Hamburger Unternehmen

Wenn das eigene Kind der Held im Buch wird

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Volker Mester
Senta Sieper (l.) und Jennifer Jones von Framily mit einigen ihrer Kinderbücher. 2021 wollen sie die Marke von einer Million verkaufter Bücher knacken. Auch im Ausland ist das Unternehmen aktiv.

Senta Sieper (l.) und Jennifer Jones von Framily mit einigen ihrer Kinderbücher. 2021 wollen sie die Marke von einer Million verkaufter Bücher knacken. Auch im Ausland ist das Unternehmen aktiv.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Der Verlag Framily ist mit seiner Geschäftsidee in der Pandemie erfolgreich. Der Umsatz hat um 48 Prozent zugelegt. Über die Unikate.

Hamburg. Bibi & Tina vom Martinshof, Disneys Eiskönigin sowie die mutigen Hunde der PAW Patrol gehören zu den beliebtesten Helden von Kindern im Vorschulalter. In den Vorlesebüchern des Hamburger Verlages Framily können Drei- bis Sechsjährige sogar Abenteuer gemeinsam mit diesen Figuren bestehen. Denn das Unternehmen hat sich auf personalisierte Kinderbücher spezialisiert.

„Man kann bis zu 40 verschiedene Details angeben, die dann in der Geschichte auftauchen – den Wohnort, in welche Klasse das Kind geht, was es gern zum Frühstück isst“, erklärt Jennifer Jones­, Geschäftsführerin von Framily. Zudem ist vorgesehen, eigene Fotos hochzuladen, die dann auf der Titelseite oder im Buch vorkommen.

Hamburger Unternehmen setzen auf Individualisierung

Seit einigen Jahren gilt die Individualisierung von Produkten als Marketing-Megatrend. Müslis lassen sich ebenso nach eigenen Wünschen zusammenstellen wie das Design von Sportschuhen, Beiersdorf bietet Nivea-Dosen mit dem Bild des Kunden auf dem Deckel an.

Im Jahr 2020 erreichte Framily ein Wachstum von nicht weniger als 48 Prozent, wobei die Corona-Pandemie nach Einschätzung von Jones mithalf: „Der erste Lockdown traf mit dem Beginn des Ostergeschäfts zusammen. Die Menschen waren mehr zu Hause – und in der Pandemie haben Onlinebestellungen ganz allgemein stark zugenommen.“ Hinzu kam, dass Framily 2020 in den beiden Auslandsmärkten Frankreich und Italien startete.

Bei Framily geht es um ein Unikat

Während konventionelle Verlage danach streben, größere Auflagen zu möglichst geringen Kosten zu produzieren, geht es bei Framily immer um ein Unikat. Gedruckt werden die Bücher in Deutschland. Schließlich kommt es auch auf das Tempo an: Zwischen der Bestellung und dem Versand sollen höchstens fünf bis sieben Werktage liegen. Die meisten der Bücher kosten 34,99 Euro.

„Ob das hochpreisig ist oder nicht, ist eine Sache der Auffassung“, sagt Senta Sieper, die das operative Geschäft von Framily leitet: „Jedes Buch ist ein Einzelstück, außerdem steht es ja etliche Jahre im Regal und wird meist immer wieder gelesen.“ Die Firma mit heute knapp 30 Beschäftigten hat ihre Wurzeln im Hamburger Kinderbuchverlag Oetinger, seit Anfang 2018 agiert sie aber gesellschaftsrechtlich getrennt davon.

Hamburger Verlag ist Marktführer

Zwar ist Framily – der Name ist eine Kombination von „Friends and Family“ (Freunde und Familie) – nicht der einzige Anbieter personalisierter Kinderbücher, es gibt etwa eine Handvoll Wettbewerber. Die Hamburger sehen sich aber als Marktführer. Außerdem verfüge man mit den mehr als 25 Lizenzen über ein echtes Alleinstellungsmerkmal, sagt Jones­. Der Umsatz, der im mittleren bis oberen einstelligen Millionenbereich liege, dürfte nach ihrer Einschätzung in diesem Jahr um einen „deutlich zweistelligen“ Prozentsatz zunehmen, zudem werde man 2021 die Marke von einer Million verkaufter Bücher knacken.

Inzwischen ist Framily in neun europäischen Staaten vertreten, nachdem zuletzt der Markteintritt in Polen und den drei skandinavischen Ländern erfolgte. „In Skandinavien hat die Familie extrem große Bedeutung, gleichzeitig ist man dort sehr aufgeschlossen für Online-Shopping“, sagt Sieper. „Diese Kombination – die ähnlich auch für Polen gilt – ist für uns interessant. Wie gut die neuen Märkte tatsächlich funktionieren, sehen wir dann im Weihnachtsgeschäft.“

Immer wieder neue Ideen

Jedenfalls gingen dem Team die Ideen nicht aus, versichert Jones: „Durch neue technische Entwicklungen zum Beispiel auf dem Gebiet der Bilderkennung ergeben sich auch für uns neue Möglichkeiten.“ So könne man zum Beispiel künftig Fotos hochladen, die dann automatisch in Zeichnungen für das Buch umgesetzt werden: „Das Buch wird dann ‚noch mehr meins‘ sein.“

Es könnten aber auch digitale Angebote hinzukommen. „Ich bin zwar überzeugt davon, dass ein Produkt zum Anfassen gerade in einer Welt voller Reize durch elektronische Medien auch künftig eine wichtige Rolle spielen wird“, sagt Sieper. „Aber es gibt außerhalb Deutschlands Märkte, auf denen das gedruckte Buch keinen so großen Stellenwert hat.“

Hamburger Unternehmen wächst weiter

Auch mittelfristig soll das Wachstum jedenfalls weitergehen: „Wir haben das Team innerhalb von drei Jahren verdreifacht, vielleicht schaffen wir das in den nächsten fünf Jahren auch wieder“, sagt Sieper. „Unsere Zielgruppe wächst, denn die Geburtenraten steigen“, ergänzt Jones. Ihr Fernziel lautet: „Wir würden gerne mit mindestens einem Buch in jedem Kinderzimmer Europas vertreten sein.“

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