Commerzbank

Größte Filiale Deutschlands öffnet in Hamburg

| Lesedauer: 5 Minuten
Martin Kopp
Martin Wolfrat (l., Art Invest) und Christian Hassel (Commerzbank) vor der Filiale am Jungfernstieg

Martin Wolfrat (l., Art Invest) und Christian Hassel (Commerzbank) vor der Filiale am Jungfernstieg

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Mit zwei Jahren Verspätung geht die Vorzeigefiliale der Commerzbank wieder an den Start. Das Filialnetz wird aber ausgedünnt.

Hamburg. Als die Dresdner Bank vor 120 Jahren einen Bau am Jungfernstieg errichten ließ, wurde sie in Bankenkreisen verlacht: „Zu weit weg von der Börse“, hieß es damals. Heute wird die Commerzbank, die die Dresdner Bank 2009 übernahm, um die Top-Adresse beneidet. Fünf Jahre war das vom Hamburger Architekten Martin Haller 1899 errichtete Palais neben dem Alsterhaus für eine umfangreiche Restaurierung geschlossen. Entstanden ist eine repräsentative Flaggschiff-Filiale der Großbank. Am Dienstag wird sie für den Kundenverkehr wiedergeöffnet.

Schon das Entree macht etwas her. Der Eingang ist jetzt in der Mitte des Gebäudes ebenerdig zugänglich. Rechts sind die Selbstbedienungsterminals. Hohe Fenster geben den Blick auf die Alsterfontäne frei. Ein paar Stufen hinauf gelangt man in die lichte, denkmalgeschützte Kundenhalle, die von Säulen aus gelbem Stuckmarmor umsäumt ist. Dort befinden sich die Kundenschalter – eingefasst durch Leuchtdioden im Commerzbank-Gelb. Links und rechts davon liegen kleine Glasbaubüros für Beratungsgespräche.

Commerzbank legt weiter Wert auf persönlichen Kontakt

„Die Wiedereröffnung beweist, dass wir neben dem Ausbau digitaler Lösungen weiterhin großen Wert auf persönliche Kundenkontakte und erstklassige Beratung legen“, sagte Christian Hassel, Commerzbank-Bereichsvorstand Privat- und Unternehmerkunden, als er am Freitag einigen Gästen das Haus schon einmal zeigte. Die Investition in die Flag­ship-Filiale, die die größte in Deutschland ist, sei ein klares Bekenntnis zur Hansestadt Hamburg.

Das Bekenntnis zum Standort ist Hassel wichtig, denn zuletzt hat die Commerzbank eher mit gegenteiligen Nachrichten von sich reden gemacht. Im Zuge des allgemeinen Sparprogramms der Bank – infolgedessen jede vierte der bundesweit 40.000 Vollzeitstellen wegfallen sollen – stehen in Hamburg elf der zuletzt 27 Bankfilialen vor der Schließung. „Es bleibt bei der Schließung der Filialen. Die ersten werden bis zum Ende dieses Jahres und die anderen im kommenden Jahr geschlossen.“

Hassel begründet diesen Schritt damit, dass das klassische Servicegeschäft wie Überweisungen und Kontoführung ins Internet abgewandert sei. Die Beratungen mit direktem Kontakt werde es aber weiter geben. „Gerade bei wichtigen Finanzthemen wie der Baufinanzierung und der Vermögensanlage sind die persönlichen Gespräche weiter gefragt“, sagt Hassel. Viele davon würden nun am Jungfernstieg stattfinden.

Aufzüge führen die Besuchergruppe in den ersten Stock. Dicker flauschiger Teppichboden, edle Möbel und eine Galerie, von der aus man auf die Schalterhalle hinabblicken kann. Hier finden sich weitere Beratungszimmer – wohl für die etwas teureren Geschäfte. Dazu gehört ein Mahagoni-getäfelter Konferenzraum mit Blick zur Alster, ein Kamin, darüber ein Fliesenmosaik, dass die ehemalige Hausherrin hinterlassen hat: Es zeigt eine historische Stadtansicht Dresdens.

Aufwendiger Umbau für die Commerzbank

„Das mussten wir alles abbauen und die Wände neu machen“, sagt Wolf Ulrich Berthier vom Projektentwickler und Immobilieninvestor Art Invest Real Estate. Das Unternehmen hat nicht nur den Umbau gemanagt, sondern ist auch Eigentümer des Gebäudes, das eigentlich eher ein ganzes Gebäudeensemble umfasst. Neben dem Haller-Haus wurde auch die dahinterliegenden Flügel und der Gebäudeteil in den Großen Bleichen 3 saniert sowie das benachbarte Gebäude Jungfernstieg 4. Einst betrieb Kempinski dort ein Hotel, heute ist im Erdgeschoss eine Filiale der Parfümeriekette Douglas – direkt auf den etwa ein Meter dicken Betonböden, unter denen früher der Tresorraum der Bank lag.

Insgesamt umfasst das Gebäudeensemble mit dem Namen „Alsterfoyer“ 6863 Quadratmeter Mietfläche, verbunden über zwei Innenhöfe. In weiten Teilen wurde der Urzustand wieder hergestellt, so beim denkmalgeschützten Vestibül des Haller-Hauses mit seinen Wandmalereien, der Schalterhalle und den Fassaden. Die Haustechnik ist aber völlig neu. So erklärt sich, dass der Umbau, dessen Pläne Mitte 2016 vorgestellt wurden, insgesamt fünf Jahre gedauert hat – anstatt ursprünglich geplanter drei.

Lesen Sie auch:

Einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag hat der Umbau gekostet. „Durch das Gesamtensemble Alsterfoyer hoffen wir, dem Jungfernstieg eine neue Attraktivität zu verleihen und dadurch die Hamburger Innenstadt und den Einzelhandel dauerhaft stärken zu können“, sagte Martin Wolfrat, Hamburg-Geschäftsführer von Art Invest Real Estate beim Rundgang. Er freue sich, dass man „die einzigartigen historischen“ Räume nun wieder übergeben könne.

200 Mitarbeiter der Bank würden hier ihren Arbeitsplatz haben, ergänzte der Hamburger Niederlassungsleiter Jakob Hauptmann. Von hier aus würden 110.000 Kunden betreut, davon 52.000 Unternehmerkunden, 46.000 Privatkunden und rund 12.000 Kunden in der Vermögensverwaltung.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft