Hamburg

Tanja Chawla ist neue DGB-Vorsitzende – und wird kämpferisch

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Tanja Chawla (l.) ist Nachfolgerin der langjährigen Hamburger DGB-Vorsitzenden Katja Karger.

Tanja Chawla (l.) ist Nachfolgerin der langjährigen Hamburger DGB-Vorsitzenden Katja Karger.

Foto: privat/HA/Andreas Laible/Zusammenstellung: HA

Verdi-Gewerkschaftssekretärin wird mit großer Mehrheit ins Amt gewählt. Ihre Vorgängerin bedankt sich mit Tränen in den Augen.

Hamburg. Führungswechsel beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) Hamburg: Verdi-Gewerkschaftssekretärin Tanja Chawla ist neue DGB-Vorsitzende in der Hansestadt. Eine Delegiertenkonferenz machte die 46-Jährige am Mittwoch mit großer Mehrheit zur Nachfolgerin von Katja Karger. Bei einer Enthaltung und einer ungültigen Stimme votierten 36 Delegierte für Chawla. Das entspricht einer Zustimmung von knapp 95 Prozent.

Chawla ist seit 2016 Gewerkschaftssekretärin und unter anderem zuständig für die Tarifverhandlungen in der Sicherheitsbranche. Sie war die einzige Kandidatin und zuvor von den acht DGB-Gewerkschaften einstimmig nominiert worden.

DGB-Vorsitzende Karger wechselt von Hamburg nach Berlin

Karger – seit acht Jahren Vorsitzende des DGB Hamburg – stellte sich nicht mehr zur Wahl. Die 52-Jährige will stattdessen im Januar 2022 bei der Wahl für den Vorsitz des DGB-Bezirks Berlin-Brandenburg antreten. Bis zum 27. November bleibt Karger allerdings noch Geschäftsführerin des DGB Hamburg. Diese Funktion geht erst bei der Bezirkskonferenz des DGB Nord an Chawla über.

Sie wolle für soziale Gerechtigkeit kämpfen, sagte Chawla in ihrer Antrittsrede. Das bedeute zuallererst „eine klare Kante gegen rechts, gegen Rechtspopulismus, gegen Nationalismus, gegen Antisemitismus und gegen Rassismus“. Es bedeute aber auch, sich Hamburg leisten zu können, Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit.

„Soziale Herkunft darf auch nicht mehr entscheidend sein für die Zukunft“, betonte Chawla. Entsprechend müsse die Bildungspolitik ausgerichtet werden. „Natürlich brauchen wir auch gute Arbeit.“ Das bedeute aber auch sichere Renten, Teilhabe, Mitbestimmung und Tarifverträge. „Wir sind viele und wir sind stark. Diese Power müssen wir weiterhin nutzen“, betonte Chawla.

Tschentscher spricht über Homeoffice in Hamburg

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sagte in seinem Grußwort, der DGB sei eine wichtige Ansprech-Station für den Senat. „Dazu gehört auch, dass wir uns sehr regelmäßig mit den Vorsitzenden der Hamburger Gewerkschaften unter der Federführung des DGB zusammensetzen.“ An Karger gewandt sagte er, er bedanke sich im Namen des gesamten Senats sehr herzlich für die Arbeit der vergangenen Jahre.

Themen gebe es auch in Zukunft genug, sagte Tschentscher. So habe die Corona-Pandemie beispielsweise die Digitalisierung und damit auch die Auswirkungen auf die Beschäftigten etwa durch mobiles Arbeiten erheblich beschleunigt. „Wir haben wirklich noch dicke Bretter vor uns“, betonte der Regierungschef. Als Erfolg verbuchte er den Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde in allen städtischen Unternehmen Hamburgs. Ziel sei, dass ein Mindestlohn von zwölf Euro in ganz Deutschland gelte.

Karger: Mehr Hamburgerin geworden als erwartet

Karger bedankte sich mit Tränen in den Augen bei den Delegierten und Gewerkschaftskolleginnen und -kollegen. Es sei ein großes Geschenk, wie sich die Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften und dem DGB entwickelt habe. „Das ist wirklich ganz toll und das werde ich in meinem Herzen immer mitnehmen.“ Die Hansestadt werde sie vermissen, denn sie sei „irgendwie doch mehr Hamburgerin geworden als ich mir das so vorgestellt habe“.

Die Linken-Fraktionsvorsitzende Cansu Özdemir nannte Chawlas Wahl eine gute Entscheidung. „Wir kennen Tanja aus unseren eigenen Tarifverhandlungen als ausgesprochen engagierte Verhandlungspartnerin.“ Diese Talente werde sie sicher auch in ihrer neuen Funktion für alle Hamburger Beschäftigten einsetzen.

( dpa )

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