Flughafen Hamburg

Wie Drohnen am Airport zukünftig gejagt werden sollen

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Die Drohnenjäger vom Flughafen Hamburg

Die Drohnenjäger vom Flughafen Hamburg

Mit dem Projekt "Falke" sollen private Drohnen, die illegal in den Luftraum des Airports eindringen, abgefangen werden.

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Die kleinen Fluggeräte sorgen immer wieder für Sperrungen des Luftraums. Das Vorzeigeprojekt Falke soll dies nun verhindern.

Hamburg.  Der Feind ist entdeckt: Das Falke-System hat eine Drohne registriert, die in den Luftraum des Hamburger Flughafens eingedrungen ist. Doch das ist in einer Schutzzone von 1,5 Kilometern verboten. Auf den Befehl des Computers startet der Abfangjäger, die sogenannte Counter-UAV – ein ebenso unbemanntes Fluggerät. Das System lotst den Jäger in die Nähe des Eindringlings. Die automatisierte Verfolgungsjagd beginnt, erst aus größerer Entfernung, dann aus kurzer Distanz.

Die mit Kamera, Radar und Funkpeiler ausgestattete Counter-UAV erfasst mit ihren Sensoren das Zielobjekt. Sie streamt hochauflösende Fotos aus der Luft in den Kontrollraum. „Jetzt beginnt der Dogfight, also ,Luftkampf’“, sagt Versuchsleiter Ralf Heynicke. Unter den Blicken eines Mitarbeiters der Bundespolizei, die die letzte Entscheidung hat, erfolgt der Abschuss. Mit Wucht und weiß-grauem Dampf schießt ein Netz aus der Counter-UAV in Richtung des Eindringlings. Die Drohne zappelt im Netz und hängt senkrecht unter ihrem Jäger.

Flughafen Hamburg: Feldversuch von Falke-Projekt

Diese Szenen sind in Videos zu sehen, die die Partner des Falke-Projekts zur Verfügung gestellt haben. Der Projektname steht für „Fähigkeit des Abfangens von in gesperrte Lufträume eindringenden Kleinfluggeräten durch zivile Einsatzmittel“. Am Dienstag und Mittwoch fanden zwei Tage lang am Helmut-Schmidt-Flughafen Feldversuche statt.

Am gestrigen Donnerstag wurden Medienvertreter zu einer Demonstration auf den Airport eingeladen – aber das Wetter spielte nicht mit. Es waren böige Winde mit mehr als 60 Kilometer pro Stunde (km/h) vorhergesagt. Daher legte die Deutsche Flugsicherung (DFS) ihr Veto ein. Da die Versuche während des laufenden Flugbetriebs stattfinden, gab es verschiedene Parameter, die eingehalten werden müssen. Einer davon war eine Windgeschwindigkeit von maximal 28 km/h.

Drohnen werden immer beliebter

Drohnen erfreuen sich bei vielen Menschen großer Beliebtheit. Ihre Zahl nimmt ständig zu. Für den Flugverkehr stellen sie allerdings eine Gefahr dar. Die DFS sichtete seit 2015 bundesweit mehr als 500-mal Drohnen in der Nähe von Flughäfen. Dann wird der Luftverkehr aus Sicherheitsgründen unterbrochen. In London-Gatwick sorgte Ende 2018 eine immer wieder auftauchende und verschwindende Drohne tagelang für Verwirrung.

Etwa 1000 Flüge wurden gestrichen, rund 140.000 Passagiere waren betroffen. In Deutschland gab es laut Bundespolizei von 2018 bis zum März dieses Jahres 27 Fälle, in denen Drohnen unbefugt in den Luftraum von Flughäfen eingedrungen sind und so den Flugverkehr ganz oder teilweise lahmlegten. Zum einen bergen sie die Gefahr eines terroristischen Anschlags. Zum anderen können die kleinen unbemannten Fluggeräte zu Beschädigungen von startenden und landenden Fliegern führen, wenn es zur Kollision kommt.

Ein kompliziertes Zusammenspiel

Die Sperrung des Luftraumes dauere schnell eine Stunde, sagt Ralf Häschke, der bei der DFS für den Luftraum zuständig ist: „Der Prozess, den wir hier generieren, führt dazu, dass wir innerhalb von zehn oder 15 Minuten den Flugverkehr wieder anlaufen lassen können. Das ist natürlich ein gravierender Unterschied, gerade auch wirtschaftlich.“ Denn für die Fluglinien und Airports entstehen durch die Verzögerungen höhere Kosten, die Passagiere verlieren viel Zeit.

In dieser Woche wurde nun das Zusammenspiel der unterschiedlichen Systeme aller acht beteiligten Partner geprobt. Dazu gehören neben Flughafen, Bundespolizei und DFS die Firmen Lufthansa, Frequentis Comsoft, Hensoldt Avionics und Hensoldt Sensors – sowie die Helmut-Schmidt-Universität (HSU). „Der Feldversuch hat gezeigt, dass wir hierbei auf einem guten Weg zur Entwicklung eines marktreifen Produkts sind“, sagte Professor Gerd Scholl, der an der HSU Elektrische Messtechnik lehrt und das Konsortium leitet. Möglichst schon im nächsten Jahr soll die Technik einsatzbereit sein.

Unterstützung vom Bund

Der Bund unterstützt das Projekt mit 2,1 Millionen Euro. Ziel des Förderprojekts ist laut Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU): „Die Technik soll künftig bundesweit als Blaupause zur Abwehr von Drohnen an Flughäfen eingesetzt werden.“ Wo zuerst, sei eine politische Frage und liege nicht in seinem Entscheidungsbereich, so Scholl.

Das Ziel sei, die Drohne innerhalb von einer Minute nach dem Erkennen im Netz zappeln zu sehen. An den Testtagen in Fuhlsbüttel lief allerdings noch nicht alles reibungslos. „Es gab ein gutes Dutzend Abfangversuche, von denen mehr als die Hälfte geklappt hat“, sagt Scholl. Er wirkt dabei zufrieden, weil erstmals die komplexe Abstimmung der Partner unter realen Bedingungen stattgefunden habe.

Die Vorzüge der Künstlichen Intelligenz

Der Einsatz der Technik inklusive Künstlicher Intelligenz biete dabei Vorzüge gegenüber dem Menschen, sagt Versuchsleiter Heynicke, der wie Scholl an der HSU arbeitet: „Mit der Künstlichen Intelligenz ersetzen wir – platt gesagt – den Piloten.“ Die Augen und Sinne der Piloten würden verbessert, weil die Sensoren hochauflösend und direkt vor Ort seien. Die Künstliche Intelligenz analysiert das Flugverhalten des Eindringlings, berechnet eigene Flugbewegungen voraus und macht letztlich auch den Abschuss.

Das Ziel wird erfasst, markiert und nach kurzer Zeit – wenn der Bundespolizist nicht eingreift – der Auslöser betätigt. Die Drohne hänge dann sicher und heil im Netz und könne an einem vorgegebenen Ort abgelegt werden. Das sei der große Vorteil des Systems, sagt Heynicke: „Sie können alle Beweise sichern, und die Landebahn ist nicht verschmutzt.“ Direkt nach der Ablage sei die Counter-UAV, die bis zu acht Kilogramm trägt, wieder startklar. Sie verfügt über einen zweiten Schuss und sei rund um die Uhr einsatzbereit.

Flughafen Hamburg: Drohne fliegt mit 120 km/h

Zu heftiger Wind sei generell übrigens kein Hindernis. Die Drohne fliege auch bei 60 km/h stabil und man sei gegnerischen Drohnen definitiv überlegen, heißt es. Im Einsatzfall sei der andere aktive Flugverkehr ja ohnehin eingestellt, sagt DFS-Mann Häschke: „Dann kann die Drohne mit 120 km/h los- und einmal quer übers Feld fliegen. Das ist der Unterschied zum Live-Test.“

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