Einkaufszentrum

Trotz Corona kommen neue Geschäfte ins AEZ

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Centermanagerin Ludmila Brendel kann sich über neue Mieter im Alstertal-Einkaufszentrum (AEZ) freuen.

Centermanagerin Ludmila Brendel kann sich über neue Mieter im Alstertal-Einkaufszentrum (AEZ) freuen.

Foto: Thorsten Ahlf

Zwar ist die Zahl der Kunden im Alstertal-Einkaufszentrum stark gesunken, doch nach Corona sollen viele zusätzliche Angebote locken.

Hamburg.  Im Eingangsbereich von Thalia steht ein Flipchart. Acht Zettel sind dort festgeklebt. „Geöffnet“ steht oben links, daneben der Hinweis „Für den Einkauf im Buchhandel benötigen Sie keine Termine“. Es wird auf die Öffnungszeiten von 10 bis 18 Uhr verwiesen. Und gleich fünf Pfeile zeigen den Weg, den Kunden in das Geschäft nehmen sollen.

Einige Lesefreunde haben an diesem späten Vormittag mitten in der Corona-Krise den Weg in die Buchhandlung im Alstertal-Einkaufszentrum (AEZ) gefunden. Aber es sind weit weniger als in normalen Zeiten. „Im AEZ erreichen wir derzeit etwa 40 Prozent der normalen Frequenz“, sagt Centermanagerin Ludmila Brendel dem Abendblatt.

AEZ ist eines der größten Center im Norden

Mit 59.000 Quadratmeter Verkaufsfläche zählt das AEZ in Poppenbüttel zu den größten Einkaufscentern in Norddeutschland. 65 Geschäfte haben derzeit regulär geöffnet, weil sie es trotz Lockdowns dürfen. Dazu gehören die Supermärkte von Rewe und Edeka, die Drogerien Budnikowsky und dm, die AEZ-Apotheke, die Markthalle mit ihren Ständen für Obst und Gemüse, Backwaren, Wurst, Fleisch und Feinkost, Arko und Nespresso sowie Dienstleister wie Reparaturbetriebe für Handys.

38 weitere Läden von Apple über Esprit und Kaufhof bis zu Søstrene Grene bieten Click & Collect an, also das Bestellen der Ware per Telefon, E-Mail oder Webseite und Abholen am Eingang des Geschäfts. Das heißt aber nicht, dass man die bestellten Artikel immer dann einsammeln kann, wenn das Center geöffnet ist. Oft ist das Abholen auf wenige Stunden an ausgewählten Tagen begrenzt.

246 Läden im AEZ

Für die Mehrheit der 246 Läden kann man den Zustand mit zwei Buchstaben beschreiben: „zu“. Seit Mitte Dezember – mit einer zweiwöchigen Ausnahme im März für Click & Meet, also dem Einkaufen zu einem festen Termin – sind die meisten Einzelhändler wegen des Lockdowns wieder geschlossen.

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

„Die Lage ist sehr, sehr herausfordernd für die Mieter“, sagt Ludmila Brendel. In früheren bundesweiten Umfragen des Shoppingcenterbetreibers ECE, zu dem das AEZ gehört, hätten sich 55 Prozent der Betriebe Sorgen gemacht, wenn der Lockdown bis März reicht. Nun würden sogar 75 Prozent über Schließungen und Stellenabbau nachdenken.

Das AEZ gehört zu ECE

Dabei kam das Unternehmen ECE, das zum Imperium der Hamburger Otto-Familie gehört und von Alexander Otto geleitet wird, den Mietern schon entgegen. Seit Krisenbeginn vor gut einem Jahr wurden zunächst individuelle Lösungen vereinbart.

Im Dezember habe die ECE dann den Mietern zugesichert, ab Januar für ein halbes Jahr die Kaltmieten zu halbieren, wenn die Geschäfte wegen des Lockdowns geschlossen bleiben müssen, sagt die 45 Jahre alte Diplom-Ökonomin. Auch Werbekostenbeiträge würden halbiert, die Nebenkosten zum Beispiel durch das Ausschalten der Springbrunnen reduziert.

Betty Barclay neu im Center

„Aktuell haben wir keine Schließung im Zuge von Corona-Insolvenzen“, sagt Brendel. Einige Firmen wagten sogar in der Pandemie die Öffnung. Anfang Dezember öffnete Blumen Bodo auf der Fläche von Mephisto Schuhe, hat zurzeit allerdings wieder geschlossen.

Die Kette Dunkin’ Donuts machte für den Fanartikelverkäufer Elbenwald an Silvester auf. Schon zuvor begrüßte das AEZ in Corona-Zeiten neue Mieter mit dem Damenmodehersteller Betty Barclay (im April 2020 für Esprit Bodyware), dem Wohnaccessoires-Anbieter designforum (im April 2020 für Inflagrante Mode), der Modekette Olymp Hades (im Mai für Clas Ohlson) und der Optikerfirma eyes + more (im Juni für Tiger).

Block-House mit einem Pop-up-Store

Am 28. November machte die Block-House-Kette einen Pop-up-Store auf, der bis Ende Juni auf der ehemaligen Fläche des Laufspezialisten Runners Point, dessen Mutter Foot Locker für alle Filialen das Aus verkündete, 136 Produkte wie Fleisch, Burger, Saucen und Gewürze verkauft.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 2311 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 430.228), 465 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 44), 2373 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1435,3 (Stand: Sonntag).
  • Schleswig-Holstein: 1362 Corona-Fälle (477.682), 623 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 39). 2263 Todesfälle (+5). Sieben-Tage-Wert: 1453,0; Hospitalisierungsinzidenz: 7,32 (Stand: Sonntag).
  • Niedersachsen: 12.208 neue Corona-Fälle (1.594.135), 168 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, 7952 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1977,6; Hospitalisierungsinzidenz: 16,3 (Stand: Sonntag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 700 neue Corona-Fälle (381.843), 768 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 76), 1957 Todesfälle (+2), Sieben-Tage-Wert: 2366,5; Hospitalisierungsinzidenz: 11,9 (Stand: Sonntag).
  • Bremen: 1107 neue Corona-Fälle (145.481), 172 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 14), 704 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1422,6; Bremerhaven: 2146,1; Hospitalisierungsinzidenz (wegen Corona) Bremen: 3,88; Bremerhaven: 7,04 (Stand: Sonntag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).

Das Luxusmodelabel Escada (für Laurel) ist startklar für die Rückkehr ins AEZ und will ein ebenfalls zeitlich-befristetes Geschäft aufmachen. Auch der Bekleidungshersteller Lacoste (für die Modemarke Sør) und das Gastronomiekonzept Immergrün (auf der Sansibar-Fläche) wollen öffnen, wenn der Lockdown beendet ist, sagt Brendel. „Das sind klassische Nachvermietungen.“

Meist laufen die Mietverträge in Shoppingcentern zehn Jahre. Derzeit stünden drei bis vier Verkaufsflächen leer, was aber bei 246 Läden nicht außergewöhnlich sei. Schwierig sei es derzeit Gastronomieflächen – wie die der bereits vor Corona insolventen Kette Cha Cha – nachzubesetzen. Für das Modeunternehmen Strenesse, das den Geschäftsbetrieb einstellt, stünden die Verhandlungen mit einem Nachmieter vor dem Abschluss.

Sonnabends viel los im AEZ

Wie nachhaltig die Pandemie das AEZ verändern werde, sei offen. „Das weiß keiner“, sagt Brendel. Sie hofft auf ein möglichst schnelles Ende des Lockdowns und mit deutlichen Fortschritten bei der Impfkampagne: „Dann werden wir uns relativ schnell der Normalität nähern.“ Die Kunden seien dem Center im Norden Hamburgs sehr treu, viele gelten als Stammkunden. Im Schnitt zählt das Center 39.000 Besucher täglich, an Sonnabenden und im Winter deutlich mehr. Klar sei auch, dass die Geschäfte noch zu kämpfen haben werden. Insbesondere kleinere Betriebe, die auf staatliche Hilfsgelder warten müssen.

Erste „Gänsehaut“-Momente erlebte Brendel im März, als immerhin 178 Geschäfte für Click & Meet wieder geöffnet hatten. Es sei schön gewesen, die Leute wiederzusehen. Die Frequenz lag damals bei 60 Prozent. Vor wenigen Wochen wurde auch der Lieferservice Digital Mall wiederbelebt.

20 Prozent Nachlass auf viele Produkte

Die Käufer sollen dabei möglichst zügig erfahren, welche Produkte vorrätig sind, und zwar bis auf die Schuhgröße heruntergebrochen – und dann natürlich auch die Ware bestellen. Knapp ein Dutzend Händler im AEZ machen bei der Digital Mall mit. „Die Nachfrage ist gut“, sagt die Centermanagerin: „Es wird aus den Geschäften heraus geliefert.“ So könnten auch die lokalen Händler unterstützt werden. Ein Dienstleister holt die Produkte vor Ort ab und soll sie noch am gleichen Tag innerhalb Hamburgs ausliefern. Zurzeit mit 20 Prozent Nachlass auf viele Produkte. Insgesamt machen bei der Digital Mall 500 Händler aus 60 Centern mit.

Bei Liebeskind wird dekoriert

Auf viele potenzielle Käufer trifft man beim Rundgang durch das AEZ nicht. Lediglich in der Markthalle wird es etwas enger. Brendel aber sagt: „Es tut sich viel hinter den Schaufenstern.“ Beim Modelabel Liebeskind trifft das wörtlich zu. Zwei Angestellte mit Mundschutz dekorieren das Schaufenster um. Beim Optiker eyes + more probiert ein Kunde Brillengestelle auf.

Und bei Ryf bürstet ein Friseur einer Kundin die Haare. Wer für den Besuch beim Haarspezialisten noch einen aktuellen Corona-Test braucht, kann den übrigens in der Außengalerie erhalten. Am Dienstag nach Ostern eröffnete Sanovia Healthcare dort ein Testzentrum. Es hat feiertags auf, aber nicht an den Sonntagen. Wer sich testen lassen will, sollte sich vorher online einen Termin holen.

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