Karoviertel

Hummus für St. Pauli und Werder – und was ist mit dem HSV?

| Lesedauer: 7 Minuten
Hanna-Lotte Mikuteit
Tina und Jan Schumacher sind eigentlich Werber, jetzt haben sie mitten in der Corona-Krise die erste Hummus-Bar Hamburgs in der Marktstraße eröffnet.

Tina und Jan Schumacher sind eigentlich Werber, jetzt haben sie mitten in der Corona-Krise die erste Hummus-Bar Hamburgs in der Marktstraße eröffnet.

Foto: Andreas Laible

Das Werber-Ehepaar Tina und Jan Schumacher hat in der Coronakrise umgesattelt – und Hamburgs erste Hummus-Bar Nezumi eröffnet.

Hamburg.  In der Kühltheke des Nezumi enthält jeder Name eine Botschaft. Forza St. Pauli, Big in Japan, Classic oder doch lieber Werder Bremen? Da kann die Auswahl schon mal zum Bekenntnis werden. Es ist 10 Uhr morgens, gerade haben Tina und Jan Schumacher ihr kleines Ladenlokal im Karoviertel geöffnet.

In der Auslage steht das Tagesangebot in Hamburgs erster Hummus-Bar bereit, in transparenten Schälchen übereinander gestapelt. „Wir haben in der Regel sechs bis acht verschiedene Sorten“, sagt Tina Schumacher. Dafür fangen die Schumachers früh an. Durch eine Tür geht es im hinteren Bereich des Gastraums in die Küche. Hier wird die Creme aus Kichererbsen und dem Sesammus Tahin täglich frisch produziert.

Vorbild ist eine Hummus-Bar in Kalifornien

Mit dem Nezumi will das Unternehmerpaar eine Marktlücke in Hamburg füllen. Hummus ist gerade ziemlich populär. Die orientalische Spezialität gehört in vielen Ländern der Welt quasi zur Grundversorgung. Auch in Deutschland bieten viele Restaurants und Imbisse Kichererbsenmus auf der Speisekarte an. Inzwischen steht der Dip in Supermärkten und Discountern im Kühlregal.

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Auch Tina und Jan Schumacher sind schon lange Hummus-Liebhaber. In Kalifornien hatten sie vor einigen Jahren zum ersten Mal in einer Hummus-Bar gesehen, dass die variantenreiche Paste nicht nur eine Beilage ist, sondern auch zu einem eigenständigen Geschäftsmodell taugt. „Wir waren begeistert“, sagt Tina Schumacher. Jetzt haben die beiden die Idee an die Elbe geholt – und sich mit Nezumi Schummis Hummus Deli selbstständig gemacht.

Corona-Jahr sorgte für Kehrtwende

Das hat auch mit der Corona-Pandemie zu tun. Eigentlich kommen Tina und Jan Schumacher aus der Werbebranche, haben in verschiedenen Agenturen in den Bereichen Marketing und Mediaplanung gearbeitet. „Es hat sich dann so ergeben, dass wir beide Anfang 2020 keinen Job hatten“, sagt Jan Schumacher.

Nachdem Corona im vergangenen Frühjahr auch ihr Leben umgekrempelt hat, „haben wir angefangen über einen Plan B nachzudenken“, sagt seine Frau. Als ihr Geschäftskonzept für eine Hummus-Bar auch bei ihrem Steuerberater Anklang fand, entschieden die Hobby-Köche, alles auf eine Karte zu setzen.

Im Nezumi stecken die gesamten Ersparnisse der Gründer

Am 1. Januar mieteten die 51 und 52 Jahre alten Gründer, die mit Teenagertochter Paula auf St. Pauli leben, den gut 50 Quadratmeter großen Laden in der Marktstraße, in dem zuvor ein Reisebüro die Corona-Auswirkungen nicht überstanden hatte – und legten los. Nutzungsänderung beantragen, Firmendesign entwickeln, Ladeneinrichtung bauen lassen und – ganz wichtig – Küchengeräte für ihre Hummus-Großproduktion bestellen. Ihre gesamten Ersparnisse, etwa 120.000 Euro, stecken in dem Projekt. Seit der vergangenen Woche ist das Nezumi geöffnet.

„Der Name kommt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie ,Maus‘, sagt Tina Schumacher. Hummus und Japan, das passt auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen. Muss es auch nicht, sagen Schumachers. „Es geht uns nicht darum, ein weiteres Original-Hummus zu machen. Das können andere besser. Unsere Idee ist es, neue und ungewöhnliche Geschmacksvarianten anzubieten.“ Klar, dass eine der ersten Sorten Big in Japan heißen musste – mit Kichererbsenmus mit Matcha und Wasabi.

Hummus-Produktion dauert 48 Stunden

„Wir haben inzwischen 30 Rezepte entwickelt“, sagt Tina Schumacher. In karierter Köchinnen-Hose und gelber Schürze steht sie in der Nezumi-Küche, während Ehemann Jan die erste Kundin des Tages bedient. Die Edelstahlflächen sind nach der morgendlichen Produktion wieder blank gewienert. In einer Ecke steht ein großer Bottich mit getrockneten Bio-Kichererbsen. Insgesamt mehr als 1500 Kilogramm haben die Schumachers für den Anfang bestellt. Um sie zu der besonderen Paste zu verarbeiten, müssen sie 24 Stunden eingeweicht, dann gekocht und abgekühlt werden.

„Es dauert etwa 48 Stunden, bis sie hier hereinkommen“, sagt die Gründerin und zeigt auf das wichtigste Gerät ihrer Küche: eine Art Riesen-Pürierstab aus Schweizer Fabrikation. „In Israel nennen sie das Hummus-Maschine“, sagt Tina Schumacher. Bei ihr entstehen darin Sorten wie Viva la Revolution (mit scharfen Chipotles und Mango), Forza St. Pauli (mit Kalamata-Oliven und frischer Minze) oder BuxxBunny (mit gerösteten Karotten und Ingwer).

Ausverkauft auf dem Isemarkt

Das Angebot passt offenbar in die Zeit. Parallel zur Eröffnung des Imbisses will das Unternehmerpaar den Hummus auch auf Wochenmärkten feilbieten. Extra dafür haben sie einen dreirädrigen Mini-Transporter, eine Ape in Froschgrün, gekauft und zum Verkaufsstand umbauen lassen.

Als erste Station war Jan Schumacher am vergangenen Freitag auf dem Isemarkt. „Nach zwei Stunden war fast alles weg und meine Frau musste Nachschub bringen“, sagt er. Mehr als 60 Hummus-Portionen hat er am ersten Markttag verkauft. Die 200-Gramm-Schale kostet 5 oder 6 Euro. „Das war ein tolles Erfolgserlebnis“, sagt er. Jetzt hoffen die Nezumi-Macher auf eine der begehrten Dauerlizenzen auf dem beliebten Wochenmarkt. Zu finden sind sie im Moment freitagnachmittags auch auf dem Schanzenmarkt am Schulterblatt. Auf der Wunschliste steht zudem der Volksdorfer Markt.

Hummus mit Schokolade

Der Laden in der Marktstraße ist sechs Tage die Woche geöffnet, in der Regel von 10 bis 18 Uhr. „Jetzt muss Geld in die Kasse kommen“, sagt Jan Schumacher nach dem Auslaufen von Arbeitslosengeld und Gründungszuschuss. Dabei setzen die Schumachers mit ihrem Hummus to go auf die Rückkehr der Büromenschen aus dem Homeoffice nach der Corona-Zeit.

In der Umgebung sind mehrere Werbeagenturen, die Gerichte und die Messe. Schon jetzt gibt es wechselnde Lunch-Bowls und Wraps. Inzwischen kristallisieren sich die ersten Lieb­lings-Hummus-Sorten heraus. „Forza St. Pauli läuft gut“, sagt Tina Schumacher. Auch die Variante To die for Chocolate hat schon echte Fans. Moment mal, Kichererbsen mit Schokolade, das soll schmecken? Beide Nezumi-Gründer nicken eifrig.

Hummus für HSV-Fans soll es auch geben – nach dem Aufstieg

Überhaupt: Geschmackliche Denkverbote gibt es. Und auch keine anderen. Unter anderem haben die Hummus-Macher die Sorte Werder Bremen im Repertoire – mit Erbsen und Minze. In Hamburg! „Wir kommen ursprünglich aus Bremen“, erklärt Jan Schumacher.

Aber an seinem ersten Tag auf dem Isemarkt hat der Werder-Fan ein Versprechen abgegeben. „Wir kreieren eine HSV-Sorte, sobald die Mannschaft in die Erste Bundesliga aufsteigt.“

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