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Auch Jugendkonten kosten jetzt Gebühren: der große Vergleich

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Steffen Preißler
Das kostenlose Girokonto bis zum 30. Geburtstag könnte bald ein Auslaufmodell sein. (Symbolbild)

Das kostenlose Girokonto bis zum 30. Geburtstag könnte bald ein Auslaufmodell sein. (Symbolbild)

Foto: dpa

Immer mehr Banken knöpfen auch dem Kunden-Nachwuchs Geld ab. Abendblatt untersucht 17 Schülerkonten. Wo es die besten Konditionen gibt.

Hamburg. In den letzten Jahren sind Girokonten für Erwachsene immer teurer geworden. So sind die Bankgebühren seit 2015 um rund 34 Prozent gestiegen, während die Verbraucherpreise nur um rund sechs Prozent anzogen, wie Daten des Statistischen Bundesamtes belegen. Und wie sieht es bei den Jugendkonten aus? Bisher wurden die Kunden von morgen von Gebühren verschont.

Doch ein großer Vergleich des Abendblatts zeigt, das kostenlose Girokonto bis zum 30. Geburtstag könnte bald ein Auslaufmodell sein. Die ersten Geldinstitute verschonen ihre jungen Kunden nicht mehr komplett von Gebühren. „Die Girokonten werden überall teurer, das bekommen auch Jugendliche zu spüren“, sagt Kerstin Föller von der Verbraucherzen­trale Hamburg.

Dennoch führt an einem Jugendkonto kein Weg vorbei. Spätestens mit Beginn der Ausbildung oder eines Studiums wird ein eigenes Girokonto benötigt. Denn die Ausbildungsvergütung oder das BAföG werden überwiesen. „Es ist sinnvoll, wenn der Umgang mit einem Konto schon vorher geübt wurde“, sagt Föller.

Auch Jugendkonten kosten jetzt Gebühren

Bei der Hamburger Volksbank kostet das Start-Konto mit der Volljährigkeit 2 Euro im Monat. Bis zum Februar 2020 war es noch kostenlos. Inzwischen sind die Gebühren erst auf 1 Euro und seit Februar 2021 auf 2 Euro gestiegen. Die jungen Kunden der Sparda Bank Hamburg müssen wie die Erwachsenen 10 Euro im Jahr für die Girocard bezahlen. Die Hamburger Sparkasse (Haspa) bietet zwar wie auch die Sparkasse Holstein noch ein kostenloses Konto für Jugendliche und Studenten an, präferiert aber ihre kostenpflichtigen Joker-Konten intro (2,50 Euro im Monat) oder unicus (3,50 Euro im Monat). „Die Konten bieten dafür zusätzlich umfangreiche Mehrwertleistungen wie Rabatte für Shopping- und Freizeitangebote und eine Handyversicherung“, sagt Haspa-Sprecherin Stefanie von Carlsburg.

„Schüler, Auszubildende oder Studenten, die ein kostenloses Girokonto wählen können, entscheiden sich mehrheitlich für die Joker-Variante“, so von Carlsburg. Auch die Sparkasse Holstein setzt auf sogenannte Mehrwertkonten, die mehr bieten als reine Finanzverwaltung. So wurden im November 2020 auch die Jugendkonten neu gemischt. Bei der Sparkasse Harburg-Buxtehude müssen 25- bis 29-Jährige, sofern sie noch in der Ausbildung sind, die Hälfte der Kontopauschale entrichten, was rund 5 Euro im Monat sind.

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„Für Banken und Sparkassen liegt der erfolgskritische Punkt bei jungen Erwachsenen im Übergang von rabattierten Konten in die reguläre Kontenwelt“, sagt Oliver Mihm, Chef der Beratungsfirma Investors Marketing dem Abendblatt. Werde der junge Kunde hier von einem Tag auf den anderen von einem kostenlosen in ein bepreistes Kontenmodell umgestellt, bestehe eine hohe Gefahr den Kunden an den Wettbewerb zu verlieren. „Staffelpreismodelle zielen genau darauf ab, beim Kunden schrittweise eine Preisakzeptanz aufzubauen“, sagt der Bankenexperte.

Jugendkonten: Die Analyse der wichtigsten Kriterien

Das Abendblatt hat 17 in Hamburg angebotene Schülerkonten per Fragebogen untersucht. Wie lange gibt es das Konto maximal kostenlos? Wird das Geld noch verzinst? Wie dicht ist das Netz der Geldautomaten? Was kostet später der Dispokredit? Die Analyse der wichtigsten Kriterien.

Lange kostenfrei: Bei diesem Kriterium punkten Deutsche Bank, Haspa, Santander Bank und Targo Bank, denn mindestens bis zum 30. Lebensjahr wird eine kostenlose Kontoführung versprochen. Allerdings muss in regelmäßigen Abständen nachgewiesen werden, dass man noch in der Ausbildung oder Studium ist. Nur die Santander Bank verzichtet darauf. Lange Ausbildungszeiten sind bei der Postbank nicht erwünscht, die Kostenfreiheit endet mit 21 Jahren. Bei der sozial und ökologisch ausgerichteten GLS Bank müssen ab 18-Jährige einen Beitrag von 1 Euro im Monat entrichten, dann bleibt die Kontoführung bis zum 27. Lebensjahr kostenlos.

Früher Start: Gleich mit der Geburt ist sicher noch kein Girokonto erforderlich, so wie das bei der DKB Bank oder der PSD Bank Nord möglich ist. Sieben Jahre sind ein guter Startzeitpunkt, um den Umgang mit Geld zu üben. Dass manche Sparkassen erst mit elf oder zwölf Jahren starten, heißt nicht, dass sie jüngere Kunden vernachlässigen. Für die gibt es andere Kontomodelle, die nicht in der Tabelle mit aufgeführt sind.

Positive Zinsen/Strafzinsen: Die meisten Konten werden nicht mehr verzinst. Bei der Sparda Bank Hamburg gibt es noch 0,05 Prozent Zinsen bis zu einem Guthaben von 1500 Euro, macht maximal 75 Cent im Jahr. Die Hamburger Volksbank spendiert bis 500 Euro drei Prozent Zinsen und bis 1000 Euro 0,10 Prozent, macht maximal 15,50 Euro pro Jahr. Beim Jungs-&-Deerns-Konto der Sparkasse Holstein beträgt der Zinssatz 0,5 Prozent bis 500 Euro, also maximal 2,50 Euro.

Probleme mit Strafzinsen dürften Schüler und Auszubildende eher nicht haben, aber eine Erbschaft kann das auch schnell ändern. Bei der Haspa ist das Jugendkonto vom sogenannten Verwahrentgelt ausgenommen, ebenso bei der Hamburger Volksbank, der Santander Bank, der DKB Bank und der PSD Bank Nord. Bei den anderen untersuchten Geldinstituten gelten für Jugendliche die gleichen Regeln wie für die übrigen Bankkunden.

Geldautomaten: Das dichteste Netz in Hamburg hat die Haspa, gefolgt von den Genossenschaftsbanken und den privaten Geldhäusern wie Commerzbank oder Postbank. „Jugendliche neigen dazu, häufiger kleinere Beträge von ihrem Konto abzuheben“, sagt Föller. Deshalb zahlt sich ein dichtes Geldautomatennetz aus. Denn Abhebungen an fremden Automaten kosten im Schnitt knapp 4 Euro. Ein teurer Spaß, wenn nur 50 Euro gezogen werden. Bis auf die beiden Direktbanken Comdirect und DKB haben alle genannten Geldinstitute Filialen in der Stadt. Gut die Hälfte der Konten ermöglicht auch kostenloses Geldabheben in Euroland. Häufig ist dazu aber eine Kreditkarte erforderlich.

Prepaid-Kreditkarte: Sie zahlt sich bei einem längeren Auslandsaufenthalt der Jugendlichen aus. Es kann nicht mehr Geld ausgegeben werden, als vorher auf die Karte geladen wurde. Technisch bedingte Überziehungen müssen im Zweifel von der Bank getragen werden. Einige Banken haben wohl deshalb dieses Angebot eingestellt. Kostenfreie Angebote für diese Karten unterbreiten Comdirect, Haspa, PSD Bank Nord und Sparkasse Holstein. Rund 40 Prozent der Konten bieten diese Serviceleistung nicht an. Reguläre Kreditkarten ab 18 Jahren sind nur noch bei wenigen Anbietern kostenlos. Das sind DKB Bank, Haspa, HypoVereinsbank, Santander Bank und Targo Bank.

Beleghafte Überweisungen: Viele Geldinstitute ermöglichen Onlinebanking schon ab sieben Jahren, natürlich abhängig von der Zustimmung der Erziehungsberechtigten. Die Haspa hat eine Altersgrenze von zwölf Jahren. Sparda Bank Hamburg, HypoVereinsbank und Targobank ermöglichen Onlinebanking ab 14 Jahren. Die meisten Banken verzichten auf Extragebühren für beleghafte Überweisungen. Aber bei Comdirect, Commerzbank, DKB, HypoVereinsbank, Santander Bank und Sparda Bank Hamburg werden bis zu 4,90 Euro fällig.

Kontoüberziehung: Erst ab 18 Jahren ist das bei vorhandener Bonität möglich. Bei knappen Budgets von Auszubildenden und Studenten ist eine Kontoüberziehung aber wahrscheinlich. Die niedrigsten Dispozinsen von weniger als sieben Prozent haben Comdirect, DKB, PSD Bank Nord, und Sparkasse Holstein, bei der die Kontoüberziehung mit 5,14 Prozent am günstigsten ist, während die Haspa mit über zehn Prozent mit zu den teuren Anbietern zählt.

Fazit: Es gibt kein Jugendkonto das uneingeschränkt empfohlen werden kann. Irgendwas ist immer, wie einige Beispiele zeigen. Entweder, es fallen monatliche Kosten an, wie bei der Haspa, dafür gibt es dann beide Kreditkarten kostenlos oder bei dem kostenlosen Konto der Haspa muss für die reguläre Kreditkarte extra bezahlt werden (29,50 Euro). Die Targo Bank verlangt für die Prepaid- Kreditkarte verschmerzbare 12 Euro im Jahr, aber nur bis zum 18. Lebensjahr, danach beträgt die Jahresgebühr 30 Euro.

Das Konto wird maximal bis zum 30. Lebensjahr kostenlos geführt und die begrenzte Anzahl an Geldautomaten wird mit 21.000 Supermärkten kompensiert, in denen man sich beim Einkauf zusätzlich Bares auszahlen lassen kann. Das Konto kann für Langzeitstudenten durchaus eine Option sein. „Man muss das Konto also danach auswählen, welche Leistungen einem wichtig sind“, sagt Föller.

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