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Bei Airbus rücken Warnstreiks gegen den Konzernumbau näher

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Bei Airbus in Hamburg drohen Warnstreiks: IG-Metall-Bezirksleiter Daniel Friedrich (Archivfoto) zeigte sich am Dienstagabend enttäuscht nach den Gesprächen mit dem Management des Flugzeugbauers.

Bei Airbus in Hamburg drohen Warnstreiks: IG-Metall-Bezirksleiter Daniel Friedrich (Archivfoto) zeigte sich am Dienstagabend enttäuscht nach den Gesprächen mit dem Management des Flugzeugbauers.

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

4000 Mitarbeiter in Hamburg sind vom geplanten Umbau betroffen. Die IG Metall sieht keinen Sinn in weiteren Verhandlungen.

Hamburg. Normalerweise werden im Auslieferungscenter von Airbus auf Finkenwerder in Hamburg neue Flugzeuge an Kunden übergeben. Ein eher freudiges Ereignis. Am Dienstag dürfte die Stimmung wohl nicht so gut gewesen sein. Viereinhalb Stunden verhandelte das Management von Airbus und der Tochter Premium Aerotec Group (PAG) dort mit der Arbeitnehmerseite. Das Thema: der geplante Konzernumbau. Und das Fazit des Verhandlungsführers der Arbeitnehmer war: „Es war ernüchternd“, sagte Daniel Friedrich dem Abendblatt.

Man sei nur in Trippelschritten vorangekommen, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste nach der zweiten Gesprächsrunde. „Einer Lösung sind wir keinen Schritt nähergekommen“, sagte Friedrich: „So machen weitere Verhandlungen zunächst keinen Sinn.“ Die Fronten scheinen verhärtet, ein neuer Termin für Gespräche wurde nicht festgelegt.

Airbus will Fertigung in Hamburg umbauen – Streiks steht bevor

Die Lage beim Flugzeugbauer ist komplex. Im April hatte Vorstandschef Guillaume Faury einen weitreichenden Konzernumbau angekündigt. Die Flugzeugstruktur werde nun – auch angesichts des für 2035 geplanten, mit „grünem“ Wasserstoff angetriebenen, emissionsfreien Flugzeugs, das deutlich anders aussehen könnte als heutige Flieger – wieder als Kernaktivität angesehen. Daher soll die Fertigung der wichtigen Rumpfteile von der einst ausgelagerten Tochter PAG zurück in den Konzern geholt werden. Allerdings soll für den Bereich in Deutschland mit Beginn des nächsten Jahres eine neue Aerostructure-Tochter gegründet werden.

In diese sollen neben den PAG-Beschäftigten auch Mitarbeiter der Airbus Operations GmbH wechseln. Neben dem kompletten Werk Stade mit 2000 Beschäftigten wäre von dem Schritt auch das Werk auf Finkenwerder massiv betroffen. Zunächst sollte nur die Strukturmontage in die neue Aerostructure-Einheit aufgenommen werden. In ihr werden die Rumpfschalen zu Rumpfsektionen zusammengebaut. Mitte Mai wurden die Pläne auch auf die Ausrüstungsmontage erweitert. Dabei werden Elektro­kabel, Hydraulik- und Klimarohre in den Rümpfen verlegt.

4000 Airbus-Beschäftigte in Hamburg betroffen

Die Zahl der betroffenen Hamburger Beschäftigten stieg damit um mehr als das Doppelte auf 4000 Menschen. Bundesweit sollen rund 9500 Beschäftigte in die neue Einheit wechseln. Zudem ist in Deutschland die Gründung einer zweiten Tochter geplant, in der das PAG-Werk Varel sowie Teile des PAG-Werkes in Augsburg mit rund 3500 Beschäftigten eingehen. Sie soll sich auf die Fertigung von Kleinkomponenten und Einzelteilen konzentrieren.

Grundsätzlich könne man diese Umstrukturierung mittragen, sagte Friedrich. Aber man müsse schnell zu einer Lösung kommen, denn schon in vier Monaten soll das neue Unternehmen an den Start gehen. Doch Friedrich monierte, dass es von der Geschäftsführung erneut keine konkreten Zusagen gegeben habe. So sei zwar generell klar, dass das neue Aerostructure-Unternehmen auch tarifgebunden sein solle. Konkrete Zusagen wie eine Einkommensgarantie oder einen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis zu einem bestimmten Jahr blieben aber ebenso aus wie eine Sicherung von Arbeitspaketen für die einzelnen Standorte.

Insbesondere beim Bau eines A320-Nachfolgers, befürchten Betriebsrat und IG Metall, könnten wichtige Produktionsschritte verlagert werden. Für den Verkaufsschlager A320 ist Hamburg das wichtigste Werk im Airbus-Verbund, mehr als jeder zweite Flieger stammt aus Finkenwerder.

IG Metall zu Airbus-Umbau: „Warnstreiks sind möglich“

„Wir werden jetzt in unseren Gremien, in unserer Tarifkommission und mit unseren Mitgliedern den Sachstand bewerten“, sagte Friedrich. Das solle bis spätestens Anfang nächster Woche geschehen. Dann sehe man, wie es weitergehe. Die Gewerkschaft hatte in dem Konflikt einen Sozialtarifvertrag gefordert, mit dem wirtschaftliche Härten für die Beschäftigten abgefedert werden.

Es gebe zwischen neuen Gesprächen und einem Abbruch der Verhandlungen auch noch eine Ebene dazwischen, bei der man im Betrieb noch einmal für die Themen Druck mache. „Es sind Warnstreiks in so einer Situation möglich. Das ist jetzt die Debatte, die wir führen werden“, sagte Friedrich: „Klar ist, wir brauchen eine Lösung.“ Das Unternehmen wolle in der neuen Struktur arbeiten, die Arbeitnehmervertreter wollen Sicherheit für die Beschäftigten.

Airbus will auf Vorschläge von IG Metall eingehen

Airbus bewertete die Gespräche am Dienstag offenbar etwas anders. Die Verhandlungen mit den Sozialpartnern zur industriellen Neuaufstellung von Airbus seien in einer sachlichen Atmosphäre verlaufen, teilte ein Sprecher am Abend mit. „Airbus hat Vorschläge zu Beschäftigungssicherung und -bedingungen an den deutschen Standorten unterbreitet. Diese werden in einem nächsten Schritt in zusammengefasster Form an die Sozialpartner übergeben“, sagte der Sprecher. In dieser Zusammenfassung werde man auch auf die Vorschläge der Arbeitnehmervertreter eingehen, so der Sprecher: „Auf dieser Basis wollen wir unseren konstruktiven Dialog fortsetzen.“

Nach Börsenschluss vermeldete Airbus übrigens, dass im August 40 Flugzeuge an 25 Kunden ausgeliefert wurden. Von Januar bis August dieses Jahres wurden damit insgesamt 384 Maschinen an 70 Fluglinien und Finanzierungsgesellschaften übergeben. Am Jahresende sollen es 600 Flieger sein.

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