Luftfahrt

Betriebsrat will Umbaupläne bei Airbus bekämpfen

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Wolfgang Horch
Jan-Marcus Hinz ist Gesamtbetriebsratschef der Airbus Operations GmbH. Er fürchtet massive Folgewirkungen für die Mitarbeiter, falls der Konzernumbau kommt.

Jan-Marcus Hinz ist Gesamtbetriebsratschef der Airbus Operations GmbH. Er fürchtet massive Folgewirkungen für die Mitarbeiter, falls der Konzernumbau kommt.

Foto: Roland Magunia

Umstrukturierung der Flugzeugproduktion stößt auf Widerstand. Welche Gefahr der Betriebsrat für Tausende Hamburger Beschäftigte sieht.

Hamburg.  Der von Airbus geplante Konzernumbau trifft auf Widerstand des Betriebsrates. „Wir führen einen Abwehrkampf. Das muss man so deutlich sagen“, sagte dem Abendblatt Jan-Marcus Hinz, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Airbus Operations GmbH, die die zivilen Aktivitäten in Deutschland bündelt.

Am Mittwoch hatte Airbus bekannt gegeben, die Strukturmontage als „Kernaktivität“ zu betrachten. Dafür soll die Fertigung von Rumpfteilen, die bisher bei der 2009 ausgegründeten Tochter Premium Aerotec Gruppe (PAG) erfolgt, näher an den Konzern rücken. Zusammen mit der Strukturmontage, in der im Hamburger Werk 1600 Beschäftigte die Rümpfe zusammenbauen, soll sie in einer neuen Tochterfirma gebündelt werden, die zu 100 Prozent im Konzern verbleibe. Begründet wurde das auch mit einer Optimierung des Prozessablaufs.

Arbeitnehmervertreter befürchten späteren Verkauf der neuen Tochter

„Für die Kolleginnen und Kollegen ist das eine Auslagerung und nichts anderes“, sagte Hinz. Man habe immer die Auffassung vertreten, dass die Flugzeugstruktur zu den Kernkompetenzen gehört – auch wenn sich die PAG in der jetzigen Struktur bewährt habe. Daher wolle man zusammen mit den PAG-Betriebsräten für den Erhalt der PAG kämpfen, der durch die Abspaltung der Einzelteilfertigung eine Zerlegung droht.

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„Welche Schnittstelle wird dadurch verringert, wenn eine Tochtergesellschaft gegründet wird? Mir fällt keine ein“, sagte Hinz. Bei Bedarf könne man beide Bereiche der PAG wieder in die Airbus Operations GmbH integrieren. Die Arbeitnehmer befürchten aber, dass nach dem Motto verfahren werde: „Heute Kernkompetenz, morgen Tochtergesellschaft, übermorgen verkauft.“

Betriebsrat warnt vor Spaltung der Belegschaft

Würden die Pläne wie geplant umgesetzt, sieht Hinz die Gefahr einer Zweiklassengesellschaft und Spaltung der Belegschaft. „Insgesamt geht es bei Airbus Operations um Tausende von Arbeitsplätzen. Bei der Strukturmontage in Hamburg ist entscheidend: Ist nur die Fertigung betroffen? Oder auch Teile des Engeneerings und der Supportfunktion?“, sagte Hinz. Dann wären es weit mehr als 1600 Beschäftigte.

Perspektivisch fürchtet er, dass ihnen in Zukunft schlechtere Konditionen drohen. Denn der Druck auf Arbeitsbedingungen, Personalkosten und Sozialleistungen sei bei einer Ausgliederung da. Zumal sich die neu zu gründende Tochter im Wettbewerb behaupten soll. Und wer garantiere, dass die Rumpfteile stets bei der Tochter gekauft werden und nicht günstiger bei ausländischen Konkurrenten?

Managerwechsel soll deutsche Standorte schwächen

Kritisch sieht er den Abgang des Managers Michael Schöllhorn (COO) zur Verteidigungs- und Raumfahrtsparte. Für ihn rückt ab Juli der Spanier Alberto Gutiérrez nach. Das traditionelle Gleichgewicht zwischen Deutschland und Frankreich sehe vor, das es neben dem Franzosen Guillaume Faury als Chef einen starken deutschen Vorstand gebe, so Hinz. „Wir haben im Topmanagement einen verantwortlichen Posten verloren – und das ist ganz klar eine Schwächung für die deutschen Standorte.“

Der Druck in der Luftfahrt ist durch die Corona-Krise und dem damit verbundenen weltweiten Passagiereinbruch hoch. Airbus wollte allein am Standort Hamburg 2260 Stellen abbauen. Rund 1000 Beschäftigte nahmen auf Finkenwerder eine Abfindung an. „Es sollte jetzt um Beruhigung gehen, und nicht die nächste Sau durchs Dorf getrieben werden“, sagte Hinz.

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