Hamburg

Steigt die Bremer Universität beim HWWI ein?

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Martin Kopp
Noch ist die Handelskammer alleiniger Gesellschafter des Forschungsinstituts HWWI. Das soll sich bald ändern.

Noch ist die Handelskammer alleiniger Gesellschafter des Forschungsinstituts HWWI. Das soll sich bald ändern.

Foto: Andreas Laible / Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Hamburger WeltWirtschaftsInstitut sucht Partner und einen neuen Leiter. Dafür muss die Handelskammer die Unabhängigkeit garantieren.

Hamburg. Seit 2016 ist das Hamburgische Wirtschaftsforschungsinstitut HWWI ein Anhängsel der Handelskammer. Damals hatte sich die Universität Hamburg aus dem Forschungshaus zurückgezogen und der Kammer das Feld überlassen. Als Begründung wurden unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte genannt. Während das HWWI eher auf anwenderorientierte Auftragsforschung setze, habe sich die Universität aufgrund knapper Mittel ganz der ökonomischen Grundlagenforschung verschrieben. Seit dem Rückzug der Uni sucht die Handelskammer als alleiniger Eigentümer nach dem richtigen Weg zur langfristigen Absicherung des einst so renommierten Instituts und hat dabei nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen.

Das wurde erneut im Sommer deutlich, als der angesehene Direktor Henning Vöpel Knall auf Fall seinen Posten aufgab. Er habe ein tolles Jobangebot aus Berlin erhalten, lautete die offizielle Begründung. Aus dem HWWI-Umfeld heißt es aber, Vöpel habe sich in seiner Unabhängigkeit als Forscher stark eingeschränkt gefühlt. So sei es vorgekommen, dass führende Vertreter der Kammer zum Telefonhörer griffen und Tadel an HWWI-Beschäftigte verteilten.

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HWWI-Chef: "Wir wollen eine Doppelspitze bilden"

Der derzeitige Leiter des Instituts, der ehemalige Chefvolkswirt der Handelskammer, Dirck Süß, weist diesen Vorwurf zurück. „In den zehn Jahren, in denen ich seitens der Handelskammer mit dem HWWI zusammengearbeitet habe, habe ich es kein einziges Mal erlebt, dass dem Institut vonseiten der Kammer inhaltliche Vorgaben gemacht worden sind“, sagt er im Gespräch mit dem Abendblatt. Das Institut solle auch künftig inhaltlich unabhängig von der Kammer arbeiten, sonst hätte man ja auch eine Forschungsabteilung in der Handelskammer gründen können.

Aber schon der Wechsel von Süß in die HWWI-Führung, der vom Vöpels plötzlichen Abgang überrascht worden war, hatte für Unruhe in dem Forschungsinstitut gesorgt. Wobei Süß keinen Zweifel daran lässt, dass die Handelskammer die Lücke, die Vöpels Weggang gerissen hat, wieder füllen will. „Wir wollen eine Doppelspitze bilden, mit einer Wissenschaftlerin oder einem Wissenschaftler, die oder der für die Forschung zuständig ist und die Ergebnisse nach außen vertritt, und mir, als Leiter der Organisation“, sagt Süß. Und um die Unabhängigkeit des Hauses zu betonen, fügt er hinzu: „Ich werde zum Jahresende auch formell ans Institut wechseln und bin für die Handelskammer nur noch beratend tätig.“

Auch die Gründung einer Stiftung ist denkbar

Die Kammer suche dazu einen Wissenschaftler, der das Promotionsrecht hat, also die Doktorwürde verleihen darf. Das sind in der Regel Universitätsprofessoren. Der oder die Gesuchte solle aber nicht das alleinige öffentliche Gesicht des HWWI werden, sagt Süß. „Wir wünschen, dass sich nicht alles auf diese eine neue Person konzentriert, sondern die einzelnen Forscherinnen und Forscher ihre Projektergebnisse selbst nach außen vertreten.“

Doch wann soll eine Nachfolge für Vöpel geregelt werden? Wahrscheinlich erst, wenn die künftige Eigentümerstruktur des HWWI steht; nach Wunsch von Süß noch in diesem Jahr. „Unser Ziel ist es, das Institut auf breitere Beine zu stellen, um es zu stärken und daraus Nutzen für die Forschungsarbeit und die norddeutsche Wirtschaft zu ziehen“, sagt er. Gespräche über weitere Partner liefen bereits. Als Form der Partnerschaft seien langjährige Kooperationsverträge möglich, die das HWWI mit regelmäßigen Zuwendungen stützten, aber auch der Einstieg von Institutionen als Gesellschafter. Auch die Gründung einer Stiftung oder die Umwandlung in einen Verein sei denkbar.

Gespräche mit der Universität Bremen

Dabei rückt als Unterstützer der Hamburger Forschungseinrichtung ausgerechnet eine Bremer Institution in den Blick. „Wir sind derzeit unter anderem mit der Universität Bremen im Gespräch über eine Zusammenarbeit“, sagt Geschäftsführer Süß. Unterstützt werde das vom Verein der Förderer und Freunde des HWWI in Bremen, dem die Handelskammer Bremen angehört. Auch weitere niedersächsische Kammern wie die in Oldenburg und in Stade gehörten dem Förderverein an.

Die Gefahr einer Abwanderung nach Bremen verneint Süß. „Der Hauptsitz des HWWI, das im Moment 15 Mitarbeiter zählt, wird auch künftig in Hamburg sein.“ Insgesamt solle das Institut aber noch norddeutscher werden. „Unsere Kunden kommen überwiegend aus der Region. Deshalb wollen wir die Forschungs- und Beratungsarbeit des HWWI künftig noch mehr auf regionale Schwerpunkte in Norddeutschland ausrichten“, sagt Süß. Das heiße aber nicht, dass man sich europäischen Forschungsvorhaben verschließen wolle. „Aber sie sollten nach Möglichkeit einen regionalen Bezug haben wie etwa Offshore-Windparks oder die wirtschaftlichen Entwicklung der Küstenregionen. Und als neues Themenfeld wollen wir uns mit dem Trendscouting befassen“, so Süß.

Das HWWI schreibt inzwischen eine schwarze Null

Die Erwartungen, dass es mit einer neuen Partnerschaft klappt, sind hoch. 2018 hatte es bereits Versuche der Handelskammer gegeben, die Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaft (HAW) als Partner für das HWWI zu gewinnen. Damals hatten noch die so genannten Rebellen das Sagen in der Kammer. Nach der inhaltlichen Neuausrichtung unter Präses Norbert Aust wurden diese Pläne dann begraben.

Finanziell wäre eine Beteiligung am HWWI wohl kein großer Gewinn, aber auch kein Risiko. Das HWWI ist nach mehreren verlustreichen Jahren durch die Arbeit von Vöpel gesundet, der mehrere lukrative Forschungsaufträge einwarb und die Kosten deutlich senkte. Das HWWI schreibt inzwischen eine schwarze Null. Dazu tragen zwölf mehrjährige EU-Projekte bei, an denen das HWWI arbeitet, sowie etwa ein halbes Dutzend weiterer Forschungsaufträge. Süß: „Wir haben gut zu tun.“

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