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Airbus steigt in DAX auf – und wird Schwergewicht

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Volker Mester
Schwertransporter der Airbus-Flotte: eine Beluga XL auf dem Finkenwerder Werksflughafen.

Schwertransporter der Airbus-Flotte: eine Beluga XL auf dem Finkenwerder Werksflughafen.

Foto: Michael Rauhe

Der Flugzeugbauer wird in obersten deutschen Aktienindex aufrücken. Beiersdorf hat ebenfalls gute Chancen.

Hamburg. Der Flugzeugbauer Airbus dürfte international einer der bekanntesten Industriekonzerne Europas sein. Doch trotz seiner Vergangenheit als deutsch-französische Partnerschaft spielt das Unternehmen heute an der deutschen Börse nur in der zweiten Liga – im MDAX der mittelgroßen Firmen.

Anfang September aber steigt Airbus in den Deutschen Aktienindex (DAX) auf. Das kann als sicher gelten, seit die Deutsche Börse im November vorigen Jahres ihren Beschluss bekannt gab, den Standardwerte-Index von 30 auf 40 Titel zu erweitern und die Auswahlkriterien zu ändern.

Airbus dürfte fünftgrößter Titel im DAX werden

Dabei muss sich Airbus künftig keineswegs am unteren DAX-Rand einsortieren. Mit einer Marktkapitalisierung von gut 87 Milliarden Euro wäre das Unternehmen derzeit der fünftgrößte Titel im Leitindex hinter SAP, Linde, Volkswagen und Siemens, die alle auf Börsenwerte im dreistelligen Milliardenbereich kommen.

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Damit stellt sich die Frage, warum ein so wertvoller Konzern wie Airbus nicht schon längst dem DAX angehört. Die Antwort findet sich in den veränderten Aufnahmekriterien: Bisher spielt außer der Marktkapitalisierung auch das Aktienhandelsvolumen in Deutschland eine Rolle. Dieses Kriterium aber entfällt mit der bevorstehenden Index-Neuordnung.

Indexexperte spricht von einer „Lex Airbus“

„Damit kann die Airbus-Aktie, die hauptsächlich an der Pariser Börse gehandelt wird, in den DAX aufsteigen“, sagt Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ Bank und ausgewiesener Index-Experte. Er spricht sogar von einer „Lex Airbus“: Der besondere Fall des Flugzeugbauers habe wesentlich zu der Änderung der Auswahlbedingungen beigetragen. Der DAX könne sich nun „internationaler darstellen“, so Kahler.

Neben Airbus gelten die Medizintechnikfirma Siemens Healthineers aus Erlangen, der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius aus Göttingen, der Berliner Mode-Onlinehändler
Zalando und die Holdinggesellschaft Porsche als relativ sichere Kandidaten für den DAX-Aufstieg.

Beiersdorf muss um Rückkehr in DAX zittern

Spannend wird es jedoch für den Hamburger Nivea-Hersteller Beiersdorf. Der Kosmetikkonzern, bis zum Abstieg im März der einzige DAX-Konzern aus der Hansestadt, hatte sich zunächst große Hoffnungen gemacht, bereits ab September wegen der Erweiterung des Börsenbarometers auf 40 Titel wieder in der ersten Aktienliga mitzuspielen. Zwar stehen die Chancen, das zu schaffen, gemessen an der aktuellen Marktkapitalisierung nicht schlecht.

Aber die Entscheidung über die neue DAX-Zusammensetzung fällt erst am 3. September nach US-Börsenschluss auf Basis des durchschnittlichen Börsenwerts im August. Zu den anderen aussichtsreichen Kandidaten gehören der Duft- und Geschmacksstoffanbieter Symrise aus Holzminden, Hannover Rück, Carl Zeiss Meditec aus Jena und der Sportartikelkonzern Puma.

Früher löste Indexauf- und -abstieg starke Kursreaktionen aus

In früheren Jahren konnte die Entscheidung über einen Indexauf- oder -abstieg eine deutliche Kursreaktion der betreffenden Aktie zur Folge haben. Denn wenn ein Börsentitel etwa in den DAX aufrückte, wurde das Papier von internationalen Investoren stärker beachtet. Zudem muss die Aktie dann von den Anbietern der Fonds, die den DAX exakt nachbilden, gekauft werden.

Heute allerdings sei dieser „Indexeffekt“ auf die Kurse nicht mehr so groß, sagt Kahler: „Aufgrund transparenterer Kriterien hat das Überraschungsmoment abgenommen, Investoren können sich sehr viel besser im Vorfeld ausrechnen, wer aufsteigt“, erklärt der Experte. Damit müssen Profianleger nicht mehr um jeden Preis kaufen, nachdem die Nachfrage schon abrupt zugenommen hat. Umgekehrt könnten Aktien heute leichter gegen plötzliche Kursverluste abgesichert werden, so Kahler.

Der MDAX wird an Bedeutung verlieren

Er wertet die DAX-Ausweitung als einen Schritt in die richtige Richtung: „Gemessen an der Anzahl der Aktien im Index ist der DAX zurzeit einer der kleinsten Indizes weltweit.“ So sind zum Beispiel im britischen Leitindex FTSE immerhin 100 Titel enthalten.

Dafür wird der MDAX, der von bisher 60 auf 50 Werte schrumpft, durch den Aufstieg der zehn bedeutendsten Aktien in den DAX deutlich an Marktkapitalisierung und damit an Bedeutung verlieren. Im Gegenzug werde der MDAX seinem Ruf als Index der mittelgroßen Werte künftig wieder mehr gerecht, findet Kahler. Denn Titel wie Airbus, Beiersdorf, oder Siemens Healthineers entsprächen dieser Bezeichnung ja längst nicht mehr.

About You ist auch ein Kandidat für den MDAX

Mit der Neuordnung werde der DAX-40 aber in Zukunft „besser gemischt“ sein, urteilt Kahler. Der bisher mit Abstand dominierende Autosektor werde an Gewicht einbüßen. Dafür gewinne der Sektor Gesundheit und Medizintechnik an Bedeutung – und damit genau die Aktien, die im Zuge der Corona-Pandemie ohnehin schon das Interesse der Anleger auf sich gezogen haben.

Abgesehen von Beiersdorf gibt es noch ein weiteres Hamburger Unternehmen, das sich Hoffnungen machen kann, innerhalb der nächsten Wochen gute Nachrichten im Zusammenhang mit einer Index-Entscheidung verkünden zu dürfen: Nach dem Börsendebüt Mitte Juni hat der Hamburger Zalando-Wettbewerber About You sehr gute Chancen, in den HASPAX für Werte aus der Metropolregion Hamburg einzurücken. Die Entscheidung darüber steht am 1. September an. Sollte About You in den Index aufgenommen werden, würde dieser voraussichtlich nicht von derzeit 22 auf 23 Titel erweitert, hieß es von der Börse Hamburg.

Bijou Brigitte könnte aus HASPAX absteigen

Damit müsste ein bisheriges HASPAX-Mitglied weichen. Nach aktuellem Stand könnte das der Modeschmuckanbieter Bijou Brigitte sein. Doch auch in die Indizes der Deutschen Börse dürfte About You, eine Tochter des Versandhandelskonzerns Otto, bald einziehen. Die Marktkapitalisierung von 4,3 Milliarden Euro würde locker für den MDAX reichen.

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