung zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat in Wedel. Danach wurden die betroffenen Beschäftigten vor Ort und mit Blick auf die Pandemie zum Teil über Videochat informiert. Vorstandschef Bernhard war persönlich nach Wedel gekommen.

Künftig wollen sich die Schweizer auf die Augenheilkunde fokussieren. Der Geschäftsbereich von Mikroskopen, die bei Operationen an der Wirbelsäule, Eingriffen in der plastischen Chirurgie und Zahn-Operationen zum Einsatz kommen, wird dagegen zurückgefahren – mit den aufgezeigten Folgen für den Standort Wedel.

50 Arbeitsplätze in Wedel bleiben

„Wir setzen nun alles daran, um die Schließung der Haag-Streit Surgecial für unsere Mitarbeiter sozialverträglich zu gestalten“, so Bernhard. Was dies im Detail bedeutet, dazu äußerte sich der Vorstandsvorsitzende nicht.

Es müssten zunächst die Gespräche mit dem Betriebsrat abgewartet werden. Sicher ist: In Wedel werden in zwei weiteren Tochtergesellschaften zumindest 50 Arbeitsplätze erhalten. Diese Beschäftigten vertreiben und entwickeln unter anderem optische Winkelmessgeräte.

Haag-Streit gehört zum Konzern Metall Zug

Die Haag-Streit Gruppe mit Hauptsitz in Köniz (Kanton Bern) hat weltweit knapp 1000 Beschäftigte, die im Jahr 2019 einen Umsatz von rund 210 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet 193 Millionen Euro) erwirtschafteten. Im Corona-Jahr 2020 fielen die Erlöse dann um 19 Prozent auf 169,8 Millionen Franken.

Zudem wies die Gruppe im vergangenen Jahr ein negatives Betriebsergebnis (Ebit) von minus 4,4 Millionen Franken aus. Haag-Streit gehört zum börsennotierten Schweizer Konzern Metall Zug. Dieser erwirtschaftete 2020 einen Umsatz von rund 826 Millionen Schweizer Franken und hatte Ende des vergangenen Jahres gut 3000 Beschäftigte.

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