Krankenkasse

Hamburger sind deutlich gesünder – dank Homeoffice

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Den "gelben Schein" brauchten Hamburger im ersten Halbjahr 2021 viel seltener als im Jahr davor (Symbolbild).

Den "gelben Schein" brauchten Hamburger im ersten Halbjahr 2021 viel seltener als im Jahr davor (Symbolbild).

Foto: Jens Büttner / dpa

Die Erkältungssaison sei "nahezu komplett ausgefallen", so die DAK. Dafür gab es einen starken Anstieg in anderen Bereichen.

Hamburg. Der Krankenstand in Hamburg ist auf ein Rekordtief gefallen. Im ersten Halbjahr 2021 sank er im Vergleich zum Vorjahr auf 3,4 Prozent und lag damit noch unter dem Bundesdurchschnitt von 3,7 Prozent. Das geht aus der aktuellen Krankenstands-Analyse der DAK-Gesundheit für Hamburg hervor, die dem Abendblatt exklusiv vorliegt. Die Gründe für die Krankmeldungen haben sich allerdings massiv verschoben.

Während die Kasse einen massiven Rückgang von Atemwegserkrankungen von 69 Prozent registrierte, stiegen die krankheitsbedingten Ausfälle aufgrund psychischer Leiden um 8 Prozent an. Laut Studie der DAK-Gesundheit hatten die Beschäftigten im ersten Halbjahr 2021 insgesamt zehn Prozent weniger Fehltage als im Vorjahreszeitraum. Die Anzahl der Fehltage ist mit 38 pro 100 Beschäftigte in der Hansestadt so gering wie seit vier Jahren nicht mehr.

Krankenkasse: Erkältungssaison ausgefallen – dank Homeoffice

„Die Erkältungssaison ist nahezu komplett ausgefallen“, sagt Katrin Schmieder, Leiterin der DAK-Landesvertretung Hamburg. Während im ersten Halbjahr 2020 Bronchitis und Co. gemeinsam mit Rückenleiden noch die zweithäufigste Ursache für Krankmeldungen waren, rangieren diese nicht einmal mehr unten den Top-3 Krankheiten, die zu Arbeitsunfähigkeit führen.

„Wir sehen, dass Homeoffice und verstärkte Hygienemaßnahmen sich positiv auf den Krankenstand ausgewirkt haben, sagt Schmieder, „sie schützen nicht nur vor Corona. Auch gewöhnliche Erkältungserreger werden seltener übertragen.“

Viele Krankmeldungen aus Krankenhäusern: "Entlastung dringend notwendig"

Besonders deutlich ist der Rückgang der Fehlzeiten denn auch bei Berufsgruppen, die verstärkt im Homeoffice arbeiten. In den Bereichen Unternehmensführung und -organisation ging der Krankenstand um 31 Prozent zurück. In Bereichen mit viel zwischenmenschlichen Kontakten wie in der Altenpflege dagegen nur um 3 Prozent.

In den Krankenhäusern gab es dagegen ein Plus bei den Fehltagen. Klinikpersonal hatte im ersten Halbjahr 2021 allein wegen Depressionen und anderer psychischer Leiden pro Kopf durchschnittlich fast zwei Fehltage (im ersten Halbjahr 2020 waren es 1,7 Tage). „Die Krankenpflege gehört zu den Branchen mit den höchsten Krankenständen“, sagt Schmieder. „Hier ist dringend eine wirksame Entlastung der Beschäftigten notwendig.“

Fast ein Drittel der Krankmeldungen wegen psychischer Leiden

Beinahe die Hälfte aller Fehltage lässt sich auf zwei Krankheitsarten zurückführen: An erster Stelle stehen psychische Erkrankungen, die fast jeden dritten Fehltag verursachten. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 verzeichneten sie einen Anstieg von acht Prozent.

Muskel-Skelett-Probleme nehmen mit einem Anteil von 22,2 Prozent am Krankheitsgeschehen den zweiten Platz ein. Mit 135 Fehltagen je 100 Versicherte liegen sie klar über dem Niveau des Vorjahreszeitraums (121 Tage/100-Versicherte).

Belastung durch die Pandemie zeigt sich besonders in einem Bereich

Ein durchschnittlicher psychischer Krankheitsfall dauerte in der Hansestadt unter Corona-Bedingungen 47,9 Tage, also fast sieben Wochen. Dieser Wert liegt nicht nur deutlich über dem aktuellen Bundesdurchschnitt (39,6 Tage), sondern übersteigt auch den hamburgischen Vorjahreswert von 44 Tagen.

„Die Pandemie stellt eine Belastung dar, die an kaum jemandem spurlos vorüber geht“, sagt Schmieder. „Gerade für Menschen mit einer psychischen Erkrankung kann dies eine enorme Herausforderung bedeuten. Was uns als Folge aus den Lockdown-Zeiten noch bevorsteht, können wir heute nur schwer abschätzen.“

Die DAK fordert für chronisch psychisch Erkrankte besondere Versorgungsformen von der Politik. „Strukturierte Behandlungsprogramme für Menschen mit Depressionen sind in Vorbereitung. Wir brauchen sie so schnell wie möglich,“ sagt Schmieder.

( axö )

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