Betriebsräte

Airbus-Mitarbeiter sollen Dienst nach Vorschrift machen

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Laut Airbus-Konzernbetriebsratschef Holger Junge könnte sich der Streit bis Weihnachten  hinziehen.

Laut Airbus-Konzernbetriebsratschef Holger Junge könnte sich der Streit bis Weihnachten hinziehen.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Arbeitnehmervertreter wehren sich gegen Umbaupläne beim Flugzeugbauer und befürchten hohen Kostendruck bei der neuen Tochter.

Hamburg.  Die Arbeitnehmervertreter wollen den von Airbus angekündigten Konzernumbau mit viel Gegenwehr verhindern. „Wir werden betrieblich Druck aufbauen, und zwar an allen Standorten, die betroffen sind“, sagte Konzernbetriebsratschef Holger Junge. Zwar unterliegt die Ausgliederung von Firmenteilen nicht der Mitbestimmung.

Man werde aber alle Möglichkeiten nutzen, um dem Arbeitgeber das Leben zu erschweren. So könnten die Kollegen beispielsweise Dienst nach Vorschrift versehen und keine Mehrarbeit mehr leisten. Zudem werde es viele Aktionen geben. Die Auseinandersetzung werde „wahrscheinlich weit in den Herbst hineingehen und vielleicht auch bis Weihnachten“.

Kanzleramt habe sich eingeschaltet

Hilfe gebe es dabei von dritter Seite. „Wir haben massive Unterstützung von unseren Politikern, sowohl auf Landes- als auch teilweise auf Bundesebene“, sagte Junge. Diese seien empört darüber, dass Airbus in der Corona-Krise sehr viel Gelder aus staatlichen Programmen bekommen habe und nun Ausgründungen vornehmen will, durch die Risiken auf Mitarbeiter sowie Standorte abgewälzt werden.

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Auch das Kanzleramt habe sich eingeschaltet, sagte Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall und als geschäftsführendes Vorstandsmitglied für die Luft- und Raumfahrtindustrie zuständig. Seit jeder funktioniere die Luftfahrt nicht nach marktwirtschaftlichen Bedingungen, sondern durch aktive Industriepolitik. „Es muss eine gemeinsame Abstimmung geben zwischen dem Kanzleramt und dem Elysee-Palast“, sagte Kerner. Arbeitnehmervertreter monieren, dass es eine Ungleichbehandlung zwischen Deutschland und Frankreich durch die Konzernspitze gebe.

Mitarbeitenden sollen laut Management keine Nachteile entstehen

Airbus hatte Ende April die Umstrukturierung angekündigt. So soll die Fertigung von Flugzeugteilen wie Rumpfsektionen, die bisher bei der Tochter Premium Aerotec Group (PAG) erfolgt, zwar wieder näher an den Konzern rücken. Aber sie soll zusammen mit der Struktur- und nun auch der Ausrüstungsmontage in eine neue Tochter ausgelagert werden, die Anfang 2022 an den Start gehen soll. Im Hamburger Werk auf Finkenwerder sollen etwa 4000 Beschäftigte aus der Airbus Operations GmbH in die Aerostructure-Tochter wechseln.

Zwar sollen den Mitarbeitenden laut Management durch den Wechsel keine Nachteile entstehen. Aber die Arbeitnehmervertreter monieren, dass ihnen Garantien dafür fehlen. Auch die Zukunft der neuen Tochterfirma sei keineswegs dauerhaft gesichert. „Es besteht die große Sorge bei den Beschäftigten, dass man sich in der neuen Aerostructure-Einheit um neue Aufträge und Arbeitspakete bewerben muss“, sagte Kerner.

Konkurrenz mit günstigeren Wettbewerbern aus Fernost

So sei es auch bei der PAG stets gewesen. Damit könne man in Konkurrenz mit günstigeren Wettbewerbern zum Beispiel aus Fernost geraten. Als Folge könnten sich die Arbeitsbedingungen im Hochlohnland Deutschland verschlechtern. Zudem könnte China als großer Abnehmer von Jets darauf drängen, künftig mehr Fertigungsschritte im eigenen Land zu machen.

Bisher unterhält Airbus in Tianjin ein Werk, in dem Flugzeuge der A320-Familie endmontiert werden und A330-Langstreckenjets ausgeliefert werden. Auch einen Verkauf der Aerostructure-Einheit halten Gewerkschafter und Betriebsräte für möglich – allerdings dementiert Airbus-Arbeitsdirektor Marco Wagner solche Erwägungen.

( woh )

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