Marktreport

Wohnen: Wo die Mieten 2021 besonders stark steigen

| Lesedauer: 3 Minuten
Tobias Kisling
Tausende demonstrieren in Berlin gegen steigende Mieten

Tausende demonstrieren in Berlin gegen steigende Mieten

In Berlin sind mehrere tausend Menschen mit der Forderung nach bezahlbaren Mieten auf die Straße gegangen. Die Demonstration stand unter dem Motto "Wohnen für alle".

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Sowohl die Miet- als auch die Eigentumspreise sind 2021 laut eines Marktreports gestiegen. Es gibt aber eine überraschende Trendumkehr.

Berlin. Trotz Corona-Pandemie wird Wohnen in Deutschland immer teurer. Im ersten Halbjahr des aktuellen Jahres zogen sowohl Mieten als auch Kaufpreise an. Das geht aus dem diesjährigen Wohnpreisspiegel des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) hervor, der unserer Redaktion exklusiv vorliegt.

Waren drastische Mietsteigerungen in den vergangenen Jahren oft ein Problem der Metropolen, kehrt sich in diesem Jahr der Trend um.

Wohnen: In den Kleinstädten ziehen die Mieten kräftig an

Vor allem in den Kleinstädten mit bis zu 20.000 Einwohnern wird es teuer: Hier stiegen die Mietpreise im Bestand um 5,1 Prozent – und damit um zwei Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Auch in mittelgroßen Städten mit bis zu 100.000 Einwohnern müssen Mieterinnen und Mieter tiefer in die Tasche greifen, dort steht ein sattes Plus von 4,1 Prozent zu Buche. Von einer „Mietpreisexplosion“ will IVD-Präsident Jürgen Schick angesichts dieser Zahlen aber noch nicht sprechen. „Wenn die Miete im ländlichen Raum bei rund fünf Euro pro Quadratmeter liegt, ist der Anstieg eher zu verkraften als in München, wo der Quadratmeter 15,50 Euro kostet“, sagte Schick unserer Redaktion.

Mieten zwischen 2,20 Euro und 15,50 Euro pro Quadratmeter

Die Unterschiede sind zwischen den 400 untersuchten Städten und Gemeinden gravierend: Während in München die Miete für eine durchschnittliche Wohnung 15,50 Euro pro Quadratmeter im Bestand kostet, sind es im thüringischen Schlotheim nur 2,20 Euro.

Bundesweit stiegen die Mieten mit 2,7 Prozent weniger stark als im Vorjahreszeitraum, als die Rate noch 2,8 Prozent betragen hatte. Diese Entwicklung geht vor allem auf die Großstädte zurück, wo sich die Dynamik abschwächte. Mit 2,5 Prozent teureren Mieten im Bestand sank die Teuerungsrate um 0,4 Prozentpunkte. „Das Wohnen entspannt sich. Überall dort, wo gebaut wird, findet Entlastung auf dem Mietwohnungsmarkt statt“, sagte Schick.

In den Metropolen ziehen die Preise wieder an

Angespannt bleibt die Situation in den Metropolen. Erstmals wurden die Mieten aus Berlin in der IVD-Erhebung aufgrund des zwischenzeitlich geltenden Berliner Mietendeckels nicht miteinbezogen.

In Hamburg, Köln, München, Stuttgart, Düsseldorf und Frankfurt am Main stiegen die Mietpreise im Bestand mit 2,1 Prozent stärker als im Vorjahr, als der Anstieg noch 1,4 Prozent betrug.

Wohneigentum wird deutlich teurer

Die Corona-Pandemie hat zudem offenbar dazu geführt, dass die Preise für Wohneigentum drastisch gestiegen sind. Bundesweit zogen die Kaufpreise um neun Prozent an, der Quadratmeter kostet im Schnitt mittlerweile bereits 2550 Euro.

Gefragt sind vor allem die Metropolen, wo die Preise um zehn Prozent kletterten. In den Kleinstädten sind bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern Preissteigerungen von sechs bis neun Prozent zu verzeichnen.

Einfamilienhäuser kosten rund 450.000 im bundesweiten Durchschnitt

Beliebt ist vor allem das Reihenhaus, hier zogen die Preise um 8,4 Prozent an. Im bundesweiten Durchschnitt kostet ein Reihenhaus im Bestand nun rund 358.000 Euro. Ein Einfamilienhaus kostet derzeit im Schnitt rund 450.000 Euro, 7,6 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

IVD-Präsident Schick forderte eine bessere politische Förderung, um Wohneigentum wieder bezahlbar zu machen. Konkret schlug er einen Freibetrag bei der Grunderwerbssteuer, ein Bürgschaftsprogramm der staatlichen Förderbank KfW sowie ein an Klimakomponenten gekoppeltes Baukindergeld vor.

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