Winterhude

Bei Hamburgs ältestem Uhrmacher gibt es jetzt Mars-Uhren

| Lesedauer: 3 Minuten
Hanna-Lotte Mikuteit
Der Meister, wie er leibt und lebt: Der Hamburger Uhrmacher Georg Kramer mit der Monduhr (l.) und der Mars-Uhr (r.).

Der Meister, wie er leibt und lebt: Der Hamburger Uhrmacher Georg Kramer mit der Monduhr (l.) und der Mars-Uhr (r.).

Foto: Andreas Laible / FUNKE Foto Services

Georg Kramer steht mit 88 immer noch in der Werkstatt. Dort dreht sich aktuell alles um Uhren für Missionen zum Roten Planeten.

Hamburg. Unter Uhrenliebhabern ist der kleine Laden mit der leuchtend gelben Markise weit über die Stadtgrenzen hinaus ein Begriff. Seit fast sechs Jahrzehnten sorgt Georg Kramer in seiner Werkstatt in Winterhude dafür, dass die Zeit nicht stehen bleibt.

Der Uhrmachermeister ist Experte für die Reparatur von besonderen Uhren und wertvollen Sammlerstücken. Firmen wie Rolex schicken ihre Kunden mit älteren Modellen zu ihm. Mit 88 Jahren kommt „Meister Kramer“, wie er fast ehrfürchtig genannt wird, immer noch täglich ins Geschäft.

Hamburger Uhrmacher Georg Kramer von „Marsuhr“ fasziniert

Auch an diesem Vormittag steht er hinter seinen Verkaufsvitrinen. Aber wo sonst Armbanduhren, Wecker, Taschenuhren und exklusive Uhrenarmbänder ausgestellt sind, ist für die nächsten Wochen alles auf ein Uhrenmodell fokussiert: Mars-Uhr nennt Georg Kramer es. Die „Official Cosmonauts Chronograph Amadee-20“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Schweizer Traditionsherstellers Fortis mit dem Österreichischen Weltraumforum, das in Simulationen Technologien für künftige Missionen zum Roten Planeten testet.

Das Besondere der Titanuhr mit mechanischem Antrieb: Mit einem Dreh am Zifferblatt lässt sich die zehnminütige Verzögerung anzeigen, die ein Funksignal vom Mars auf die Erde braucht. „Mich fasziniert diese Uhr“, sagt Georg Kramer. Von der limitierten Serie hat er sich 35 Stück gesichert. Verkaufspreis: 3800 Euro.

Uhren-Werkstatt in Hamburg trotz Corona geöffnet

Von der Mars-Uhr erhoffen Georg Kramer und sein Mitarbeiter Sezgin Yavuz einiges in schwierigen Zeiten. Als Handwerksbetrieb ist die Werkstatt zwar trotz Corona-Lockdown geöffnet. Viele Kunden hätten die Zeit genutzt, um ihre kaputten Schätze reparieren zu lassen, sagt Yavuz, der das tägliche Geschäft managt.

Aber der Verkauf von Uhren, zweites wichtiges Standbein des Geschäftsmodells, habe in den vergangenen Monaten nachgelassen. So liegen auch bei Kramer Sammlerstücke länger im Tresor als normalerweise. Zu Geschäftszahlen schweigen der Meisteruhrmacher und sein Manager, der wohl auch sein Nachfolger werden könnte.

Kramer arbeitete bei Rolex

Klar ist aber, dass Georg Kramer auch weiterhin am Werktisch sitzen will. Viele Tausend Uhrwerke hat er seit Beginn seiner Ausbildung Ende der 1940er-Jahre repariert – von preiswert bis Luxus. Einige Jahre arbeitete er auch bei Rolex in Genf, wo er unter anderem die Uhr des früheren US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower wieder instand setzte. „Mich reizt, dass es immer jedes Mal etwas Neues ist“, sagt der Uhrmacher. Nicht selten hat er neben der Reparatur auch Werkzeuge und Ersatzteile dafür selbst hergestellt.

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Dass der 88-Jährige sich jetzt so für die Mars-Uhr begeistert, hat auch mit Zeitgeschichte zu tun. Schon bei der ersten Mondlandung 1969 war Georg Kramer von den damals sehr beliebten Moonwatches (englisch für Monduhren), darunter das Modell Speedmaster der Firma Omega, angetan und hat sie seitdem oft repariert.

Mechanische Uhr Teil einer Weltraum-Mission

Inzwischen hat er selbst auch eines der Sammlerstücke am Handgelenk. „Astronautenuhren und Fliegerchronographen sind für mich die Krönung der Uhrenherstellung, weil sie für besonders extreme Anforderungen entwickelt werden“, sagt das Urgestein der Uhrmacherszene.

Dass 50 Jahre nach der Mondlandung wieder eine mechanische Uhr Teil einer neuen Weltraum-Mission werden könnte, überrascht ihn nicht: „Es ist der anhaltende Siegeszug der feinen Präzision.“ Der Stress-Test für die Mars-Uhr Amadee-20 ist im Oktober in der Negev-Wüste in Israel geplant.

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