Cyberwährung

Digitaler Euro: Die wichtigsten Fragen für Verbraucher

| Lesedauer: 4 Minuten
Alexander Klay und Hannes Koch
Videografik: So funktioniert der Bitcoin

Videografik- So funktioniert der Bitcoin

Als weltweit erstes Land führt El Salvador den Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel ein. Im Gegensatz zu traditionellen Währungen hat die Kryptowährung keine Zentralbank und ist von keiner Regierung abhängig. Stattdessen wird der Bitcoin von den Nutzern kontrolliert und reguliert. VIDEOGRAPHIC

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Der Euro wird digital. Schon in wenigen Jahren könnte es soweit sein. Was heißt das konkret für Verbraucherinnen und Verbraucher?

Berlin. Neben dem normalen Euro könnte es bald eine digitale Variante geben. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine 24-monatige Untersuchungsphase für eine solche Digitalwährung beschlossen. Dabei geht es um Technologie und Datenschutz bei der Alternative zu privatem Cybergeld wie Bitcoin, Ethereum und Co.

„Mit unserer Arbeit wollen wir sicherstellen, dass Bürger und Unternehmen auch im digitalen Zeitalter Zugang zur sichersten Form des Geldes, dem Zentralbankgeld haben“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Kommt jetzt das Ende des Bargelds? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was hat die EZB beschlossen?

Die EZB will wichtige Aspekte für die Einführung einer europäischen Digitalwährung untersuchen. Damit werden die Arbeiten an einem digitalen Euro erstmals konkret. Bereits seit vergangenem Herbst konnten sich Bürgerinnen und Bürger sowie Fachleute aus Wissenschaft und Finanzsektor zu dem Vorhaben äußern. Nach einer anschließenden dreijährigen Entwicklungsphase könnte der Digital-Euro 2026 an den Start gehen. Über die Einführung werde jedoch zu einem späteren Zeitpunkt entschieden, hieß es.

Was ist der digitale Euro?

Ein digitaler Euro wäre eine Ergänzung der heutigen Währung Euro, herausgegeben von der staatlichen EZB. Alle Bürgerinnen und Bürger sollen ihn benutzen können. Er wird relativ wertstabil und sicher sein, wie Banknoten und Münzen.

Der digitale Euro kommt direkt von der Zentralbank, er ist nicht das Produkt von Geldschöpfung privater Banken wie etwa ein Kredit. Die EZB garantiert den digitalen Euro. Guthaben sind nicht betroffen, wenn Privatbanken pleitegehen. Mehr zum Thema: Coinbase-Börsengang macht Bitcoin und Co. salonfähig

Warum macht die EZB das?

Seit dem Start der ersten privaten Digitalwährung Bitcoin im Jahr 2008 sind viele Nachahmer entstanden. Mittlerweile arbeitet auch der US-Konzern Facebook an privatem Geld, dem Diem. Die chinesische Regierung lässt eine digitale Version des Yuan entwickeln. Die Bahamas haben ihren digitalen Sand Dollar bereits in Umlauf gebracht.

Damit Europa nicht auf ausländisches Cybergeld angewiesen ist, muss die EZB eine eigene Version vorbereiten. Es geht um ökonomische und politische Selbstbestimmung. Weiterlesen: Warum Kryptowährungen wie der Bitcoin Klimakiller sind

Was ändert sich für Verbraucherinnen und Verbraucher?

Die EZB will sich vorerst nahezu alle Möglichkeiten offenlassen. Denkbar ist, dass Privatleute ihr Geld direkt auf einem Konto bei der EZB hinterlegen, statt wie bisher bei einer Geschäftsbank. Dies könnte Zahlungen beim Einkauf im Internet erheblich beschleunigen – womöglich bräuchte es dafür keine Dienstleister wie Kreditkartenunternehmen oder Paypal und Co. mehr, die von Gebühren für die Zahlungsabwicklung leben.

Dies hätte gravierende Folgen für den Finanzsektor. Daher halten es Expertinnen und Experten für wahrscheinlicher, dass Banken ihrer Kundschaft ein Digital-Euro-Konto zur Verfügung stellen. Anfangs dürfte es beim Bezahlen mit Digital-Euro kaum spürbare Unterschiede geben, da es für Privatkunden meist egal ist, ob das Geld nach Sekunden oder in Sekundenbruchteilen beim Empfänger ankommt.

Was ändert sich für Firmen?

Die Wirtschaft sehnt sich einen digitalen Euro herbei. Das zeigt eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom: 78 Prozent der befragten Unternehmen ab 50 Beschäftigten hoffen auf eine nahtlose Abwicklung von Zahlungen. Unklar ist, ob der Wunsch nach einem programmierbaren digitalen Euro in Erfüllung geht: Dann ließen sich auch Zweck, Zeitpunkt und Bedingungen von Transfers festlegen.

Wird das Bargeld abgeschafft?

Die klare Ansage von EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta lautet: „In jedem Fall würde ein digitaler Euro das Bargeld nur ergänzen und nicht ersetzen.“ Die Entwicklung hängt allerdings auch davon ab, wie viele Bürgerinnen und Bürger das traditionelle Bargeld weiter nutzen. Eine Rolle dürfte spielen, dass digitales Geld meist weniger anonym ist als Münzen und Scheine.

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